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Steve Jobs und Bill Gates sprechen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der IT-Industrie

31.05.2007 | 15:35 Uhr |

Es war sicherlich die Hauptattraktion auf der jährlich vom Wall Street Journal abgehaltenen Konferenz „D: All Things Digital“: Steve Jobs trat gemeinsam mit Microsoft-Chairman Bill Gates auf die Bühne und diskutierte mit ihm Vergangenheit und Zukunft der Technologie-Industrie. Unsere Kollegen von Macworld haben die Diskussion protokolliert.

Steve Jobs und Bill Gates auf D: All Things Digital
Vergrößern Steve Jobs und Bill Gates auf D: All Things Digital

Der Abend begann mit einem historischen Rückblick in der Form eines Videos mit den gemeinsamen Auftritten der beiden Männer in den Jahren 1984, 1991 und 1997. Als das Video geendet hatte, traten Steve Jobs und Bill Gates von den gegenüberliegenden Seiten aus auf die Bühne der D:All Things Digital.

Die Diskussion leiteten die beiden Technologie-Kolumnisten des Wall Street Journal Kara Swisher und Walt Mossberg. Swisher fragte zunächst Jobs und Gates, was der jeweils andere aus ihrer Sicht für die Industrie geleistet habe.

„Bill gründete die erste Software-Firma der Industrie. Ich meine, er baute die erste Software-Firma auf, bevor irgendjemand in unserer Branche wusste, was eine Software-Firma sei, und das war eine große Leistung. Und das Geschäftsmodell, das sie verfolgten stellte sich als sehr erfolgreich heraus“, sagte Jobs. „Bill konzentrierte sich auf Software bevor irgendjemand anderes davon eine Ahnung hatte. Man könnte ein Menge mehr sagen, ab er das ist das wichtigste.“

„Zunächst möchte ich klar stellen, ich bin nicht der Urheber des Weblog „ The Secret Diary of Steve Jobs “ ( Anm.: Unter der Adresse fakesteve.blogspot.com parodiert ein Blogger das Leben und Wirken von Steve Jobs. Untertitel des Blogs: „Dude, I invented the friggin iPod. Have you heard of it? ) unter Gelächter des Publikums.

Die gute alte Zeit

„Was Steve gemacht hat, ist phänomenal“, führte Gates fort. „Die Idee von 1977, dass der Apple II eine Maschine für den Massenmarkt werden könnte – ein unglaubliches und inspirierendes Phänomen. Und der Macintosh, der war so riskant. Apple hat Kopf und Kragen riskiert, die Lisa hatte sich nicht so gut verkauft, aber das Team, das Steve in der Firma um sich scharte um das Ziel zu verfolgen, schien manchmal seiner Zeit voraus. Erinnern Sie sich an das Diskettenlaufwerk und... „ – „128K!“ -unterbrach Jobs.

„In einem gewissen Sinn entwickeln wir die Produkte, die wir selbst verwenden wollen,“ führte Gates fort. „Er hat daran immer mit einem unglaublichen Geschmack und größter Eleganz daran fest gehalten und übte so einen großen Einfluss auf die Industrie aus. Apple versagte sprichwörtlich, bis Steve zurückkam und Innovationskraft und Risikobereitschaft zurückbrachte. Die Industrie hat enorm von seiner Arbeit profitiert. Ich würde sagen, er hat so viel dazu beitragen wie sonst keiner.“

Jobs meinte, dass Gates und er sich „unglaublich glücklich schätzen“ könnten, großartige Partner und Mitarbeiter um sich geschart zu haben. Er stimmte Mossbergs Beschreibung zu, er und Gates stünden in gewissem Sinne für alle Mitarbeiter ihrer jeweiligen Unternehmen.

Ein wenig reumütig erinnerte sich Jobs an frühere Mac-Werbespots: „Wir zeigten eine Küche, in der die Frau Rezepte eintippte und ihr Mann ihr zustimmend dabei zusah.“ – Gelächter aus dem Publikum.

Gemeinsam erinnerten sich Jobs und Gates auch an Microsofts Anstrengungen, dem Apple II Gleitkommaoperationen mit der Programmiersprache BASIC beizubringen. „Mein Partner, Steve Wozniak, ein Genie, schreibt das Basic auf dem Planeten“, hakte Jobs ein. „In jeder Hinsicht perfekt, mit einer Ausnahme: Festkommazahl und keine Gleitkommaoperationen. Wir bekamen jede Menge Kundenwünsche vorgetragen: ‚Bitte macht es Gleitkomma fähig.’ Ich flehe Woz an, aber macht es nicht. Er machte sich eine Notiz darüber, kam aber nie dazu, es zu tun. Da hatte Microsoft dieses sehr populäre und sehr gute Gleitkomma-BASIC. Also gingen wir zu ihnen hin.“

Gates nahm den Faden an dieser Stelle auf: „Wir verlangten 31.000 US-Dollar für das Gleitkomma-BASIC. Und ich brachte die Bänder Apple persönlich vorbei und half, es zum Laufen zu bringen.“

Gates und Jobs stimmten überein, dass Microsoft mit der Unterstützung des Mac zu dessen Premiere ein großes Risiko einging. „Was man sich heute kaum noch vorstellen kann, Microsoft war damals nicht im Anwendungsgeschäft tätig“, rief Jobs in Erinnerung.

„Wir setzten darauf, dass dieser Paradigmenwechsel sich vollziehen werde, hin zu grafischen Benutzeroberflächen, und dass der Mac diesen einleiten werde“, sagte Gates. „Die große Frage war nicht Mac gegen Windows, sondern Kommandozeilen gegen Grafik.“ Gates fügte hinzu, dass Microsoft die Ernte aus der Saat der grafischen Oberflächen erst einfahren sah, als PCs mit den Prozessoren der 386er-Generation ausgestattet wurden.

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