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Software für iPhone und iPod Touch: Unternehmen steuern

17.04.2008 | 12:20 Uhr |

Für Business-Anwender war das iPhone ursprünglich nicht gedacht. Der Kritik, man könne das schicke Telefon nicht als Alternative zu Blackberry und Co verwenden, entgegnet Apple mit der iPhone-Software 2.0.

„Schön ist es ja, aber kann ich damit auch meine Lotus-Notes-Mails lesen?“ - „Ist die virtuelle Tastatur nicht hakliger als die des Blackberry?“ - „Was passiert mit meinen vertraulichen Daten, wenn ich das Telfon verliere?“: Fragen aus der Unternehmenswelt, von einer Zielgruppe, die Apple mit ersten iPhone wohl eher nicht im Blick hatte. Das schicke, smarte und leicht zu bedienende Apple-Handy fand jedoch von Anfang an Anklang im mittleren und höheren Management. Alle Bedenken sind noch nicht zerstreut, IBM nennt nach anfänglicher Euphorie noch keinen Termin für einen Notes-Client und an die virtuelle Tastatur muss man sich erst gewöhnen, bevor man halbwegs fehlerfrei tippt. Die Fernlöschung von kritischen Daten wird jedoch eine wesentliche Funktion der neuen iPhone-Software sein, zahlreiche Entwickler haben Software auf SDK-Basis oder als WebApps angekündigt oder bereits in Betrieb.

Mit den Geschäftskunden hat Apple eine ganz neue Klientel mit besonderen Wünschen im Visier. Manager nutzen derzeit noch überwiegend den Blackberry der kanadischen Firma RIM, sind für Anbieter vergleichsweise teurer Smart Phones aber natürlich eine attraktive Zielgruppe: Laut der Marktforscher von Canalys ist das iPhone schon vor Erscheinen der Firmware 2.0 Nummer drei unter den Smartphones. Ein Business-Handy muss andere Voraussetzungen erfüllen als ein Mobiltelefon, das privat genutzt wird. Zum Beispiel verlangen viele Firmen, dass sich alle Daten auf dem Handy bei Verlust von einem Server aus löschen lassen, Apple erfüllt diese Forderung mit seinem iPhone 2.0. Darüber hinaus gibt es einen besseren Zugriffsschutz anstelle der einfachen PIN und Zugriff auf geschützte WLAN-Verbindungen (WPA2 wird künftig unterstützt). Auch sind die Möglichkeiten, VPN-Verbindungen aufzubauen und Werkzeuge, mit denen eine Firma erzwingen kann, dass gewisse Sicherheitsmaßnahmen vom iPhone-Besitzer nicht abgeschaltet werden, mit an Bord. Praktisch: Größere Firmen können künftig die entsprechenden Werte von einer zentralen Stelle auf mehreren iPhones einstellen („remote installation/remote configuration“).

Microsoft Exchange statt Lotus Domino

Wichtigster Punkt aber dürfte auch hierzulande die Integration mit Microsoft Exchange Server werden. Das iPhone bekommt von Apple ein Active-Sync-Plug-in (entwickelt mit einer Lizenz von Microsoft), so dass man als iPhone-Besitzer direkt auf den Server zugreifen kann. Ein Push-Mail-Dienst wie Blackberry ist nicht notwendig. Die einseitige Festlegung auf Exchange hat jedoch auch für Kritik gesorgt, SAPs Senior Vice President Mike de la Cruz führt in einem Interview mit der Businessweek aus, dass etwa 20 Prozent der großen Firmen ein anderes Kommunikationssystem verwendeten, etwa Lotus Domino von IBM. Wie erwähnt, ist ungewiss, wann IBM den Lotus-Notes-Client fertig stellt, ab Juni kann das iPhone via Activesync künftig E- Mails, aber auch Termine, Notizen und Adressdaten direkt von einem Exchange-Server bekommen. Apples Marketingboss Phil Schiller zeigte während des Special Events Anfang März unter anderem, wie ein iPhone-Besitzer einen neuen Kontakt in das Adressbuch einträgt und diese Daten sofort im zentralen Firmenadressbuch von Exchange landen. Umgekehrt erhält der iPhone-Besitzer eine Änderung der Telefonnummer sofort vom Server zurückgemeldet. Alle diese Dienste lassen sich über die Daten dienste des Mobilfunknetzes praktisch in Echtzeit abwickeln. Großer Pluspunkt ist dabei, so Phil Schiller, dass E-Mails, Kontakte und Termine auf dem iPhone genau dort landen, wo heute schon die manuell eingetragenen Informationen gespeichert werden.

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