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Steve Case eröffnet Internet World

06.04.2000 | 00:00 Uhr |

Steve Case eröffnete am Mittwoch, den 5. April, mit einer halbstündigen Keynote die Spring Internet World in Los Angeles. Der AOL-Chef, der als Ersatz für Steve Jobs eingesprungen war, stellte den Web-Browser Netscape Communicator 6 sowie neue Hardware vor, die in Zusammenarbeit mit Gateway entstanden ist. Mit den Worten "Die Netscape Magie ist zurück", erntete er viel Beifall, ging jedoch zu Beginn seiner Rede vor allem auf AOL und Netscapes Portalseite Netcenter ein. Das Microsoft-Urteil und mögliche Konsequenzen erwähnte Case nicht.

Im ersten Teil seiner Rede stand die Entwicklung von sogenannten Homenetworks und neuen Geräte-Plattformen. In Zukunft, so Case, wird man eine zunehmende Verschmelzung von PCs, Telefonen, Fernsehen und Hifi feststellen können. Dabei werden das Internet und vor allem die Internet-Technologien eine wichtige Rolle spielen.

Neue Geräte und Betriebssysteme sollen mehr Moblilität und somit Nutzen bringen. Netscapes neuer Web-Browser, Communicator 6, soll dieser Entwicklung Rechnung tragen und wurde deshalb vollkommen plattformunabhängig entwickelt. Der Web-Browser setzt auf die Rendering-Engine Gecko auf und ist sowohl für Linux, Mac-OS als auch für Windows erhältlich.

Der Browser, an dessen Entwicklung zahlreiche unabhängige Programmierer im Rahmen eines Open-Source-Projektes mitgearbeiet haben, unterstützt die Internet-Standards HTML 4, XML 1.0, DOM, CSS1 und Javascript. Selbst einige CSS2-Erweiterungen haben Eingang in die Preview-Release 1 gefunden. Bis wann die finale Version erhältlich sein wird, erwähnte Case jedoch nicht.

Neben den erwähnten Standards soll der neue Communicator vor allem ein besseres und schnelleres Rendering, Themen für eigenständige Browseroberflächen und Instant Messaging bieten. Nach Angaben von Jim Martin, Senior Vice President und General Manager der Netscape Gruppe, ist der Communicator vollständig anpassbar. Die Sidebar-Funktion erlaubt das Einfügen von sogenannten Komponenten (Tabs), die Inhalte in einem besonderen Leistenformat darstellen. Tabs gibt es bereits von CNN, eBay, Travelocity und einigen anderen Content-Providern.

In einer Pressekonferenz nach der Keynote demonstrierte AOL die Rendering-Engine der Fachpresse. Netscape Communicator 4.72 benötigte für das Anzeigen einer HTML-Seite mit zahlreichen Tabellen dauert rund acht Sekunden. Communicator 6 stellte die gleiche Seite in weniger als einer Sekunde dar. Communicator 6 bietet verbesserte Suchfunktionen, die auch auf Netscapes Open Source Directory zugreifen. Anwender können zudem Texte automatisch in mehrere Fremdsprachen übersetzen lassen.

Neues bietet auch der integrierte Mail-Client. Communicator-Anwender können zukünftig ihre AOL-Mails mit der Netscape Software abrufen. Ein Zugriff auf die proprietäre AOL-Software ist nicht mehr nötig. In Zukunft soll sich auch AOLs Webmail via Communicator integrieren lassen.

Mit dem Open Java Interface öffnet das Unternehmen den Web-Browser nun auch für andere Java-Engines. Im Mac-Bereich greift Communicator etwa automatisch auf Apples installierte Macintosh Runtime for Java (MFJ) zu.

Im zweiten Teil seiner Rede ging Case auf die neuen AOL-Internet-Appliances ein. Die in Zusammenarbeit mit Gateway entstandenen Produkte, ein Webpad, ein Deskotp-Rechner im iMac-Look und ein schreibtischbasiertes LCD-Display mit CPU, sollen ab November verfügbar sein. Die Geräte verwenden das Linux-Betriebssystem und bieten einen Internet-Zugang via AOL und Communicator 6.

Bei der Vorstellung des Desktop-Rechners hörte man von einigen Journalisten die Feststellung "Sieht aus wie ein iMac". Ein Gateway-Sprecher sagte gegenüber Macwelt, dass die Prozessorenfrage noch nicht endgültig geklärt sei. Auch Transmetas neue Crusoe-Chips seien eine denkbare Alternative für das Webpad.

Martin Stein

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