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Spezialisierte Internet-Suchmaschinen im Aufwind

27.09.2004 | 11:33 Uhr |

Ob Hobbygärtner, Chemiker oder Patient: Wer gezielt nach Informationen sucht, sieht sich bei allgemeinen Suchmaschinen oft einer unüberschaubaren Fülle von Treffern gegenüber.

Thematische Suchdienste, die nur eine bestimmte Zielgruppe im Blick haben, erleichtern in vielen Fällen die Recherche. «Thematische Suchmaschinen sind im Kommen», sagt Stefan Karzauninkat, Autor eines Ratgebers zur richtigen Suche im Internet. «Die Qualität von allgemeinen Suchmaschinen sinkt generell.» Auch Verweise auf kommerzielle Seiten nähmen in den Suchergebnissen stark überhand, begründet er den Aufschwung.
«Dadurch, dass wir nicht alle Nutzer abdecken, können wir unsere Zielgruppe besser bedienen als allgemeine Suchmaschinen», sagt Andrew Pylyp, Geschäftsführer der Business-Suchmaschine «Wer liefert was?». Das Portal fokussiert den Bereich der Berufseinkäufer. Sie finden hier Adressen von Lieferanten und können direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen. Von seinen Kunden habe er mehrfach gehört, dass die Suche über Google für sie zu lange dauere. «Ich bin fest davon überzeugt, dass spezielle Suchmaschinen, die sich konsequent behaupten, sehr gute Wachstumschancen haben», sagt Pylyp. Sie könnten allgemeinen Suchportalen Marktanteile wegnehmen.
Auch die bekannten Suchdienste wie Yahoo! bieten Verzeichnisse, die Internet-Nutzer anhand von Rubriken tiefer in die Materie führen. «Yahoo! muss jedoch alle Sachgebiete abdecken. Wir konzentrieren uns auf ein Thema und können so unsere Fachkompetenz besser zum Einsatz bringen», beschreibt Andreas Brunn, Projektleiter von «Archäologie Online» den Vorteil der speziellen Suche. Das Team aus drei Archäologen, die das Projekt ehrenamtlich betreuen, hat neben einem redaktionellen Teil mit Artikeln einen Katalog mit mehr als 4800 Links zur Archäologie aufgebaut. Während im Dezember 2000 laut Brunn rund 8000 Internet-Nutzer die Seite besuchten, waren es drei Jahre später bereits 41 000.


Auch bei «MedPort» hätten sich die Zugriffszahlen in den vergangenen Jahren erhöht, berichtet Projektleiter Stefan Hoferichter. «Die Tendenz ist steigend.» Sein Team aus Medizinern und Informatikern hat nach eigenen Angaben rund 5000 Links zum Thema Medizin gesammelt. Patienten, aber auch Ärzte finden Verweise zu Sites über bestimmte Krankheiten, Diskussionsforen und Zeitschriften. Redaktionelle Beiträge und Links zu Wörterbüchern oder Selbsthilfegruppen runden das Angebot ab.
Insgesamt gebe es zwei- bis dreitausend spezielle Portale im deutschsprachigen Raum, sagt Karzauninkat. Das Angebot reicht von der Kinder-Suchmaschine über Seiten für Heimwerker, Hundehalter oder DDR- Nostalgiker bis hin zu wissenschaftlichen Seiten für Biologen. «Der größte Nachteil ist, dass der Internet-Nutzer die thematischen Suchmaschinen erst einmal finden muss», sagt Karzauninkat.
Verzeichnisse wie «suchlexikon.de» oder «klug-suchen.de» bieten einen Überblick über entsprechende Suchportale. Ähnlich ist die «Deutsche Internetbibliothek» konzipiert: Sie listet neben informativen Themenseiten auch Suchmaschinen auf. Das Problem, dass viele Suchmaschinen dem Internet-Nutzer unbekannt sind, sieht auch Projektleiter Ekkehard Thümler von der Bertelsmann Stiftung: «Dieser Punkt bereitet uns noch Kopfzerbrechen».

In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Bibliotheksverband haben Lektoren von 70 deutschen Bibliotheken bisher knapp 5700 Verweise in 20 Themengebiete eingegliedert. Um den Bekanntheitsgrad des Portals zu steigern, ist laut Thümler eine Kooperation mit dem Lexikon-Anbieter «wissen.de» geplant. Die «Internetbibliothek» beanspruche, nur qualitativ hochwertige Seiten anzubieten, sagt der Projektleiter. «Wir sehen uns als Ergänzung zu Suchmaschinen.» Spezielle Suchdienste könnten ein Angebot wie Google nicht ersetzen.

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