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Steve Jobs Erfolgsmodell: So geht es zu im Hause Apple

06.03.2008 | 14:10 Uhr |

Im Februar hatte Betsy Morris vom Wirtschaftsmagazin Fortune die seltene Gelegenheit, Steve Jobs bei seinem Familienurlaub auf Hawaii zu besuchen und ihn in einem ausführlichen Interview nach den Gründen für Apples Erfolg zu fragen.

Der Apple-Chef gab Einblicke in eine außergewöhnliche Unternehmensführung, redete über seine ganz persönliche Rolle im Unternehmen und verschwieg auch die des iPod nicht, der auch den Mac wieder in die Köpfe der Menschen brachte.

Am Montag müsste man Mäuschen sein in Cupertino . An jedem ersten Tag der Woche nämlich trifft sich in der Apple-Zentrale das gesamte Führungspersonal, um die Entwicklung der Firma während der vergangenen Woche zu besprechen. Dabei passiert intern genau das, was Apple nach außen mit aller Macht zu verhindern versucht: Alle aktuellen Angelegenheiten werden offen auf den Tisch gelegt und diskutiert, oft über Stunden. Der Apple-Chef erklärt: "Wenn Sie wirklich gute Leute einstellen, müssen Sie ihnen ein Stück des Business abgeben und sie frei schalten und walten lassen. Sie sollen so gute oder sogar bessere Entscheidungen treffen als ich sie treffen würde. Um das zu erreichen, muss man sie alles wissen lassen, nicht nur in ihrem Geschäftsbereich, sondern in allen Geschäftsbereichen." Diese enge Zusammenarbeit Jobs' mit den Apple-Führungskräften und dem Aufsichtsrat der Firma erklärt auch, warum sich der Apple-Chef keine Sorgen um einen Nachfolger macht, wie er selbst sagt. Immer wieder fragen sich Anleger und die Medien, was passieren würde, wenn Steve Jobs etwas zustoßen oder er sich überraschend aus dem Unternehmen zurückziehen würde - derart exponiert ist seine Rolle im Unternehmen und allzu offensichtlich wird sie in minutiös inszenierten Keynotes gewinnbringend genutzt. Dennoch gibt sich der Apple-Chef gelassen und verweist auf seinen herausragenden und stets gut informierten Führungsstab: Es seien darunter viele mögliche Nachfolger vertreten. Somit antwortet Jobs auch indirekt auf eine zweifelhafte Geschichte, die aktuell durch die Medien geistert. Konkret wirft ihm Fortune - außerhalb des Interviews - vor, ein Krebsleiden an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 2004 neun Monate lang geheim gehalten und damit die Anteilseigner getäuscht zu haben. Zu lange habe er geschwiegen, bevor die Aktieninhaber die Wahrheit erfahren hätten. Allerdings verstecken sich hinter einem provokanten Titel einige Details, die den angeblichen Skandal schnell zu entzaubern vermögen: Der Aufsichtsrat und die Apple-Führungskräfte wussten über die Erkrankung schon früh Bescheid und hatten zunächst Anwälte hinzugezogen, um sich über die mögliche Pflicht beraten zu lassen, die Öffentlichkeit zu informieren. Nach langen Beratungen beschlossen sie, Jobs' Privatsphäre zunächst zu wahren und auf den Ausgang der Untersuchungen und erster Therapien zu warten. Fortune zeigt dafür kein Verständnis: Sensationslüstern rechnet Autor Peter Elkind Jobs' damalige Überlebenschancen hoch, verweist auf das Glück einer sehr selten auftretenden Krebsart und behauptet überdies, Jobs habe Zweifel an der modernen Medizin und sich deshalb zunächst einer Operation verweigert - auf Kosten der Anleger. Der Apple-Chef tut gut daran, sich zu diesen Fragen aus seinem Privatleben nicht äußern zu wollen. Zu seiner Funktion bei Apple allerdings hat er in dem Interview mit Morris durchaus noch einige pikante Details hinzuzufügen: Es gehöre zu seiner Arbeit, es den Leuten nicht leicht zu machen. "Meine Arbeit ist es", so Jobs, "die Leute besser zu machen." Er müsse seine Angestellten an ihre Grenzen führen, weil sie nur so erkennen würden, dass sie mehr leisten können als sie selbst dachten. Der Apple-CEO gibt sich gegenüber Fortune allerdings nicht nur stolz auf seine Angestellten, sondern auch auf einige Traditionen der Firma, die sich deutlich vom Geschäftsgebaren der Konkurrenten unterscheiden: Apple habe nie einen externen Berater hinzugezogen, um die Prozesse innerhalb der eigenen Firma zu untersuchen, bei Apple seien solche Spezialisten ausschließlich für die Analyse der Konkurrenz zuständig. Auch sei man sich auf dem Campus in Cupertino nie zu schade, Ideen wieder zu verwerfen - selbst wenn sie sich finanziell lohnten -, um sich auf wenige Schlüsselprodukte zu konzentrieren. Der iPod, eines dieser Schlüsselprodukte, scheint nach Apples Ansicht in den Köpfen mehr bewirkt zu haben als im eigenen Geldbeutel: "[Durch den iPod] haben die Leute angefangen zu begreifen, dass sie sich nicht mit Windows abgeben müssen und dass es eine Alternative gibt", so Jobs.

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