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Sternwarte setzt auf Xserve

12.10.2004 | 10:53 Uhr |

Mit "Seneca" steht der erste Xserve-Cluster Europas an der Hamburger Sternwarte, um Atmosphären von Sternen und extrasolaren Planeten zu simulieren.

von Volker Riebartsch

Der erste Xserve-Cluster Europas an der Hamburger Sternwarte, einem Institut der Universität Hamburg. Macwelt hatte die Möglichkeit, mit dem Astronomie-Professor Peter H. Hauschildt zu sprechen und einen Blick auf den Cluster zu werfen.

Macwelt: Welche Hardware haben Sie hier installiert und was macht der neue Cluster?

Hauschildt: Eigentlich haben wir hier zwei neue Cluster. Bei "Seneca" handelt es sich um einen Cluster aus einem Xserve G5 und 25 Xserve Cluster Nodes, also insgesamt 26 Xserve mit Dual 2 GHz-CPUs, 3 GB RAM und 80 GB-Disk pro Knoten. Das System wurde vom Hamburger Apple-Center "Hamburg 4" installiert.
Den anderen Cluster nennen wir "Nathan", er besteht aus insgesamt 25 Opteron-PCs mit Dual 1,8 GHz-CPUs, 2 GB RAM und 80 GB-Disk pro Knoten, er wurde von der Firma Delta Computer installiert. Die G5s laufen unter Mac OS 10.3 Server (Panther), die Opterons unter Suse Linux.
Bei den Clustern handelt es sich um mittlere Systeme, auf denen Modelle von Stern- und Planetenatmosphären simuliert werden. Große Rechenjobs geben wir weiterhin an Hochleistungs-Rechenzentren, dafür reicht die Kapazität natürlich bei weitem nicht aus. Die Studenten lernen hier einmalige Dinge, wie die Entwicklung von Parallel-Programmen, das können nur wir ihnen bieten. Die Ergebnissee der Simulationen - es handelt sich ja um theoretische Berechnungen - vergleichen wir dann mit den Beobachtungen unserer Kollegen hier an den Teleskopen.

Macwelt: Um welche Art Programme handelt es sich und welche Datenmengen werden bewältigt?

Hauschildt: Wir haben ein Programmpaket namens "Phoenix" entwickelt, auf dem Cluster wird vor allem die parallelisierte (MPI) Version verwendet. Phoenix wird von Forschern der Sternwarte zur Simulation der Atmosphären und Spektren von Sternen und extrasolaren Planeten benutzt. Wir berechnen damit quasi, wie die Atmosphären aussehen und wie sie zusammengesetzt sind. Der Code umfasst zirka 500.000 Zeilen aus vorwiegend Fortran95-Code (mit C und C++ gemischt). Das Programm benötigt mehr als 15 GB an Input-Daten, um überhaupt laufen zu können. Diese liegen auf den lokalen Platten der Xserve G5 Cluster Nodes und erzeugen so etwa zehn bis 20 GB an temporären Daten, die kontinuierlich geschrieben und gelesen werden. Berechnungen, die früher an Einzelplatzrechnern eine Woche dauerten, sind heute in zehn Minuten erledigt. Die theoretischen Modelle, die auf dem Cluster entwickelt werden, nutzen fast immer den Parallelmodus (MPI). Es werden also immer mehrere Prozessoren gleichzeitig zur Berechnung benutzt.

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