896318

Sony bringt ersten 'blauen' DVD-Rekorder

03.04.2003 | 10:16 Uhr |

In Japan will der Elektronikriese schon nächste Woche den ersten Brenner mit Blu-Ray-Verfahren auf den Markt bringen. Ein neuer Entwicklungssprung steht damit an.

Die japanische Konsumelektronikindustrie steht vor einem neuen Entwicklungssprung. Als weltweit erstes Unternehmen will der Branchenriese Sony am 10. April einen Rekorder mit blauem Laser auf den Markt bringen. Damit lassen sich bis zu 23 Gigabyte an Daten speichern, vier bis fünf Mal mehr als bei herkömmlichen DVDs. Die Technologie der blauen Laser im neuen Sony-Rekorder stammt von der japanischen Optoelektronikfirma Nichia, einem der führenden Produzenten von Leuchtdioden-Technologien. Der High-Tech-Schmiede mit Sitz auf der kleinen japanischen Insel Shikoku war mit der Herstellung blauer Laserdioden als weltweit erstem Unternehmen der Durchbruch gelungen.

"Der Preis für das neue Gerät ist mit 450 000 Yen (3500 Euro) noch ziemlich hoch", sagt ein Sprecher bei Nichia. Das erste Modell von Sony mit der Bezeichnung BDZ-S77 dient denn auch zunächst als Testlauf. Man erwarte bis 2005 mit den folgenden Modellen breit in den Markt zu gehen und Geld verdienen zu können, hieß es. Auch der niederländische Elektronikkonzern Philips hatte auf der vergangenen CeBIT in Hannover einen ersten "serienreifen Prototyp" vorgestellt. "Technologisch ist unser Blue Ray Disc-Rekorder fertig, wir sehen aber in Europa derzeit keinen Markt", sagte Klaus Petri von Philips.

Das weltweite Rennen um den blauen Laser hatte vor gut zehn Jahren eingesetzt. Auch Deutschland fördert die Entwicklung blauer Laser für wiederbeschreibbare DVDs. Durch die geringere Wellenlänge des blauen Lichts gegenüber anderen Lichtquellen lässt es sich auf einen kleineren Bereich fokussieren. Daten auf optischen Speichermedien können dadurch viel dichter gepackt werden als bei bisherigen DVDs.

Dass Nichia schließlich der Durchbruch gelingen sollte, verdankt das Unternehmen seinem früheren Angestellten Shuji Nakamura. Der japanische Wissenschaftler hatte 1995 die weltweit erste blaue Laserdiode zum Strahlen gebracht. Doch das Strahlen hielt bei Nakamura nicht lange an. Sein Arbeitgeber soll ihm für das Patent eine Erfindervergütung von gerade 20 000 Yen (160 Euro) zugestanden haben. Weltweit soll der Konzern damit Millionen verdienen.

Nakamura, der das Unternehmen verließ und seit 1999 als Professor an einer Universität im amerikanischen Kalifornien arbeitet, zog vor Gericht und verklagte seinen ehemaligen Arbeitgeber auf Entschädigungszahlung. Für Nichia sollte es jedoch nicht die einzige juristische Auseinandersetzung sein. So kam es unter anderem zu einem Rechtsstreit mit der deutschen Osram Opto Semiconductors wegen der Verletzung von Schutzrechten an der Entwicklung weißer Leuchtdioden.

Inzwischen haben sich beide Unternehmen über die Schutzrechte an Leuchtdioden-Technologien geeinigt und sich gegenseitig Nutzungsrechte an ihren Entwicklungen eingeräumt. Auch mit anderen Rivalen hat Nichia mittlerweile Frieden geschlossen. Die Vereinbarung mit Sony zur gemeinsamen Entwicklung blauer Laser galt in der Branche als ein weiteres Zeichen dafür, dass Nichia mit seiner restriktiven Patentpolitik den Einstieg anderer Unternehmen in das Geschäft mit blauen Lasern nicht mehr weiter zu behindern sucht.

In der Industrie sorgte die Nachricht von der kurz bevorstehenden Markteinführung der neuen Generation blauer Laserdisc-Rekorder in Japan aber auch für Überraschung. Sonys Startschuss für Rekorder mit Nichias blauer Laser-Technologie sei "unerwartet früh" gekommen, hieß es bei der Konkurrenz. Schließlich erfolgt der Schritt zu einem Zeitpunkt, da die Verbraucher sich gerade verstärkt DVD-Rekordern hinzuwenden beginnen. Nach Schätzungen des Verbandes der japanischen Elektronik- und Informationstechnologie-Industrie werden sich die Inlandsauslieferungen von DVD-Rekordern in diesem Jahr gegenüber dem vergangenen Jahr auf rund 1,3 Millionen Geräte verdoppeln.

In Europa werden die ersten Geräte nach Einschätzung von Philips voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2005 auf den Markt kommen. Hier zu Lande könne aber die Einführung etwa von hochaufgelösten Fernsehbildern, wie es sie in Japan bereits gebe, das Interesse an der neuen Technologie schnell wachsen lassen, sagte Petri. dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
896318