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Spielsucht: Zehn Prozent der Gamer sind betroffen

02.04.2007 | 13:43 Uhr

Nur noch eine einzige Mission erfüllen - dafür kann man ruhig um 3.00 Uhr nachts aufstehen. Und die Klassenarbeit am nächsten Morgen schreibt sich von selbst! Ein größer werdender Anteil der Videospieler zockt so ausgiebig, dass es zum Beispiel nicht bei nur einer nächtlichen Mission bleibt und dass Experten von Sucht sprechen - oder zumindest von Gefährdung.

Ursache dafür ist meist weniger die faszinierende Spielwelt, in die die Spieler abtauchen, als der triste Alltag, den sie hinter sich lassen. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass von den aktiven Spielern im Schnitt zehn Prozent die Kriterien einer Sucht erfüllen", sagt Sabine Grüßer-Sinopoli von der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe an der Charité Berlin (ISFB). Unter Erwachsenen seien die Zahlen dabei in der Regel nicht geringer als bei jüngeren Spielern. "Bei Kindern und Jugendlichen sprechen wir allerdings nicht von Sucht, sondern von Suchtgefährdung."

Tanja Wittung vom Institut zur Förderung von Medienkompetenz "Spielraum" an der FH Köln hält generell die Bezeichnung "exzessives Spielen" für sinnvoller. "Denn ich frage mich, ob das Wort Sucht nicht mehr verdeckt als dass es aufklärt." Dadurch könne zum Beispiel bei Eltern der Eindruck entstehen, exzessives Computerspielen sei so etwas wie Heroin. Dabei macht freilich nicht der körperliche Verfall wie bei harten Drogen das Dauerzocken zum Problem.

Vielmehr sind es die psychischen Folgen, die eine Rolle spielen: "Beim exzessiven Spielen stehen nicht der Spaß oder die Ablenkung im Vordergrund, sondern etwas ganz Anderes: Es wird zu einer nicht adäquaten Problemlösungsstrategie", erklärt Tanja Witting. Das heißt, bei Sorgen in der Schule oder im Betrieb wird nicht versucht, sie aus der Welt zu schaffen. Stattdessen wird der Computer hochgefahren - und die Sorgen werden eher größer als kleiner.

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