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Sparsames Surfen

07.09.2004 | 15:24 Uhr |

1997 gab es in Deutschland nur 4,1 Millionen Surfer, heute sind 35,7 Millionen Menschen online - der Markt zeigt aber erste Anzeichen einer Sättigung.

Interessante Forschungsergebnisse über deutsche Surfer hat die gestern veröffentlichte Online-Studie von ARD und ZDF zu bieten. Die repräsentative "ARD/ZDF-Online-Studie" wird seit 1997 einmal im Jahr erstellt. Dazu riefen die Markforscher bei 2537 Bundesbürgern an und führten längere Interviews.
Im Rahmen der Forschungsreihe Media-Perspektiven werden diese Ergebnisse ausführlich dargestellt.
Ginge es nach den Wünschen der Internet-Anbieter, würden immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen. Anders sieht dies aber laut den Ergebnissen der Studie aus.

Weniger Wachstum für 2004

2003 war ein Boom-Jahr fürs Internet - Der Anteil der an das Internet angeschlossenen Haushalte stieg sprunghaft von 44,1 Prozent auf 53,3 Prozent, auch die Nutzungszeit war angestiegen. Nach Einschätzung der Forscher ist dieser Zuwachs vor allem auf Einkaufsangebote und Tauschbörsen zurückzuführen. Otto Normalverbraucher hat im vergangenen Jahr Dienste wie eBay oder Geizhals.at entdeckt und das Internet als Schnäppchenparadies genutzt. Das Internet erreichte neue Nutzergruppen, vermehrt auch die Gruppe der berufstätigen Frauen.


Das Bild ergänzt eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, GFK: So sei der Anteil des Internets am Umsatz mit Textilien, Elektroartikeln und Hartwaren (Non-Food-Bereich) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von drei auf fünf Prozent angewachsen. Dagegen hätten der stationäre Handel (86 Prozent) und der Versandhandel ohne Internet (neun Prozent) Markanteile eingebüßt.
2004 war diese neue Konsum orientierte Nutzergruppe aber bereits Online und die Nutzerzahlen stiegen nur um magere vier Prozent. Für den Wachstums verwöhnten Online-Markt ist ein Plus von etwa vier Prozent aber ein ausgesprochen mieses Ergebnis. Auffällig ist auch die gesunkene Mediennutzungsdauer. Am Wochenende verbringt der Surfer heute 158 Minuten im WWW, 2003 waren es noch 182 Minuten. Statt wie noch im Jahr 2000 7,1 Seiten pro Sitzung zu besuchen, waren es in diesem Jahr nur 5,5 Seiten. Wie zu Anfangszeiten des Internets gibt es bei der Internetnutzung Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Offenbar surfen Frauen gezielter, da pro Internet-Sitzung nur ganze vier Adressen angesteuert werden. Männer kommen im Vergleich auf etwa sieben Internetseiten.


Die Bevölkerungsgruppe mit den meisten Internetsurfern stellen die Jugendlichen im Alter zwischen 14 bis 19 Jahren - dank geburtenschwacher Jahrgänge sind die ungefähr fünf Millionen Jugendliche aber nur ein recht kleines Nutzersegment. Mehr Wachstum ist nur von den über 50-Jährigen zu erwarten, die sich oft noch dem Internet verweigern. Den höchsten Anteil an Nicht-Internetnutzern haben über-50-Jährige und Nicht-Arbeitnehmer.

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