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Im Kino: Steve Jobs

10.11.2015 | 10:43 Uhr |

Das Biopic von Aaron Sorkin und Danny Boyle hat Vorschusslorbeeren erhalten aber auch schon jede Menge Kritik einstecken müssen. Wir waren bereits im Kino.

Basierend auf der brillanten Buch -Vorlage der Steve-Jobs-Biographie von Walter Isaacson tut sich „Steve Jobs“ wie jede andere Literaturverfilmung schwer. Bleibt man zu nah an der Handlung der Vorlage, sind die Zuschauer enttäuscht, denn nur schwer kann die Kameraarbeit das Kopfkino des Lesers übertreffen. Holt der Regisseur aber zu weit aus, beschweren sich hartgesottene Fans, man erkenne nichts mehr aus dem Buch. Danny Boyle (Regie) und Aaron Sorkin (Drehbuch) haben mit ihrem Biopic über den Begründer von Apple einen Mittelweg eingeschlagen: Der Film basiert auf den in der Jobs-Biographie dargelegten Tatsachen, die minutiöse Wiedergabe von Lebensabschnitten sucht man jedoch vergeblich. Vielmehr ließen sich die beiden Macher von der Persönlichkeit des Steve Jobs inspirieren haben auf die Leinwand eine Legende gebracht - und keine Dokumentation gedreht.

Drei Keynotes, die tatsächlich stattgefunden haben, sollte Steve Jobs im Film halten – 1984 zur Vorstellung des Macintosh vorstellen, 1988 zeigte er den gefloppten Next-Cube und 1998 – den ersten iMac. Lustigerweise sind den Keynotes selbst im Film nur wenige Minuten gewidmet. Denn hinter den Kulissen bei den Vorbereitungen entspannt sich ein menschliches Drama um Technologie, Innovation, Business, Verrat und Liebe.

Drama und Witz

Dramaturgisch führt diese Entscheidung zu einem Stakkato von witzigen Dialogen, Streitereien und lebenswichtigen Entscheidungen. Wir erfahren, dass Steve Jobs in den Achtzigern alles getan hat, um bei Apple rausgeschmissen zu werden – sämtliche Konsequenzen wie sogar Morddrohungen musste aber John Sculley einstecken.

In einer Diskussion mit Steve Wozniak lassen die Filmemacher die beiden Steves zu fast klassischen Allegorien heranwachsen: Wozniak steht dabei für das Traditionelle, Altbewährte, aber auch Menschliche bei Apple, da er Jobs um eine Danksagung für sein altes Apple-II-Team bittet. Jobs will mit dem neuen iMac hingegen eine neue Ära anfangen, er hat das Produkt geschaffen, um alten Zöpfe bei Apple abzuschneiden. Der neue Rechner sollte abermals die IT-Welt auf den Kopf stellen, altverdiente Leute will er gar nicht dabei haben. Und dennoch geht Steve Wozniak aus diesem Streit mit einer treffenden Schlussbemerkung als Sieger hervor, selbst der reale Wozniak bereut in einem Interview, er wünschte, diesen Satz hätte er im wirklichen Leben zu Steve Jobs gesagt.

Cameo-Auftritte von iPhone und Apple Watch

Zwar konzentriert sich die Erzählung auf die Geschichte Apples und der Rolle von Steve Jobs darin, doch aufmerksame Zuschauer finden genügend Hinweise auf die (damals) zukünftigen Produkte, die Apple zu neuer Größe wachsen lassen sollten. Laut Film hat Steve Jobs den PDA Newton sterben lassen, weil die nötige Technologie des Touchscreens noch nicht entwickelt war. Über einen kleinen Computer in der Hosentasche hatte sich der Apple-CEO schon damals Gedanken gemacht, das in den Neunzigern umgesetzte Konzept aber abgelehnt.

In einer der intensivsten emotionelle Szenen im Film verspricht Jobs plötzlich zum Abschied, den Walkman zu killen und stattdessen etwas Schöneres zu schaffen, das seinem Besitzer all seine Musik mit auf den Weg gibt. Den lustigsten Cameo-Auftritt  hat jedoch die Apple Watch: Die Filmemacher ließen wie gewöhnlich Steve Wozniak das neue Gerät erfinden. Begeistert zeigt er das klobige und relativ unattraktive Ding Steve Jobs, mit der Bemerkung, in zwanzig Jahren würden alle so etwas tragen. Jobs fragt dann: „Nehmen wir an, unser Flieger setzt zur Landung an und du willst die Uhr umstellen, wie machst du das dann?“ Ausgerüstet für solche Fälle, zieht Wozniak den passenden Schraubenzieher und beginnt, die Uhr auseinander zu bauen. Jobs: „Stewardess, mein Sitznachbar bastelt gerade an einer Zeitbombe...“

Zwar lassen sich die Macher im Film viel Freiheit, erfinden Dialoge und Szenen, doch wie es schein, wollten sie gar keine Genauigkeit. Damit schaffen sie mit Jobs eine Figur fast von Shakespear'scher Größe und setzen somit ein würdiges Denkmal für den Menschen, der einer der wichtigsten Wegbereiter für die digitale Revolution war.

PS: Wir haben die weiblichen Parts im Film absichtlich nicht behandelt. Sie machen dennoch den Hauptreiz dieses Filmes aus und lassen sowohl Michael Fassbender als Schauspieler als auch Steve Jobs als Hauptfigur so richtig glänzen.

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