Von Import Import - 05.01.2008, 09:00

Steve Jobs schreibt einen Brief zum Thema Kopierschutz

Steve Jobs schreibt einen Brief zum Thema Kopierschutz

Nicht nur mit dem iPhone landet Steve Jobs in den Schlagzeilen. Im Februar erregt der Apple-Chef mit einem offenen Brief Aufsehen, in dem er die Musikindustrie zum Verzicht auf einen Kopierschutz auffordert. In dem Brief mit dem Titel „Thoughts on Music“ schreibt Jobs, dass die Kopierschutz-Mechanismen von digitalen Musikstücken ein illegales Kopieren ohnehin nicht verhindern könnten. CDs im Laden würden zudem weitgehend ohne Kopierschutz verkauft.
Jobs fordert eine Welt ohne Digital Rights Management (DRM), in der jeder MP3-Player Musiktitel aus jedem Online-Shop abspielen könne. Apple würde dies jederzeit unterstützen, so Jobs.
Ganz ohne Hintergedanken verfasste der Apple-Chef den Brief allerdings nicht. Er reagiert damit auf die Kritik von Verbraucherschützern, die das geschlossene Kopierschutz-System „Fairplay“ von Apple bemängeln. Entsprechend geschützte Songs aus dem iTunes Store lassen sich nur auf einem iPod abspielen, für andere Abspielgeräte muss man die Titel erst umständlich auf CD brennen und anschließend wieder importieren.
Steve Jobs schiebt den Schwarzen Peter der Musikindustrie zu. Die Marktführer Universal, Sony BMG, Warner sowie EMI würden auf einem Kopierschutz für ihre Titel bestehen. Für die in Europa anhängigen Klagen gegen das Fairplay-System zeigte Jobs Verständnis. Die Verbraucherschützer sollten sich allerdings nicht an Apple, sondern direkt an die Musiklabels wenden. „Wenn [die Musikfirmen] überzeugt werden, ihre Musik an Apple und andere Anbieter ohne DRM zu lizenzieren, wird dies einen wirklich freien Markt schaffen“, schreibt Jobs.
Reaktion auf den offenen Brief ist durchwachsen
Der Analyst Ross Rubin von der NPD-Group hält die Gedanken des Apple-Chefs für einen durchaus „praktikablen Ansatz“. Apple wolle seinen Kunden mehr Freiheiten geben, könne dies aber nicht mit einem Kopierschutz-Mechanismus realisieren.
Die Verbraucherschützer in Norwegen begrüßen den Brief – zumindest im Prinzip. „Wir sind zufrieden damit, dass Steve Jobs der Verantwortung folgt, die Apple als führendes Unternehmen im digitalen Vertrieb eingenommen hat“, sagt Torgeir Waterhouse, Vorsitzender der norwegischen Verbraucherorganisation. An die Musikindustrie will er sich aber nicht verweisen lassen. Die Verhandlungen mit den Labels sei Sache von Apple. „Es ist der iTunes Store, der den Verbrauchern einen Service anbietet und damit die Verantwortung für dessen Anwenderfreundlichkeit trägt“, sagt Waterhouse.
Edgar Bronfman, Chef von Warner Music, hält die Gedanken von Jobs für ganz und gar unlogisch. „Wir setzen uns weiterhin für DRM ein. Das Argument, dass Musik nicht den gleichen Schutz wie Filme, Videospiele oder Software verdient, nur weil es ein physikalisches, ungeschütztes Pendant gibt, ist vollkommen unlogisch“, sagte der Warner-Music-Chef. Manifeste wie der offene Brief von Jobs würden die Zusammenarbeit zwischen Apple und der Musikindustrie nicht erleichtern. Solche öffentlichen Bekenntnisse seien „kontraproduktiv“.
Und die Gegner des Kopierschutzes – die Hacker – rufen Apple ironisch dazu auf, die Forderungen in die Tat umzusetzen. „Dann tut es doch einfach“, schreibt beispielsweise der Hacker Jon Lech Johansen. Apple könne einfach alle Titel ohne Kopierschutz von den Labels anbieten, die nicht darauf bestehen würden.
In gewisser Weise tut Apple das später, allerdings für Verbraucher zunächst mit einem Aufpreis. Im Juni 2007 wird Apple das Programm „iTunes Plus“ ins Leben rufen, das Titel mit einer erhöhten Bitrate von 256 KBit/s ohne Kopierschutz anbietet. Die Musikstücke werden in der Anfangsphase 1,29 Euro kosten, von den großen Musiklabels nutzt lediglich EMI diesen Vertriebskanal.
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