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Facebooks Timeline spaltet die Nutzergemeinde

03.02.2012 | 11:35 Uhr |

Kurz vor Börsengang macht Facebook seine Chronik Timeline ab 9. Februar zur Pflicht - dafür hagelt es Kritik aus der Nutzergemeinde. Doch: Auch Ausweichportale wie Google+ ziehen Unmut auf sich.

Ein passfotogroßes Profilbild in der linken oberen Ecke begrüßt den Besucher, eine nebenstehende Kurzbiografie stellt den Profilinhaber in Stichpunkten wie Name, Ausbildung und Heimatort vor, während er oder sie sich unmittelbar darunter mit Freunden über die neuesten Themen austauscht - so oder so ähnlich sah bei vielen Nutzern bislang die Facebook-Startseite aus. Gegen Ende September letzten Jahres stellte der Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg ein neues Profil-Layout vor, ab 9. Februar wird es für alle Nutzer Pflicht: Die Facebook Timeline.

Das ganze Leben auf einen Blick

Zuckerberg stellt sein Leben anhand der Timeline vor
Vergrößern Zuckerberg stellt sein Leben anhand der Timeline vor

Facebook Timeline erzählt die Lebensgeschichte jedes einzelnen Nutzers - abhängig davon, welche und wie viele Informationen der Profilinhaber an Facebook überträgt. Sobald der Nutzer die Funktion per Mausklick auf die Schaltfläche " Hole dir die Chronik " aktiviert hat, lädt Facebook dazu ein, den Anfang des persönlichen Lebenslaufs mit einem breitformatigen Titelbild zu verzieren. Die davon abgehende Zeitachse beginnt beim jüngsten Ereignis und endet bei der Geburt. Dazwischen befinden sich die jeweiligen Ereignisse wie Kommentare, Bild und Video in umgekehrter Reihenfolge. Die Idee: 99 Prozent aller bislang geposteten Einträge aus der Versenkung zu holen.

Bedenken aus der Nutzergemeinde

Während einige Nutzer diese Neuerung willkommen heißen und keinerlei Gefahr darin sehen, da der Profilinhaber nach wie vor selbst entscheidet ,welche Daten für wen einsehbar sind, stößt der langfristige Erhalt privater Informationen bei anderen auf Ablehnung. So befürchten manche, dass auf Fotos verewigte Jugendsünden während eines Vorstellungsgesprächs leichter zum Vorschein kommen und dadurch den Job kosten könnten - das ist keine weit hergeholte Furcht. Viele Personalchefs machen sich vermutlich nicht die Mühe nach mehrere Jahre alten Party-Fotos zu kramen, die Timeline kürzt jedoch genau diese langwierige Suche ab und bringt längst verschollen geglaubte und oftmals unerwünschte Erinnerungen über nur wenige Mausklicks wieder zum Vorschein. Der Nutzer droht zum "gläsernen Menschen" zu werden: Facebook regt an, private Informationen der persönlichen Timeline nachträglich beizufügen, so laufen Nutzer Gefahr, mehr Daten zu veröffentlichen als ihnen lieb ist. Das Offenlegen des Privatlebens wiederum macht die Profilinhaber anfälliger für Werbung - die Facebook anhand der Nutzerdaten maßschneidern will.

Mehr Werbeeinblendungen als zuvor

Möglichst viele Werbekunden anzulocken ist allerdings genau das, was Facebook kurz vor dem Börsengang benötigt, um bei den Anlegern einen guten Eindruck zu hinterlassen. Obwohl es noch keinen konkreten Termin für den Schritt auf das Parkett gibt, gehen Experten bereits davon aus, dass das Unternehmen die Werbeeinblendungen weiter ausbauen und vermutlich sogar innerhalb von Smartphone- und Tablet-Apps einblenden wird. Das Ziel: Seinen Marktwert an der Börse zu erhöhen. Über Facebooks Wert an der Börse wird derzeit allerdings noch spekuliert. Laut der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC erhoffen sich Mark Zuckerberg und seine Vorstandskollegen einen Erlös von fünf Milliarden US-Dollar. Doch: Das ist nur der Anfang. Unmittelbar nach dem Börseneinstieg könnte der Aktienkurs rasant ansteigen und den Marktwert des Unternehmens auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar hoch katapultieren.

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