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Sonnenfinsternis 2015: Nur Spezialbrillen schützen

20.03.2015 | 09:43 Uhr |

Wer jetzt noch keine Schutzbrille hat, kriegt wohl auch keine mehr. Schauen Sie heute aber ja nicht bloßen Auges auf die Sonne! Und auch Ihre Kamera könnte ohne Schutzvorrichtung leiden.

Für den Versandhandel ist es wohl schon zu spät, aber vielleicht hat Ihr Optiker ja noch einen Augenschutz vorrätig. Sicher ist das nicht, denn Sonnenfinsternisbrillen waren die letzten Wochen stark nachgefragt und sich vielerorts ausverkauft. Wenn Sie im Norden des Landes leben, wird Ihnen das wenig ausmachen, denn sie Wettervorhersage sagt überwiegend wolkenbedeckten Himmel voraus. Im Süden ist das anders, aber denken Sie nicht einmal daran, ohne Schutzbrille in die Sonne zu sehen! Schließlich wollen wir, dass Sie auch morgen die Macwelt noch lesen können. Der Gedanke "Dann blinzle ich halt etliche Grad neben die Sonne und halte dafür die Kamera drauf!" könnte zwar Ihr Augenlicht retten, aber womöglich den Chip Ihrer Kamera ruinieren. Wenn es gegen halb zehn morgen mit der Verdunkelung los geht, steht das Zentralgestirn schon recht hoch am Himmel und der CCD in Ihrer Kamera könnte das gleißende Licht nicht vertragen und quasi durchbrennen. Die Sonne strahlt im Mittelwert mit einer Leistung von fast 1,4 Kilowatt pro Quadratmeter auf die Erdoberfläche, das Objektiv bündelt das Licht auch noch auf wenige Quadratzentimeter, was das für die Schaltkreise bedeutet, kann man sich vorstellen. Von der Netzhaut ganz zu schweigen.

Partielle Sonnenfinsternis am 4. Januar 2011 über Süddeutschland. Die Wolkendecke war dick genug, um Schädigungen des Kamerachips zu verhindern. Ohne Schutzbrille hätte man aber auch bei diesem Wetter nicht in die Sonne blicken dürfen. Und morgen ist es meist klar.
Vergrößern Partielle Sonnenfinsternis am 4. Januar 2011 über Süddeutschland. Die Wolkendecke war dick genug, um Schädigungen des Kamerachips zu verhindern. Ohne Schutzbrille hätte man aber auch bei diesem Wetter nicht in die Sonne blicken dürfen. Und morgen ist es meist klar.

Ein schwarzes Dia oder eine rußgefärbte Glasscheibe hilft nur wenig, besser als nichts ist das, aber einen längeren Blick sollte man unbedingt vermeiden. Für die Kamera sind Folien dringend empfohlen, mitunter ist der Fachhandel aber davon ebenso ausverkauft wie von SoFi-Brillen. Ein Trost: Das Spektakel hält sich in Grenzen, total ist die Sonnenfinsternis nur im Nordatlantik, östlich von Grönland. Die teilweise Bedeckung ist zwar spannend, aber eben kein Jahrhundertereignis wie die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 in Süddeutschland. Erst am 3. September 2081 wird das wieder in der Gegend passieren. Das könnte für die meisten von uns ein paar Jahre zu spät kommen, obwohl wir doch noch realistische Aussichten haben, den Halley'schen Kometen im Jahr 2062 wieder zu sehen. Die nächste partielle Sonnenfinsternis ist in Europa immerhin schon am 25. Oktober 2022 zu bewundern.

Dass es überhaupt totale Sonnenfinsternisse gibt, ist für die Menschheit ein geradezu glücklicher Zufall - in vorwissenschaftlichen Zeiten ja eher ein unglücklicher. Sonne und Mond erscheinen im Zeitalter der Menschheit etwa gleichgroß am Himmel, obwohl die Sonne viel weiter weg ist und entsprechend größer. Aufgrund der Reibungsverluste durch die Gezeiten entfernt sich der Mond aber allmählich von der Erde, in Millionen Jahren wird er deutlich kleiner erscheinen und die Sonne nicht mehr abdecken können. Und warum es bei jedem Neumond nicht zu einer Sonnenfinsternis und umgekehrt bei jedem Vollmond nicht zu einer Mondfinsternis kommt, liegt an der gegenüber der Erdbahn um die Sonne gekippten Umlaufbahn des Mondes. Der Schatten, den der Mond bei jedem Neumond wirft, trifft die Erde fast nie, umgekehrt steht er bei Vollmond entweder oberhalb oder unterhalb des Erdschattens im Raum herum. Die Bahnen freilich sind nicht für alle Zeiten fest in den Himmel geschrieben, sondern schwanken leicht - aber immerhin regelmäßig. So kommt es also nur zu Sonnenfinsternissen, wenn die Mondbahn bei Neumond die Erdbahn schneidet, in einem aufsteigenden oder absteigenden Knoten. Und da selbst der Abstand von Erde und Mond respektive Erde und Sonne nicht konstant ist, kann die Sonnenfinsternis manchmal ringförmig sein, der Mond erscheint dann kleiner als die Sonne. Morgen jedoch trifft der Kernschatten des Trabanten die Erde voll, aber eben leider nur bei Grönland. In Mitteleuropa stehen wir quasi im Halbschatten. Ein Erlebnis wird das auf alle Fälle und ob es aufgrund plötzlich reduzierter Solarleistung an einem sonnigen Vormittag tatsächlich zu Problemen im Stromnetz kommt, wird sich zeigen. In Bayern ist man deshalb völlig unbesorgt, schließlich kommt da der Strom aus der Steckdose .

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