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Steve Jobs wechselt in die Politik

01.04.2008 | 07:25 Uhr |

Die Frage, ob nun Barack Obama oder Hillary Clinton gegen John McCain um die 44ste US-Präsidentschaft streiten soll, hat eine neue Antwort erhalten: Apple-CEO Steve Jobs wirft seinen Hut in den Ring und will den Wahlkampf um das Weiße Haus allein mit seinem Privatvermögen finanzieren.

Steve Jobs Whitehouse
Vergrößern Steve Jobs Whitehouse

Überraschende Wende im US-Vorwahlkampf: Mit Apple-CEO Steve Jobs wird sich bei den Wahlen am 4. November ein unabhängiger Kandidat um den Einzug in das Weiße Haus bemühen. Jobs kündigte seine Absicht am gestrigen Montag Abend im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Apple-Campus in Cupertino an. Während die republikanische Partei des amtierenden Präsidenten George W. Bush in John McCain bereits einen Kandidaten sicher hat, streiten um die Nominierung der Mehrheitspartei des US-Kongresses nach wie vor die Rivalen Barack Obama und Hillary Clinton bitterlich. Die monatelange Hängepartie der Demokratischen Partei ist einer der wesentlichen Gründe für die Kandidatur von Jobs. „Wenn zwei sich nicht einig werden, muss ein Dritter ran. Während Obama und Clinton immer nur vom Wechsel (Change) sprechen, haben wir bei Apple in der Vergangenheit mehrmals unsere Fähigkeit zum umfassenden Wandel (Transition) bewiesen,“ begründete der Apple-CEO gestern seinen Wechsel in die Politik. Jobs, der den Demokraten nahe steht, hofft auf Einsicht der Parteigranden und der beiden Senatoren: „Um das Weiße Haus nicht wieder an die Republikaner fallen zu lassen, braucht es jetzt Einigkeit. Ich trete zwar als Unabhängiger an, rechne aber mit Unterstützung von Hillary und Barack.“ Der teilweise verletzend geführte Vorwahlkampf würde nur einen beschädigten Kandidaten hinterlassen. Als Unabhängiger, der die Kosten für den Wahlkampf aus seinem auf rund drei Milliarden US-Dollar geschätzten Privatvermögen bestreiten und auf Spenden verzichten werde, sei er, Jobs, aber unangreifbar und glaubwürdiger. In Jobs’ Ägide bei Apple fielen zuletzt die Wechsel vom klassischen Mac-OS auf Mac-OS X und der Umstieg von PowerPC- auf Intel-Chips. Ein Politikwandel in Washington scheint dagegen ein Klacks.

Über sein politisches Programm sagte Jobs jedoch bisher nur aus, dass man den Wandel (Transition) innerhalb zweier Jahre nach Amtsantritt anstrebe. Wenn die Partner so stark wie zuletzt Intel mitspielten, könnte es gar früher klappen. Auf konkrete Aussagen etwa zur Wirtschafts- und Finanzpolitik oder zu einem möglichen Rückzug aus dem Irak ließ sich Jobs nicht festlegen. Lediglich in Sachen Umweltpolitik machte der Kandidat Andeutungen. Man habe bei Apple die Lektion gelernt und werde ein „grüneres“ Weißes Haus anstreben.

Al Gore will wieder Vize werden

Für die Glaubwürdigkeit Jobs’ in Sachen Umweltfragen soll der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, also der „running mate“ stehen. Hierfür hat sich kein Geringerer als Apple-Aufsichtsrat und Friedensnobelpreisträger Al Gore bereit erklärt. Eine Quelle aus Gores Umfeld hat dem San Francisco Chronicle gesteckt, dass die Initiative zur Kandidatur von Gore ausgegangen sei. Er soll Steve Jobs gefragt haben, ob dieser denn weiterhin Computer, Telefone und Musikabspielgeräte verkaufen oder nicht doch lieber die Welt ändern wolle. Dafür sei er auch bereit, als Vizepräsident eine zweite Amtszeit im Schatten anzustreben.

Um Apples Zukunft müsse man sich keine Sorgen machen, meinten CEO und Aufsichtsrat unisono. Jobs’ Aufgaben als operative Nummer Eins des Unternehmens werde ab sofort der bisherige Chief Operations Officer (COO) Timothy Cook übernehmen, auf dessen Posten rücke der Chefdesigner Jonathan Ive nach. „Tim ist der Mann mit der richtigen Erfahrung und Johnny darf als Brite leider nicht Minister werden, sonst würden wir ihn mitnehmen“, erläuterte Jobs weiter. Den vakanten Aufsichtsratsposten Al Gores werde Jobs’ alter Bekannter Bill Gates einnehmen: „Bill hat ja jetzt nicht mehr so viel zu tun. Er wollte schon immer mal die Geschicke einer wirklich innovativen Firma mitbestimmen“, begründete Jobs die Wahl des neuen Aufsichtsratsmitglieds.

Politische Beobachter sind uneins in der Beurteilung. Maureen Dowd von der New York Times fürchtet, Jobs könne mit seiner Kandidatur dem demokratischen Bewerber oder der Bewerberin in den „Swing-States“ entscheidende Stimmen abnehmen oder gar Hochburgen wie Kalifornien für sich entscheiden und so McCain den Weg ins Weiße Haus bereiten. Der Chronicle-Chefredakteur Primio d’Avril sähe hingegen die USA mit Steve Jobs in den besten Händen: „Mac statt McCain! Ein visionärer Präsident wie Jobs würde alle Probleme inklusive der mit iRak und iRan lösen. A transition is gonna come!“

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