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Steve Jobs: "Musik ist gut für die Seele"

16.10.2006 | 11:05 Uhr |

Am 23. Oktober ist es soweit: Der iPod wird fünf Jahre alt. Apple CEO Steve Jobs blickt in einem Interview mit Newsweek zurück zu den Ursprüngen des Kult-Assessoires, das die Welt und seinen Hersteller verändert hat. Er erklärt außerdem, was an Levis-Jeans gut ist, warum der Zune keine Konkurrenz und Musik wichtig ist.

Steve Jobs Macworld Expo San Francisco 2006
Vergrößern Steve Jobs Macworld Expo San Francisco 2006
© Apple

"Jeder im Team wollte einen"

Als erstes geht es um den Erfolg des iPods. Interviewer Steven Levy, der ein Buch über den iPod geschrieben hat ("The Perfekt Thing"), das diesen Monat erscheint, möchte wissen, ob Jobs vor fünf Jahren einen derartigen Erfolg vorausgesehen hatte. Steve Jobs antwortet mit einer kleinen Anekdote: "Es ist ein Anzeichen dafür, dass du an etwas Interessantem dran bist, wenn jeder, der von dem Projekt weiß, selbst einen haben möchte. Wenn sie nicht warten können, loszugehen, ihre eigenen Portmonees zu öffnen, um einen zu kaufen. Das war beim iPod ganz klar der Fall. Jeder im Team wollte einen". Jobs weiß nach eigenen Angaben auch, was Apple im Gegensatz zu anderen Herstellern besser gemacht hat, die bereits an einem festplattenbasierten MP3-Player arbeiteten. Es sei Apples fachliche Kompetenz in Bezug auf Hardware, Design und Software, meint der Chef über seine Firma. Wichtig sei vor allem die Entscheidung gewesen, die Verwaltung der Musik-Bibliothek mit iTunes auszulagern. Andere Firmen wollten alles über das Gerät selbst abwickeln, was dieses zu kompliziert machte, so der Apple-Boss.

"Die meisten nehmen sich nicht genug Zeit oder Energie, um ans Ziel zu kommen"

Was die Lehre aus dem iPod-Design sei, will Newsweek als nächstes wissen."Wir versuchten es ganzheitlich und einfach zu machen", erinnert sich Jobs. "Wenn man ein Problem zu lösen beginnt, sind die ersten Ansätze sehr kompliziert und dann hören die meisten Leute auf". Aber wenn man weitermacht und mit dem Problem lebt und zusätzliche Schichten von der Zwiebel abschält, kann man oft zu einer eleganten und einfachen Lösung kommen". Oft würde einfach nicht genügend Energie investiert, um zu einer Lösung zu gelangen, ist sich der iPod-Erfinder sicher. Auf die Frage, ob der iPod seine Coolnes verlieren wird, weil er zu beliebt ist - schließlich hätten sogar Dick Cheney und Königin Elizabeth einen - meint Steve Jobs: "Das ist so, als wenn man sagt, man will nicht die Lippen des Liebhabers küssen, weil jeder Lippen hat". Apple versuche nicht cool auszusehen, erklärt der Chef von Apple weiter, man versuche einfach, die bestmöglichen Produkte zu machen. Und wenn diese cool seien, sei das großartig.

"Ich mag Levis"

"Welche Produkte, vielleicht abgesehen von Technik, finden Sie cool", fragt Levy als nächstes. "Ich mag Dinge, die ihren Job machen und sozusagen in meinem Leben verschwinden. Wie Levis. Wenn du hinschaust, schätzt du das Design, aber du fühlst auch etwas". Viel von der Qualität werde über das Gefühl transportiert, das die Leute haben, erklärt Jobs. Sie verstünden nicht genau weshalb, aber sie wüssten, dass eine Menge Fürsorge und Liebe in dem Design des Produktes steckt.

"Hier hat uns der Marktanteil des Macintosh geholfen"

Auf die Frage wie er die Musik Labels für den iTunes Store gewinnen konnte erzählt Steve Jobs, es sei ein Prozess über 18 Monate hinweg gewesen. "Wir haben eine Reihe von Vorhersagen gemacht, dass viele der Ansätze, die die Record Labels verfolgten falsch laufen würden. Dann haben sie es versucht und versagt, genau aus den Gründen, die wir vorausgesagt hatten. Wir sind immer wieder zurückgekommen, jeden oder jeden zweiten Monat und sie haben angefangen zu glauben, dass wir etwas von der Sache verstehen und unsere Glaubwürdigkeit nahm soweit zu, dass sie gewillt waren, es mit uns zu riskieren". Ein wichtiges Argument bei der Überzeugungsarbeit, erzählt Jobs, sei der geringe Marktanteil des Macs gewesen. "Wenn wir völlig falsch liegen und ihr den ganzen Musik-Markt für Mac-Besitzer vermasselt, ist der Sandkasten klein genug, um nicht die gesamte Musikindustrie zu beschädigen. Dies war ein Fall, wo der Markanteil des Macintosh und geholfen hat". Ob Jobs es fair findet, dass die Kunden die Lieder, die sie von Apple kaufen nur in iTunes und mit dem iPod nutzen können, will Levy wissen: "Nun, das wussten sie die ganze Zeit", antwortet Jobs darauf. Niemand habe je "Interoperabilität" gefordert, erklärt der iTunes-Boss auf Nachfrage weiter. "Die Leute wissen vorher, wenn sie Musik im iTunes Music Store kaufen, dass diese nur auf dem iPod läuft, wir versuchen hier nichts zu verstecken".

In der Zeit, die man braucht, um das alles einzustellen, ist das Girl aufgestanden und gegangen!

In Hinblick auf Microsofts gerade vorgestellten MP3-Player Zune und den Ansatz der "Gemeinschaftsbildung", den Redmond damit verfolgen will, fragt Newsweek den Apple-Chef: "Sind Sie besorgt?" "Mit einem Wort, nein." antwortet Jobs. "Ich habe die Anleitungen im Internet gesehen, wie man eine andere Person mit dem Zune findet und ihr einen Song gibt, den sie dann drei Mal hören kann. Es dauert ewig. In der Zeit, die man braucht, um das alles einzustellen, ist das Girl aufgestanden und gegangen! Es ist viel geschickter, ihr einen Kopfhörer ins Ohr zu stecken."

"Gut für die Seele"

"Für iPods gibt es nun Videos, Spiele, Hörbücher und Podcasts. Werden sich iPods immer um Musik drehen?" ist die letzt Frage an den Apple-Chef. "Wer weiß? Aber es ist eine schwierige Vorstellung, dass Musik nicht das Epizentrum des iPods sein wird. Für eine lange, lange, lange, lange, lange Zeit. Ich hatte das Glück in einer Zeit aufzuwachsen, in der Musik wirklich wichtig war. Sie war nicht einfach etwas iNebensächliches, für eine Generation von Kindern war sie wirklich wichtig. Sie hat die Welt verändert. Ich glaube, dass die Wichtigkeit von Musik eine Zeit lang abgenommen hat und dass der iPod geholfen hat, ihr wieder mehr Bedeutung im Leben der Leute zu geben. Musik ist so tief in allen von uns drin und dennoch ist es leicht, einen Tag, eine Woche oder einen Monat oder ein Jahr zu verbringen, ohne wirklich Musik zu hören. Der iPod hat das für mehrere zehn Millionen von Menschen geändert und das macht mich wirklich glücklich, weil ich denke, dass Musik gut für die Seele ist".

Info: Newsweek

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