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Starthilfe für Mac-OS X, Teil II

11.12.2000 | 00:00 Uhr |

Früher oder später kriegt uns Apple: Die meisten Mac-Anwender werden bald unter Mac-OS X arbeiten. In einer Serie stellen das neue System ausführlich vor und zeigen, wie man als Mac-OS-9-Anwender problemlos damit arbeitet. Heute: Mac-OS 9 und X im Vergleich.

Der Systemstart unter Mac-OS X geht flott vonstatten. Mac-OS-9-Benutzer werden jedoch ein paar Tage brauchen, bis sie sich an die neue Umgebung gewöhnt haben, denn das neue Betriebssystem kommt einem zwar vertraut vor, es fehlen aber die markanten Navigationspunkte wie das Festplattensymbol auf dem Schreibtisch und das Programm- oder Apple-Menü. Unter Mac-OS X gibt es zwar alles und noch etwas mehr, allerdings nicht an den vertrauten Stellen.

Desktop statt Finder

Auch die Bezeichnungen verwirren, so ist etwa der Desktop von Mac-OS X nichts anderes als der Finder unter Mac-OS 9. Klickt man beispielsweise auf den Schreibtischhintergrund, wechselt Mac-OS X auf die Desktopanwendung. Das Apple-Menü mit seinem Zugriff auf Kontrollfelder und die Auswahl gibt es unter Mac-OS X jedoch nicht mehr. Wer unbedingt einen Ersatz für das Apple-Menü braucht, sollte zu dem Hilfsprogramm "Classic Menu" greifen. Die Software bietet unter Mac-OS X ein Apple- und ein Programmmenü und lässt sich unter der Web-Adresse www.classicme
nu.com kostenlos herunterladen.
Apple hat den Finder aber nicht abgeschafft. Ruft man im Menü "Ablage" den Befehl "Neues Fenster" auf, öffnet sich ein Fenster mit der Bezeichnung "Finder". Es enthält eine Symbolleiste mit den Buttons "Computer", "Privat", "Favoriten", "Dokumente" und "Benutzer". Dabei handelt es sich um Shortcuts, die den Anwender sofort an die richtige Stelle im System katapultieren. Im Finder-Fenster sieht man außerdem die Ordner und Dateien.

Dock statt Menüs

Der "echte" OS-X-Anwender verwendet das "Dock" statt des Hilfsprogramms "Classic Menu". Dabei handelt es sich um eine Palette, die sich am unteren Bildschirmrand des Desktops befindet. Das Dock ist der zentrale Navigationsknoten in Mac-OS X. Hier befinden sich nicht nur die aktiven Programme, sondern auch der Papierkorb und persönliche Favoriten. Das Dock kombiniert das ehemalige Apple- und Programmmenü von Mac-OS 9. Bis sich eingefleischte Mac-OS-9-Anwender umgewöhnt haben, wird jedoch einige Zeit vergehen. Den meisten ist der Klick auf das Apple- und Programmmenü zu vertraut. Geblieben ist dagegen die Tastenkombination zum Wechseln der Programme. Mit den Tasten Befehl-Tab kann man sich wie unter Mac-OS 9 durch die Programme hangeln.
Aqua statt Platinum
Die schönste Änderung dürfte der Wechsel der Benutzeroberfläche sein. Während man unter Mac-OS 9 in der Regel mit dem nicht so recht zum bunten iMac-Design passenden Erscheinungsbild "Platinum" arbeitet. Auf Wunsch lässt sich die Aqua-Optik in ein sachliches "Graphit" wandeln - für Publisher und Grafiker sicherlich eine gelungene Funktion, da der bunte Aqua-Look häufig von den Inhalten des eigenen Dokuments ablenkt. Für alle Anwender gleich sind aber die Bedienfunktionen des neuen Systems. So haben Fenster auf der linken Seite drei Buttons, die zum Schließen, Verkleinern oder Vergrößern des aktuellen Fensters dienen. Per Doppelklick in die Titelleiste eines Fensters lässt es sich wie unter Mac-OS 9 minimieren.

Wo das System steckt

Die Änderungen der Benutzeroberfläche erkennt man schnell. Schaut man in die Tiefen des Systems, zeigt sich, warum Apple mehrere Jahre zum Fertigstellen von Mac-OS X gebraucht hat: Das neue Betriebssystem basiert auf Unix und ist weitaus komplizierter als das klassische Mac-OS.
Apple hat seine Hausaufgaben gut gemacht: Die öffentliche Beta-Version von Mac-OS X wirkt sauber und aufgeräumt. Ein neugieriger Blick ins System zeigt, dass die Apple-Entwickler ihrer Philosophie treu geblieben sind. Der Systemordner befindet sich neben den Ordnern "Applications", "Library", "Mac-OS 9" und "Users".

Benutzer: Klare Trennung

Um die Logik des Aufbaus von Mac-OS X zu verstehen, muss man wissen, dass sich das neue System in puncto Mehrfachbenutzer grundlegend von Mac-OS 9 unterscheidet. Während man im klassischen System über das Kontrollfeld "Mehrere Benutzer" festlegen kann, ob ein Passwort für den Systemstart benötigt wird, und welche Rechte ein Anwender hat, geht Mac-OS X gleich einige Schritte weiter.
Im Gegensatz zu Mac-OS 9 setzt das neue System mehrere Benutzer voraus, die unterschiedliche Rechte haben. Mit dem "Root"-Zugang hat man etwa vollständigen Zugriff auf alle Ressourcen und Programme. Nur in diesem Modus lassen sich sämtliche Systemeinstellungen verändern. Er wird dann empfohlen, wenn man Programme benutzerunabhängig installiert. Für den normalen Zugriff reicht jedoch ein regulärer Benutzerzugang mit beschränkten Rechten. Dies ist kein Nachteil, sondern ein weiterer Vorteil, da sich versehentliche Fehler oder Fehleinstellungen vermeiden lassen oder in der Regel ohne schlimme Konsequenzen bleiben. Die Benutzerdaten (Name und Passwort) legt man nach der Installation im Setup Assistant fest.

Vorsicht Chaos: Alles doppelt

Jedem Mac-OS-X-Benutzer steht eine eigene Systemkonfiguration zur Verfügung. Die Einstellungen der anderen Anwender bleiben davon unberührt, und man kann auch eigene Programme und Systemerweiterungen darin installieren.
Um den Benutzerordner zu sehen, klickt man im Finder auf das Symbol "Benutzer". Dann zeigt der Finder den Inhalt des Ordners "Users" an. Arbeitet man alleine an einem System, findet man zwei Einträge: In unserem Fall etwa "mstein" als Benutzerordner und den Ordner "Public", in dem man anderen Anwendern unabhängig vom angemeldeten Benutzer Zugriff für den Datentausch geben kann.
Öffnet man dann den eigenen Benutzerordner, erscheinen die Ordner "Documents", "Library", "Public" und "Documentation". Wer sich jetzt fragt, warum in Mac-OS X alles doppelt ist, sollte sich die Struktur des Systems in Erinnerung rufen. Mac-OS X ist ein Multi-User-System und bietet somit Ordner für den Administrator und die Root sowie Ordner für die einzelnen Benutzer an. Viele dieser Ordner tragen jedoch verwirrenderweise dieselbe Bezeichnung. Ihre Inhalte beziehen sich jedoch entweder global auf das gesamte System oder auf den angemeldeten Benutzer.
Deutlich wird dies beispielsweise, wenn man den Benutzerordner, in unserem Fall "mstein", öffnet. Wie im "Users"-Ordner, in dem alle Benutzer aufgelistet sind, gibt es auch hier einen Ordner mit der Bezeichnung "Public". Dieser unterscheidet sich von dem oben erwähnten Ordner durch seine Verwendung, denn dort kann nur der angemeldete Benutzer Daten für andere Anwender ablegen. Auf die Inhalte im anderen "Public"-Ordner können die übrigen Anwender auch ohne spezielle Rechte zugreifen.

Die persönliche Bibliothek

Innerhalb eines Benutzerordners gibt es neben dem "Public"-Folder noch einen Ordner für die Dokumente und eine so genannte "Library". Der Ordner "Documents" entspricht unter Mac-OS 9 dem Ordner "Dokumente". Klickt man im Finder auf das Symbol "Dokumente", zeigt der Finder den Inhalt dieses Ordners an. Hier lassen sich auch Unterordner für unterschiedliche Dokumenttypen wie Apple Works oder Quicktime anlegen.
Der Ordner "Library" dürfte Mac-OS-X-Einsteigern wohl am meisten Kopfzerbrechen bereiten. Hier finden sich benutzerspezifische Objekte (Erweiterungen und Voreinstellungen). Diese Library unterscheidet sich jedoch von den anderen Ordnern mit derselben Bezeichnung. Jede "Library" enthält Objekte, die sich erweitern lassen. Will man etwa seinem System einen neuen Bildschirmschoner verpassen, legt man im Ordner "Library" des konkreten Benutzers einen Ordner mit der Bezeichnung "ScreenSavers" an. Dorthin kopiert man dann weitere Module für den Bildschirmschoner, wobei die Auswahl der Module über die Systemeinstellungen erfolgt, auf die wir später zu sprechen kommen. Die persönliche Bibliothek findet man übrigens am schnellsten, wenn man den Button "Privat" im Finder anklickt.

Das System im System

Das eigentliche System von Mac-OS X hat Apple gut vor den Anwendern versteckt. Loggt man sich als regulärer Anwender (also nicht als Administrator oder Root) in Mac-OS X ein, sieht man den Ordner "System", der lediglich einen Ordner mit der Bezeichnung "Library" (Deutsch: Bibliothek) enthält. Innerhalb dieser Bibliothek findet man dann rund 40 weitere Ordner, in denen Dokumente, Einstellungen und Anwendungen von Mac-OS X versteckt sind. Dort verbirgt sich für den "normalen" Anwender wenig Spektakuläres.

Im Gegensatz dazu beinhaltet ein weiterer Ordner mit der Bezeichnung "Library", der sich neben den Ordnern "System", "Applications", "Mac OS 9" und "Users" auf der so genannten "Root"-Ebene befindet, etwa die Systemschriften. Im Ordner "Fonts" bietet die Beta-Version von Mac-OS X bereits elf Schriftenkoffer. Im Ordner "Internet Plug-Ins" findet man unter anderem eine "CarbonFlash"-Version und eine Macromedia Runtime. Die Stuffit Engine liegt im Ordner "ApplicationSupport". Außerdem sind hier HTML-Seiten des Apache-Web-Servers ebenso gespeichert wie die Colorsync-Profile. Im Gegensatz zu den "Libraries" in den "User"-Ordnern oder der "Library" im "System"-Ordner beinhaltet dieser Ordner alle wichtigen Systemobjekte, die man ebenfalls hinzufügen oder löschen kann. Für einen derartigen Zugriff muss man sich jedoch mit den Administratorrechten anmelden.
Für die Arbeit mit den Bibliotheken gilt folgender Grundsatz: Will man das System grundsätzlich erweitern, meldet man sich als Administrator an und fügt entsprechende Erweiterungen in den Ordner "Library" auf der Root-Ebene ein. Will man nur die persönliche Mac-OS-X-Umgebung ergänzen, erweitert man die "Library" im entsprechenden User-Ordner, den der Finder per Klick auf den Button "Privat" anzeigt.

Von höchster Stelle
Klickt man im Finder-Fenster das Symbol "Computer" an, bringt einen Mac-OS X an die oberste "Schicht"

des Systems. Hier sieht man alle verfügbaren Laufwerke und das gesamte Netzwerk. Ist Mac-OS X auf
einer eigenen Partition oder Festplatte installiert, stellt der Finder diese unter der Bezeichnung "Mac OS X" dar. Wer seine Platte lieber auf dem Desktop hat, braucht sie nur per Maus an die entsprechende Stelle zu schieben. Wem ein derartiges Alias nicht genügt, der kann auch zum Hilfsprogramm "Show Drives" greifen, das die verfügbaren Laufwerke ebenfalls auf den Desktop bringt. Öffnet man das Festplattensymbol, zeigt der Finder die bereits bekannten Ordner "Applications", "Library", "Mac-OS 9", "System" und "Users" an. Während die "Libraries" die globalen Einstellungen beinhalten und man die benutzerspezifischen Erweiterungen, Anwendungen und Dokumente in dem "Users"-Ordner findet, enthält der Ordner "Applications" sämtliche Anwendungen, die allen Benutzern des Systems zur Verfügung stehen. Der Ordner "Mac-OS 9" verbirgt das klassische Betriebssystem, also Mac-OS 9. Wer für Mac-OS X eine eigene Partition verwendet, findet in diesem Ordner jedoch nicht viel. Dann lässt das neue System den Ordner beinahe leer und greift auf Mac-OS 9 auf der anderen Partition oder Festplatte zu. Diese zeigt das System per Klick auf den Button "Computer" im Finder-Fenster an.

Wer mehr will, muss Dazulernen

Mac-OS X bietet jedoch mehr, viel mehr. Professionelle Unix-Anwender werden den Finder links liegen lassen und zum "Terminal", einer Shell-Anwendung greifen. Das Terminal bietet einen Kommandozeilenzugriff auf das Betriebssystem und dessen Hilfsprogramme. Gibt man etwa den Befehl "ls" ein, listet das Terminal sämtliche Inhalte des aktuellen Ordners auf. Durch den Befehl "cd.." wechselt man in den darüber liegenden Ordner. Tippt man den Befehl "ls" nochmals ein, wenn man auf der Root-Ebene des Systems angekommen ist, zeigt die Shell sämtliche Inhalte an. Während im Finder nur fünf Objekte sichtbar sind, listet
die Shell rund 25 Ordner und Dateien auf. Hier erscheint auch der zentrale Bestandteil des Mac-OS-X-Systems: der Mach-Kernel. Durch den Befehl "cd bin" wechselt man
in den "Bin"-Ordner, der Hilfsprogramme (Befehle) für die Mac-OS-X-Benutzer enthält. Mit dem Befehl "man" wird die Dokumentation der einzelnen Befehle aufgeru-
fen. Gibt man etwa "man echo" ein, zeigt die Shell eine Beschreibung (Man Pages) des "Echo"-Befehls an.
Wer sich nun fragt, ob das Terminal für die Arbeit mit Mac-OS X wichtig ist, kann aufatmen. Für "normale" Anwender reicht der Finder vollkommen aus. Apple erlaubt den Zugriff auf alle wichtigen Systemkomponenten über Desktop und Finder. Gute Dienste leistet das Terminal jedoch beispielsweise beim Entpacken von Programmen, beim Kompilieren von Anwendungen und beim Suchen von Objekten. Zwingend für den Umgang mit Mac-OS X ist es nicht.

Teil III folgt am Dienstag, den 12. Dezember...

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