1036994

Datenschutz: Alternativen zu Facebook und Co.

02.07.2010 | 07:33 Uhr |

Mal schraubt Facebook an den Datenschutz-Regeln herum, mal macht das SchülerVZ Schlagzeilen mit Datenpannen: Die großen sozialen Netzwerke haben viel an Vertrauen verloren.

Facebook is evil
Vergrößern Facebook is evil

In diese Lücke stoßen kleine, zumeist studentische Projekte. Die Macher wollen das ermöglichen, was ein Widerspruch zu sein scheint: Netzwerken, aber trotzdem die Privatsphäre wahren.

Das Problem liegt im System: Wer sich bei einer der kommerziellen Freundes-Plattformen anmeldet, geht einen unausgesprochenen Deal ein. Die Dienste sind allesamt kostenlos. Im Gegenzug dürfen die Betreiber aber die persönlichen Informationen der Nutzer auf ihren Servern speichern und für Werbung verwenden.

"Die zentrale Datenspeicherung bedeutet für den einzelnen einen Kontrollverlust", sagt Prof. Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern. Was passiert beispielsweise mit den Daten, wenn ein soziales Netzwerk den Besitzer wechselt? AOL verramschte jüngst das einst hoch gehandelte Bebo an einen amerikanischen Finanzinvestor. Und was ist, wenn Hacker eine Sicherheitslücke finden und Millionen von Datensätzen auslesen? Der virtuelle Schulhof SchülerVZ ist etwa durch mehrere Sicherheitslecks aufgefallen .

Die Alternativ-Netzwerke wollen den Nutzern die volle Kontrolle geben. Die Konzepte ähneln sich: Die Daten lagern nicht bei einem einzigen Anbieter, sondern dezentral - in einer verschlüsselten Datei zum Beispiel auf dem Rechner des Netzwerk-Mitglieds. "Die Idee ist, Angreifern kein Ziel zu bieten", sagt Prof. Thorsten Strufe von der TU Darmstadt. Er arbeitet mit seinen Informatik-Studenten an einem dezentralen Netzwerk, das den Arbeitstitel "Safebook" trägt und 2011 in die offene Testphase gehen soll.

Wer das Profil oder die Handynummer sehen darf, können Nutzer bei den dezentralen Netzwerken für jeden Kontakt einzeln einstellen. "Sie gestalten dafür Visitenkarten mit unterschiedlichen Freigaben", sagt Informatik-Professor Speck, der mit seinen Studierenden das Projekt "HelloWorld" entwickelt hat und damit im Jahr 2008 den Zukunftspreis Deutschland Kommunikation gewann. HelloWorld ermögliche im Gegensatz zu Facebook und Co. ein "gestaffeltes Freundschaftsmodell". Nicht jeder Kontakt ist schließlich gleich ein Freund.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1036994