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Steuerfrei im Büro surfen

17.07.2000 | 00:00 Uhr |

Privates Internet-Surfen am Arbeitsplatz soll den
Arbeitnehmer nun doch kein Geld kosten.

«Es ist für die Entwicklung dieses Zukunftsmarktes von
entscheidender Bedeutung, dass die Initiativen von Unternehmen, die
Mitarbeiter an diese Technologien heran zu führen, nicht behindert
werden», erläuterte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums,
Torsten Albig, am Sonntag in Berlin.

Zwar wäre es steuersystematisch richtig, dass die bereits für
private Telefonate am Arbeitsplatz geltenden Regeln auch auf das
«Surfen» angewendet und als «geldwerter Vorteil» versteuert werden
müssten. Doch man dürfe dieses Thema nicht allein unter diesem
Gesichtspunkt diskutieren. Die Bundesregierung werde deshalb «das
Gespräch mit den Ländern suchen, ob es andere Lösungsmöglichkeiten
für dieses Problem gibt», sagte Albig und fügte hinzu, die
Überlegungen zur Besteuerung von Internet-Surfen gingen auf
Vorschläge von Steuerfachleuten zurück.

Das Finanzministerium hatte am Wochenende zunächst einen Bericht
der «Stuttgarter Zeitung» bestätigt, wonach privates Internet-Surfen
künftig wie Telefonieren am Arbeitsplatz behandelt werden solle.
Telefonate oder das Einwählen in das Internet müssten somit
aufgezeichnet und versteuert werden. Es könne in jedem Bereich der
Nachweis geführt werden, ob sich der Arbeitnehmer privat oder
dienstlich in das Internet eingewählt habe. Der Arbeitger könne
jedoch auch das private Surfen und Telefonieren verbieten. Dann
verlange der Fiskus aber einen Nachweis der Kontrolle.

Indessen will Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nach
Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins «Der Spiegel»
Besucher öffentlicher Bibliotheken den kostenlosen Zugang ins
Internet ermöglichen. Mindestens die Hälfte aller 1 400 deutschen
Leihbüchereien sollen ihre Lesesäle noch in diesem Jahr mit
netztauglichen Computer aufrüsten. Zudem müssten sich jeweils zwei
Bibliotheksbedienstete in Schulungen darauf vorbereiten, Kinder und
Senioren den Umgang mit der Maus zu erklären. Die Kosten des
Programms, bundesweit 5,6 Millionen Mark, wolle das
Bildungsministerium übernehmen, berichtet das Blatt.
dpa

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