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Sorge um Datenmissbrauch beim E-Commerce

29.05.2001 | 00:00 Uhr |

Sicherheitsbedenken halten immer noch viele
Verbraucher von Einkaufstouren im Internet ab. «Wir haben
Akzeptanzprobleme beim E-Commerce, der Datenschutz ist dabei ein
zentrales Thema», sagt Rolf Bender, Regierungsdirektor für
Medienrecht im Bundeswirtschaftsministerium.

Voraussichtlich Anfang Juni berät der Bundestag eine Neufassung
des Teledienstdatenschutzgesetzes, das den Datenschutz im Internet
regelt. «Mit der Novelle erwarten wir einen Push für den
elektronischen Handel», sagt Bender.

Das Internet ist zwar längst zu einem riesigen Warenhaus geworden,
aber der Boom im E-Commerce ist hier zu Lande bislang ausgeblieben.
Weltweit erreichte der Umsatz im Handel via Datennetz laut Studien im
vergangenen Jahr 285,9 Milliarden Dollar (derzeit rund 650 Mrd DM).
Deutschland hatte daran nur einen Anteil von 9,1 Milliarden Dollar.
Einzelhändler erreichten im vergangenen Jahr nach Schätzung ihres
Verbands einen Online-Umsatz von fünf Milliarden DM - damit steuern
sie lediglich 0,5 Prozent zum gesamten Einzelhandelsumsatz bei.

Internet-Shopper sorgen sich zu Recht um den Missbrauch ihrer
persönlichen Daten: In einer Untersuchung hat die TÜV Nord Security
GmbH Hamburg Ende vergangenen Jahres festgestellt, dass beim
Datenschutz mehr als 70 Prozent der Anbieter im grauen Bereich
operieren. So holten 86 Prozent nicht das Einverständnis der Käufer
ein, wenn sie deren Daten an Dritte vermittelten. Die Löschung von
Kundendaten garantierten 91 Prozent nicht ausdrücklich, 79 Prozent
belehrten ihre Nutzer nicht oder kaum über den Datenschutz.

«Die Regeln des Datenschutzes im Internet sind nicht schlecht, sie
werden nur nicht befolgt», sagt Werner Schmidt, Vize-Sprecher des
Bundesbeauftragten für Datenschutz. «Die Anwender sorgen für
erhebliches Misstrauen und schaden dem Marktplatz E-Commerce, der
deutlich hinter seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten bleibt.»

Auch das Bezahlen übers Netz und die vielen unterschiedlichen
Systeme verunsichern die Surfer. So nutzten nach einer Untersuchung
der Hamburger Unternehmensberatung Mummert + Partner bisher nur 1,5
Prozent der Online-Kunden so genannte elektronische Geldbörsen. Drei
viertel der Internet-Nutzer bevorzugten wegen Sicherheitsbedenken bei
ihren ersten Einkäufen per Mausklick eine gewöhnliche Rechnung. 64
Prozent der Verbraucher gaben an, dass eine sichere und
verschlüsselte Übertragung den Online-Einkauf attraktiver machen
würde.

Nach dem Teledienstdatenschutzgesetz ist ein E-Commerce-Anbieter
verpflichtet, möglichst wenig personenbezogene Daten zu erheben und
diese nur so lange zu speichern, wie es zur Geschäftsabwicklung nötig
ist. Kunden müssen schriftlich einwilligen, wenn ihre Angaben für
Werbung verwendet werden sollen. Diese Zustimmung ist auch bisher
schon auf elektronischem Weg erlaubt. Die Novelle soll diese
Möglichkeit noch erleichtern und sie an weniger strenge
Voraussetzungen koppeln.

Bei Verstößen sollen künftig Bußgelder bis zu 100 000 DM erhoben
werden können. «Ziel der Novelle ist es, das Gesetz
anwendungsfreundlicher und transparenter zu machen», erklärt Bender.
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue
Medien (BITKOM) und die Initiative D21 fordern ein Gütesiegel,um den
E-Commerce anzukurbeln. «Wir brauchen eine Art TÜV-Siegel wie beim
Auto, eine Marke, die das Vertrauen des Verbrauchers hat», sagt
BITKOM-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. (dpa)

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