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Starthilfe für Mac-OS X, Teil IV

13.12.2000 | 00:00 Uhr |

Apple begnügt sich beim nächsten System-Update nicht mit einer erweiterten OS-9-Version, sondern krempelt das ganze Betriebssystem um. Für Mac-Anwender bedeutet dies, sich möglichst schnell einzuarbeiten, denn die neuen Programme für Mac-OS X sind bereits erhältlich, und der Umstieg kommt gewiss.Im heutigen Teil unserer Serie loten wir die Tiefen des Systems aus

Mac-OS X benutzen

Die Logik und der Aufbau des neuen Systems unterscheiden sich von Mac-OS 9 grundlegend. Dass Mac-OS X dennoch ein typisches Mac-OS ist, verdankt es der Benutzeroberfläche, dem Finder und dem Desktop. Aber auch die Systemeinstellungen erinnern stark an bereits Bekanntes. In diesem Kapitel zeigen wir, wie man das System erweitert, welche Hardware unter Mac-OS X Beta bereits funktioniert und welche Software es gibt.

Die Systemeinstellungen

Aus den über 25 Mac-OS-9-Kontrollfeldern hat Apple unter Mac-OS X eine so genannte Cocoa-Anwendung mit der Bezeichnung "Systemeinstellungen" gemacht. Das Programm lässt sich über das Dock oder das Menü "Desktop" aufrufen und beinhaltet unter anderem die Einstellungen zu Tastatur, Internet und Startlaufwerk.
Nach der Installation trägt der Setup Assistant die meisten Einstellungen automatisch in die Systemeinstellungen ein. Will man komfortabel mit dem System arbeiten, ist etwas Nacharbeit erforderlich. So lässt sich in der Kategorie "Startobjekte" festlegen, welche Anwendungen Mac-OS X automatisch starten soll. Sinnvoll ist dies, wenn man etwa Erweiterungen wie "Classic Menu" nicht nach jedem Systemstart neu aufrufen möchte. Mac-OS X übernimmt übrigens auch die Eingabe von Login-Informationen, sofern diese beim Aufrufen einer Anwendung nötig sind.
Wer in einem Netzwerk ohne dedizierten Server arbeitet und via Filesharing Daten von einem Mac zum andern schaufelt, braucht in der Kategorie "File Sharing" nur den "Start"-Button anzuklicken. Den Telnet-Zugriff sollte man jedoch nicht aktivieren.
Anwender, die häufiger auf die Systemeinstellungen zugreifen, können die bevorzugten Einstellungen in den oberen Bereich ziehen. Wie die Systemeinstellungen in der finalen Version von Mac-OS X aussehen werden, ist noch unklar. Apple könnte diese Anwendung durchaus anderen Herstellern öffnen, um diesen zu ermöglichen, Kategorien für ihre eigenen Produkte einzubinden, was wünschenswert wäre.

Alte Hardware nutzen

Während sich System und Software von einer neuen, aber verständlichen Seite zeigen, lässt die Hardwareunterstützung von Mac-OS X Beta noch einige Fragen unbeantwortet. Wer etwa einen Drucker mit dem neuen System verwenden will, ist in der Regel auf Treiber von den Herstellern angewiesen. Problemlos funktionieren dagegen alle bekannten Netzdrucker, die mit den mitgelieferten Laserwriter-Treibern auskommen. Unter Mac-OS X legt man einen neuen Drucker in der Anwendung "Print Center" an. Die Software sucht automatisch im Appletalk-Netz nach Druckern, auf Wunsch auch an der USB-Schnittstelle. Während die Funktionen der Anwendung in der Beta-Version von Mac-OS X noch sehr beschränkt sind, will Apple in der finalen Fassung den üblichen Mac-OS-Komfort bieten.
Für USB- und Firewire-Geräte gilt Ähnliches. In der Regel lassen sich USB- und Firewire-Geräte unter der Beta-Version von Mac-OS X anschließen und verwenden. Es gibt jedoch einige Einschränkungen: Derzeit kann man das künftige Betriebssystem beispielsweise nicht von einem USB- oder Firewire-Massenspeicher starten. Darüber hinaus funktionieren nicht alle Firewire- und USB-Geräte unter Mac-OS X. Verwenden sie den generischen Treiber des Systems, ist es durchaus möglich, dass USB- und Firewire-Geräte ihre maximale Leistung nicht erreichen. Rechtzeitig zur finalen Version von Mac-OS X wollen jedoch auch die meisten Peripheriehersteller Treiber für die Produkte anbieten.

Carbon- und Cocoa-Anwendungen

Neue Zeiten brechen auch für die Softwareentwickler an. Zwar lassen sich die meisten Mac-OS-9-Programme im Classic-Modus von Mac-OS X nutzen, die eigentlichen Vorteile von Mac-OS X, Stabilität, Grafik und Geschwindigkeit, können an das System angepasste Programme viel besser nutzen. Apple unterscheidet im neuen System zwischen drei Programmtypen: Carbon-, Cocoa- und Java-Anwendungen.

Die Vorteile des Neuen

Die meisten Hersteller arbeiten derzeit an Carbon-Programmen. Eine Carbon-Anwendung funktioniert sowohl unter Mac-OS 9 als auch unter Mac-OS X. Das beste Beispiel ist Apple Works 6. Startet man die Software im neuen System, schmückt sie sich mit Apples Aqua-Look und reißt bei einem Absturz nicht das ganze System mit in den Abgrund. Wenn man Apple Works dagegen in Mac-OS 9 oder in der Classic-Umgebung des neuen Systems startet, stellt sich die Software im typischen Platin-Look dar. Stürzt Apple Works ab, muss man Mac-OS 9 im schlimmsten Fall neu starten. Stürzt die Software in der Classic-Umgebung von Mac-OS X ab, bleibt das Betriebssystem davon unberührt. Lediglich der Mac-OS-9-Teil benötigt einen zweiten Start.
Eine Cocoa-Anwendung bietet die gleichen Vorteile wie Carbon-Software, funktioniert jedoch nur unter Mac-OS X. Diese Programme sind objektorientiert aufgebaut und lassen sich normalerweise einfacher vom Hersteller aktualisieren. Im Gegensatz zu Java-Anwendungen sind Cocoa- und Carbon-Programme um einiges schneller.
Für den Anwender macht es keinen Unterschied, ob er mit einer Carbon- oder Cocoa-Software arbeitet. Beide nutzen die Vorteile von Mac-OS X. Auch optisch sind sie nicht zu unterscheiden. Wer trotzdem wissen will, was auf seinem Rechner gerade läuft, kann mit dem Hilfsprogramm "Get Info for App" herausfinden, welches Framework - Cocoa, Java oder Carbon - seine Software verwendet.
Software für OS X
Derzeit gibt es für Mac-OS X rund 180 Carbon- und Cocoa-Programme. Eine aktuelle Liste findet sich im Internet unter http://
guide.apple.com. Von Bundesliga Manager 2000, Powermail, iCab, Napster und Internet Explorer bis hin zu Sound Jam und
Omni Web existiert bereits eine stattliche Anzahl von Mac-OS-X-Anwendungen. Im Laufe der nächsten Monate wollen Unternehmen wie Sun, Epson, Canon, Adobe, Microsoft, Filemaker, Quark, Dantz und Macromedia ebenfalls auf den Mac-OS-X-Zug aufspringen. Sobald die wichtigsten Versionen verfügbar sind, sollte man den Systemwechsel planen. Idealerweise hat man dann schon Erfahrungen mit der Beta-Version gesammelt und weiß beim Umsteigen auf die finale Version, wie das neue System verwendet wird.

Teil V folgt am Donnerstag, den 14.12.2000...

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