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Spekulationen und Fakten: Macworld Expo New York

14.07.2000 | 00:00 Uhr |

Neue iMacs? Neue Monitore? Mac-OS-X-Beta? Mehrporzessorsysteme? Steve Jobs wird mit seiner Keynote am kommenden Mittwoch, von der Macwelt mit drei Redakteuren vor Ort berichtet, allen die Schau stehlen. Dass Apples Hardware- und Softwarepartner ebenfalls ihre Hausaufgaben gemacht haben, zeigt unsere erste Einschätzung der zu erwartenden Neuvorstellungen.

Hardware

Scanner sind das Hardwarethema dieser Macworld Expo. Der Preiskampf im Niedrigpreis-Segment und die zunehmende Verbreitung von Firewire-Schnittstellen zwingt die Hersteller, ihre Produkte ständig zu überarbeiten. Bei Umax ist der Astra 6400 USB zu sehen, ein 100 US-Dollar teures Gerät mit 42 Bit Farbtiefe und einer Auflösung von 600 x 1200 ppi. Hewlett-Packards 300 US-Dollar teurer 5370C wartet wie Microteks Scanmaker 4700 mit 42-Bit-Farbe und 1200 ppi Auflösung auf. Der Scanmaker 8700, der im Vergleich zu seinem 280 US-Dollar teuren Bruder mit einem Preis von 1000 US-Dollar in einem höheren Segment liegt, soll über eine Auflösung von 2400 x 1200 ppi und einen schubladenartigen Durchlichtvorlagenhalter verfügen. Objekte kann man mit dem Lightshow Object Scanning System erfassen, das 3D Scan in New York zeigt.

Ebenfalls getrieben vom Firewire-Boom stellen die Massenspeicher-Produzenten zahlreiche neue Produkte vor. Onstream zeigt den Macianern eine 600 US-Dollar teure Firewire-Version des ADR-Bandlaufwerks Echo, das eine Transferrate von bis zu 2 MB pro Sekunde mit unkomprimierten Daten erreichen soll. Besitzern von Macs aus der Prä-Firewire-Ära nimmt sich Que an. Der Hersteller, ansonsten vornehmlich im Markt für IEEE-1394-Peripherie engagiert, präsentiert einen SCSI-2-Brenner namens Que Note. Das Gerät soll vor allem unter Eignern älterer Powerbooks Absatz finden. Dantz beglückt die Heimanwender mit einem Update von Retrospect Express 4. Version 4.3 ermöglicht es, mit dem Low-End-Produkt auch Backups auf Festplatten, und nicht mehr nur auf Wechselmedien, zu erstellen. La Cie dagegen fährt auf dem Firewire-Zug mit und zeigt ein 32-GB-Topmodell der Pocket-Drive-Familie von portablen Festplatten, einen CD-Brenner mit 12-facher Schreibgeschwindigkeit sowie, absolutes Highlight, ein DVD-RAM-Laufwerk für die Firewire-Schnittstelle, das bis zu 9,4 GB auf ein Medium bannen kann. Formacs neues Firewire-DVD-RAM-Laufwerk schafft bis zu 5,2 GB je DVD-RAM.

Die zunehmende Verbreitung neuer Technologien und Protokolle zeigt sich auch in verschiedenen Neuheiten in Sachen Netzwerk und Kommunikation. Asante zeigt neben einem DSL-Router aus der Friendlynet-Familie auch einen Switch für Gigabit-Ethernet. Für kleinere Büros oder Familien mit unterschiedlichen Rechnerplattformen hält Macsense den Xrouter Pro bereit, der Macs, PCs und Linuxrechnern Zugang zu ein und derselben Internet-Verbindung verschaffen soll. Auch eine preislich aggressiv positionierte Alternative zu Apples Airport und eine Funk-Maus sind bei Macsense zu sehen.

Das Ausbleiben von Standards und die Koexistenz verschiedener Schnittstellen erfordert Adapter und Erweiterungskarten, und diese sind auf der Macworld Expo zuhauf zu sehen. Neben der 3dfx Voodoo 5 5500 PCI und möglicherweise der ATI Radeon 256 gibt es im Grafikbereich noch die Formac Proformance IV und einen Adapter von Silicon Graphics, der das bislang nur LVDS-taugliche TFT-Display 1600 SW auch zu VGA- und DVI-Ausgängen kompatibel macht. Formac stellt voraussichtlich noch Studio vor, eine Firewire-Erweiterung, mit der sich Film aus S-VHS- und VHS-Kameras digitalisieren läßt. Orange Micro bringt vieleicht eine PCI-Karte, die neben dem aktuellen USB-Protokoll auch dessen zukünftige Version 2.0 mit um ein vielfaches gesteigerten Datenraten beherrscht. Eine Ultra-3-SCSI-Karte stellt Atto vor. Besonderheit: Selbst, wenn langsamere Geräte in der Kette betrieben werden, soll der schnellen Peripherie noch die volle Geschwindigkeit zur Verfügung stehen.

Software

Hausmannskost gibt es bei den Schwergewichten Adobe und Macromedia zu sehen. Die beiden Riesen trommeln für ihre Parade-Produkte Illustrator 9, Indesign 1.5 und Live Motion 1.0 respektive Dreamweaver Ultradev und Freehand 9.

Rühriger zeigen sich dagegen die Winzlinge des Marktes: Synthetik Software vermeldet die Verfügbarkeit von Studio Artist 1.5 und zeigt das zur Verfeinerung von Texturen nützliche Photoshop-Plug-in Wack, bei Beatware ist die neue Version des Web-Animationsprogrammes Epicture Pro zu sehen, Mac-Neuling Pixologic demonstriert das 3-D-Malprogramm Zbrush. Weitere 3D-Neuheiten: Discreets Effekte-Paket Combustion und Ashlars Modeler Vellum Solids 2000. Eine Client-Server-Schriftenverwaltung führt Diamondsoft vor. Font Reserve basiert auf einem Win-NT/2000-Server, der die Schriften hortet, und Mac-Clients, die sich diese per Knopfruck herunterladen und installieren lassen können. Schutz vor dem Online-Diebstahl geistigen Eigentums will Alchemedia bieten. Der Hersteller zeigt in New York Clever Content Server, das Piraten das Kopieren, Ausdrucken und Sichern grafischer Web-Inhalte erschweren soll. Color Vision bewirbt sein Kalibrierungssystem Photocal und das Messgerät MC7.

Im Bereich der Utilities machen vor allem Power On Furore, die mit Rewind eine mächtige Erweiterung der "Widerrufen"-Funktion vorstellen. Das Programm soll es ermöglichen, sein System nach beliebig vielen Änderungen, Kopiervorgängen und anderen Operationen wieder in einen selbst gewählten früheren Zustand zu versetzen. Selbst, wenn der gesamte Systemordner gelöscht wurde, soll Rewind noch einen Systemstart vom internen Laufwerk zustande bringen.

Ebenfalls mit vielen Neuheiten sind die Entwickler von Plug-ins und Xtensions vertreten: A Lowly Apprentice Production ( www.alap.com ) präsentiert die Indesign-Erweiterungen Inbooklet und Starburst, Gluon ( www.gluon.com ) die Skalierungs-Xtension Proscale 5.2 und das Kontroll-Werkzeug QC 4, Vivid Detail ( www.vividdetails.com ) das performancebeschleunigte Photoshop-Plug-in Test Strip 4.0 und Strider ( www.typestyler.com ) Version 3.0 von Typestyler.

Im Bereich der Office- und Businessprogramme wird die bemerkenswerteste Neuigkeit die Filemaker-Beta für Mac-OS X sein. Damit reiht sich der Datenbankklassiker bei Programmen wie Adobe Indesign und Microsoft Internet Explorer ein, die das neue Betriebssystem bereits jetzt unterstützen. Microsoft überbrückt unterdessen die Wartezeit bis zur Vorstellung von Apples Zukunfts-OS und wirbt auf der Expo kräftig für Office 2001, das im Frühjahr ausgeliefert werden soll. Smith Micro führt die Voice-Messaging und Faxsoftware Hotfax Message Center Pro ein. Bestandteil des Pakets ist das ebenfalls im Portoflio von Smith Micro befindliche FAXstf Pro. Das Unternehmen zeigt außerdem Webcatalog Builder, mit dem sich einfache Onlinestores aufbauen lassen.

Spiele

Obwohl die National-Mac-Gaming-Meisterschaft in New York ausfällt, werden Spiele ein großes Thema auf der Macworld Expo sein. Unter der Ägide von 3dfx zeigen Mac-Spieleverlage wie Gathering of Developers zukunftsträchtige Titel wie das an den gleichnamigen Film angelehnte Actionspiel Heavy Metal: Fakk II, das Bungie-Überbleibsel Oni, das Strategiespiel Tropico der Railroad-Tycoon-Entwickler Poptop Software, das Geländewagen-Rennspiel 4x4 Evolution und Westlake Interactives Human-Head-Portierung Rune.

Lars Felber

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