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Zukunft von Audio: Mehrdimensionalität

07.05.2012 | 06:58 Uhr |

Statt Audio-Abmischen pro Lautsprecher-Kanälen soll der Ton in Zukunft nur eine einzige Audio-Datei sein, die alle Tonquellen und Reflektionsflächen und Hindernisse im Raum als Metadaten einkodiert. Eine App zum Rendern kann dann für jeden Einsatz den optimalen Sound generieren.

In jedem kommerziellen Film steckt mittlerweile ein Riesenaufwand, für die Lautsprecher-Konfiguration des Betrachters die Audio-Dateien perfekt abzumischen. Jede Auswahl, von einfachem Stereo bis hin zum 5.1 und 7.1-Kanälen (fünf oder sieben Lautsprecher mit einem Subwoofer) braucht eine eigene Audio-Bearbeitung und neue Abmischung. Für SRS Labs hört sich das nach Vergangenheit an und experimentiert nun mit Multidimensionalen Audio-Kanälen (MDA) , berichtet Techhive im Betablog .

Die Idee hinter dem neuen Audio-Mix ist ein objekt-orientierter Ansatz. SRS beschreibt, dass in einer echten Umgebung, der Ton nicht einfach nur von einer Richtung kommt, sondern auch von Objekten in der Umgebung reflektiert und umgeleitet wird. Im Gegensatz zu dem Kanal-basierten Mix ist echter Sound somit nicht an eine einzige Quelle und Position im Raum gebunden. SRS versucht, Audio für jede Tonquelle als ein Objekt im Raum darzustellen ohne sich auf eine bestimmte Konfiguration von Lautsprechern festzulegen. Nach eigenen Aussagen will SRS Labs nun nicht mehr Audio-Kanäle bedienen, sondern Sound liefern, der alle möglichen Reflektionen und Hindernisse als Metadaten enthält. Der Anwender braucht dann allerdings eine geeignete Applikation, die aus den Zusatzinformationen in Echtzeit die Tonkanäle für die jeweils benutzte Lautsprecher-Konfiguration optimiert und rendert. Der Vorteil ist, dass eine einzige Audio-Datei ausreicht, um alle Wiedergabe-Konfigurationen vom mobilen Gerät bis hin zum großen Kino - oder alle zukünftigen Lautsprecher-Zusammenstellungen - optimal zu bedienen.

Ein Kollege von Techhive nutzt letzten Montag die Gelegenheit, in San Francisco eine Vorführung der neuen Technologie zu besuchen. Ein Videoclip wurde mit MDA-Sound in fünf verschiedenen Konfigurationen von Stereo bis hin zu zwölf Lautsprechern abgespielt. Das Ergebnis: Auch mit nur zwei Lautsprechern hörte sich der Film großartig an. In der Hubschrauber-Szene glaubte der Kollege, nicht nur Richtung sondern auch die Höhe zu hören, und einzelne Laute wie heulende Wölfe, Polizei-Sirenen und Alarm-Signale hörten sich korrekt und echt im Raum an. In der Vorführung wurde der Ton auf einem PC gerendert und die MDA-Bearbeitung klang klar und schien alle verschiedenen Tonquellen sauber separat zu verwalten. In dem Test hatte der Kollege auch die Gelegenheit, MDA interaktiv zu nutzen: bei der Wiedergabe eines Fußballspiels bediente J. Todd Baker, der Technologie-Direktor bei SRS Labs, mit einer Controller-App auf dem iPad die Tonausgabe und lies mit einfachen Gesten die Band auf dem Spielfeldrand verstummen und schaltete den Ansager auf eine andere Sprache um.

Für Toningenieure ist der Ansatz genial. "Einmal Abmischen und dann für alle Konfigurationen einsetzen" hört sich echt gut an. Studios und Sendeanstalten sollten sich begeistert zeigen, da die Audioausgabe via MDA viel flexibler zu erzeugen und einzusetzen ist. Und im Gegensatz zu bisherigen Audio-Abmischungen kommt MDA nicht noch mit einem weiteren Format an, sondern ist sowohl frei von Nutzungsgebühren als auch Codec-unabhängig. Von AAC über Ogg Vorbis bis hin zu DTS und Dolby kann alles eingesetzt werden. Für den Endkunden kann MDA nur recht sein, da auch künftige und individuelle Zusammenstellungen von Lautsprechern optimal unterstützt werden.

Wenn sich die MDA-Idee von SRS Labs durchsetzt, kann die neue Soundbearbeitung überall eingesetzt werden, von Spielkonsolen, Smartphones, bis hin zum digitalen Kino, DVDs und Blu-rays. Als nächsten Schritt will SRS Labs ein SDK (Software Developing Kit) freigeben, mit dem Programmierer dann Anwendungen zum Rendern und Abspielen entwickeln können. Danach soll dann die SDK für Streaming folgen. Erste Gespräche von SRS Labs mit Kabel- und Satteliten-Netzbetreibern und Studios traf auf großes Interesse und die Firma erwartet, MDA-codierte Audiodateien und MDA-Applikationen im nächsten Jahr auf den Markt zu bringen. Nach der für 2013 geplanten Übernahme von SRS Labs durch den Audio-Giganten DTS sollte SRS sowohl Geld, Puste als auch die geeignete Kundengruppe haben, MDA als neuen Standard durchzusetzen.

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