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Starthilfe für Mac-OS X, Teil V

14.12.2000 | 00:00 Uhr |

Im letzten Teil unserer Serie gehen wir auf einen enormen Vorteil von Mac-OS X ein: Wer umsteigt, muss nicht sofort alle Programme neu kaufen. Das klassiche Mac-OS ist im neuen Apple-Betriebssystem integriert.

Weiter Mac-OS 9 benutzen

Gegenüber anderen Systemen wie dem Be-OS oder SuSE Linux, die auch auf Apple-Rechnern funktionieren, bietet Mac-OS X einen enormen Vorteil: Im neuen System lassen sich auch Mac-OS-9-Programme verwenden. Dazu greift Mac-OS X auf den Systemordner von Mac-OS 9 zu, der auf derselben Partition wie Mac-OS X installiert sein kann.

System starten

Mac-OS 9 lässt sich im neuen Betriebssystem auf drei Arten starten: Ruft man eine Mac-OS-9-Anwendung wie Photoshop 5 auf, fährt das System im Hintergrund Mac-OS 9 hoch. Anschließend kann man im bekannten Platinum-Look und in der gewohnten Mac-OS-9-Umgebung auf die Anwendung zugreifen. Alternativ dazu lässt sich das System über die Systemeinstellungen so konfigurieren, dass es beim Mac-OS-X-Start auch die klassische Umgebung, Mac-OS 9, aktiviert. Dann dauert der Systemstart zwar etwas länger, wer jedoch mehr als 128 MB Arbeitsspeicher hat und mit klassischen Anwendungen arbeitet, sollte dies tun. Schließlich kann man Mac-OS 9 auch manuell starten. Dazu ruft man im Ordner "Applications" das Programm "Classic" auf.

Zwischen den Welten

Die Arbeit mit zwei Systemen - Mac-OS X und Mac-OS 9 - ist, zumindest in der Beta-Version des neuen Betriebssystems, gewöhnungsbedürftig. So bleibt einem in klassischen Mac-Anwendungen die Menüleiste nicht verborgen, und man hat auch Zugriff auf das Programm- und Apple-Menü. Mac-OS X macht das Umsteigen jedoch relativ einfach: Egal, ob man ein altes oder ein neues Programm startet, das Betriebssystem öffnet in unserem Test nahezu alle Programme. Lediglich stark hardwarespezifische Anwendungen wie Norton Utilities oder einige Spiele scheinen mit dem neuen System ihre Probleme zu haben.

Für die meisten Programme kann man unter Mac-OS X grünes Licht geben. Dieser Artikel wurde etwa mit Hilfe von Microsoft Word 98 und 2001, Excel 98 und 2001, Netscape 6, Internet Explorer 5, Filemaker und Reckless Drivin' unter Mac-OS X erstellt. Ergebnis: lediglich ein Absturz einer alten Mac-OS-9-Anwendung, jedoch kein Neustart.
Alle aktiven Programme sind im Dock per Symbol erkennbar und lassen sich durch einen Mausklick aufrufen. Die Benutzeroberflächen, Aqua oder Platinum, wechselt Mac-OS X entsprechend. In einem klassischen Mac-OS-9-Programm sieht man die alt bekannten Dialogfenster und die typische Menüleiste. Das Dock und der Schreibtischhintergrund bleiben jedoch identisch. Klickt man im Dock auf eine Mac-OS-X-Anwendung, zeigt das Betriebssystem sie sofort an. Der Wechsel zwischen den Welten ist kaum wahrnehmbar und so komfortabel, dass man Inhalte per Zwischenablage austauschen kann. Wie unter Mac-OS 9 lassen sich Objekte auch auf dem neuen Schreibtisch ablegen.

System anpassen

Mac-OS X durchsucht den Mac-OS-9-Ordner beim Start nach inkompatiblen Erweiterungen. Wie im Falle der Norton-Bibliothek nimmt sich das System die Freiheit und unterbindet den Start einer fraglichen Mac-OS-9-Erweiterung automatisch. Als Anwender bekommt man das nur dann mit, wenn man das entsprechende Programm aufrufen will. Im schlimmsten Fall lässt sich die Software nicht starten. Ein Blick in die Kontrollfelder von Mac-OS 9 ist möglich, wenn man sie in einer klassischen Anwendung im Apple-Menü aufruft. Zügiges Arbeiten und einen schnellen Systemstart der Classic-Umgebung erreicht man durch das Deaktivieren einiger Kontrollfelder und Systemerweiterungen im Kontrollfeld "Erweiterungen Ein/Aus".
Zu den überflüssigen Kontrollfeldern gehören: die Kontrollleiste, der Klickstarter, die Software-Aktualisierung und Web Sharing. Natürlich kann man auch weitere Kontrollfelder deaktivieren, wenn man sie nicht verwendet. Noch mehr lässt sich bei den Systemerweiterungen ausschalten (siehe Artikel "Mac-OS 9 optimieren"). Unter Mac-OS X sind etwa alle Firewire-Erweiterungen überflüssig, da sie von Mac-OS X übernommen werden. Funktionell überflüssig sind außerdem Shareway IP und die Aktualisierungserweiterungen für das Software-Update. Wer noch weitergehen will, kann Festplatten- und -USB-Treiber ebenso deaktivieren wie die CD- und DVD-Erweiterungen. Mit dem optimalen Set startet die Classic-Umgebung nicht nur wesentlich schneller, sie arbeitet auch stabiler.
Hardware in Classic
In der Classic-Umgebung funktionieren in der Beta-Version von Mac-OS X normalerweise sämtliche USB- und Firewire-Geräte ohne Probleme. Wer jedoch auf SCSI-Karten und -Geräte setzt, hat derzeit möglicherweise Pech. Mit der finalen Version von Mac-OS X sollte Apple auch diese Probleme im Griff haben. In unserem Test lassen sich alle Netzwerkdrucker und USB-Geräte ohne Einschränkungen verwenden. Da langfristig ohnehin die meisten Anbieter auf OS X setzen werden, dürfte der Classic-Umgebung im neuen System eine kurze Halbwertszeit beschert sein.

Fazit

Mac-OS X lässt sich schnell erlernen. Das neue System ist schick und stabil. Noch gibt es in der Beta-Version einige Unzulänglichkeiten, die Apple jedoch bis zum 15. Mai in den Griff bekommen sollte. Dann läuft die Beta-Version von Mac-OS X ab, und Apple wird auf der World Wide Developer Conference in San Jose sicherlich die finale Version des neuen Betriebssystems vorstellen.
Damit der Umstieg auf Mac-OS X gelingt, ist es wichtig, die eigenen Programme auf Carbon-fähige Anwendungen zu aktualisieren. Sollten die Hersteller keine derartigen Versionen anbieten, braucht man den Wechsel auf OS X dennoch nicht auf die lange Bank zu schieben. In der Classic-Umgebung funktionieren auch Mac-OS-9-Anwendungen.

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