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Das war die Woche: Gesundheit

16.01.2009 | 14:10 Uhr |

Der Gesundheitszustand von Steve Jobs ist offenbar deutlich schlechter als bisher angenommen. Anleger, Medien und Nutzer reagieren verunsichert. Wusste Apple schon vorher, wie es Jobs ging und wer könnte ihn ersetzen?

Steve Jobs
Vergrößern Steve Jobs

Eine einfache E-Mail kann einen wahren Sturm auslösen: Steve Jobs schrieb seinen Mitarbeitern, dass seine gesundheitlichen Probleme größer seien als bislang angenommen. Erst zum Juli wolle er in sein Amt zurückkehren . Seitdem überschlagen sich Technik- und Wirtschaftsmedien beinahe vor lauter Meldungen über die Krankenakte von Steve Jobs . Details sind dabei offiziell nicht bekannt. Apple hat die E-Mail kommentarlos veröffentlicht und gibt auch keine weitere Stellungnahme dazu ab.

Privatsphäre gegen öffentliches Interesse

Es fällt schwer, eine Grenze zwischen dem Privatmann Steve Jobs zu ziehen, der wie alle Menschen ein Recht auf Privatsphäre hat, und dem öffentlichen Steve Jobs, der ein Milliardenunternehmen repräsentiert. Anleger sind von den Neuigkeiten geschockt. Nachdem Steve Jobs vor zwei Wochen zugegeben hatte, leichte Gesundheitsprobleme zu haben, die mit einer angepassten Ernährung behoben werden sollen, hatte die Börse positiv darauf reagiert, dass Jobs Stellung zu den Gerüchten um seinen Zustand gibt. Die nachträgliche Information, dass es doch ernster sei, haben viele Anleger mit Verägerung aufgenommen. Da Apple eine öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft ist, hat das Unternehmen bestimmte Informationspflichten gegenüber der Öffentlichkeit.

Rechtsanwälte mutmaßen jetzt, dass Anleger Apple verklagen könnten , da sie die besorgten Anteilseigner nicht schon früher im vollem Umfang über die Gesundheit von Jobs aufgeklärt hätten. Joseph Grundfest, ehemaliger Mitarbeiter der Börsenaufsicht, glaubt nicht, dass Apple mit seiner Kommunikationspolitik Informationspflichten verletzt habe. Dennoch wussten bestimmte Mitarbeiter von Apple womöglich schon zuvor mehr Details über die Erkrankung, über die auch heute noch spekuliert wird: Das Technikblog Gizmodo hatte bereits Ende Dezember, vor Jobs' erster E-Mail, aus Apple-Interna erfahren, dass sich der Gesundheitszustand von Steve Jobs verschlechtere: Apple würde nach und nach den "Hype-Faktor" herunterfahren, um Steve aus dem Rampenlicht zu nehmen und einen möglichen Abgang von Steve Jobs weniger drastisch wirken zu lassen.

Apples Informationspolitik

Es ist gerade diese Tröpfchentaktik, mit der Apple die Ungewissheit und damit die Spekulationen immer wieder anheizt. Was bei neuen Produkten für Aufmerksamkeit und Medienecho sorgt, führt auch bei Gesundheitsgerüchten zu gesteigertem Interesse und Sorge mit oft makaberen Ausmaßen. Apple schweigt, dementiert und verkündet dann doch - ohne auf Fragen einzugehen. So wirkt sich jedes neue Gerücht auf die Stimmungslage unter den Anlegern aus und jede offizielle Information steht im Verdacht, nur die halbe Wahrheit zu transportieren. Kein Wunder, dass Apples Börsenkurs nach der Meldung im nachbörslichen Handel um knapp vier Dollar verlor.

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