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"Steve, lass Taten sprechen"

14.02.2007 | 14:51 Uhr |

Seit Steve Jobs sich vor einer Woche in einem offenen Brief zum DRM-Gegner erklärt hat, lassen die Reaktionen nicht mehr nach.

Yahoo steht hinter Apple, Coral macht ein Angebot und EMI schießt quer

Seit Steve Jobs sich vor einer Woche in einem offenen Brief zum DRM-Gegner erklärt hat, lassen die Reaktionen nicht mehr nach: Zwar meint inzwischen fast jeder, seine eigene Meinung zum Kopierschutz kundtun zu müssen - unter die Kommentatoren mischen sich aber auch einige wichtige Stimmen aus dem Musik-Geschäft sowie große Unternehmen. Der Musikkonzern EMI etwa, eines der kritisierten vier großen Labels, will Verhandlungen über den DRM-freien Verkauf seiner Musik aufnehmen - anscheinend aber nicht mit Apple. Yahoo und Monster stellen sich hinter Steve Jobs und schließen sich seinen Forderungen an - die allerdings etwas spät kämen. Und das Coral-Konsortium schließlich wirbt für das eigene DRM-System: Apple sei herzlich eingeladen, dem Zusammenschluss beizutreten - er kämpft für die Kompatibilität zwischen den Angeboten einzelner Firmen.

"DRM-freie Musik befürworte ich schon lange"

Apple-CEO Steve Jobs verkauft zwar DRM-geschützte Musik, will das anscheinend aber gar nicht. Doch auch Dave Goldberg, der Chef von Yahoo Musik, spricht sich gegenüber dem Silicon Valley Watcher gegen DRM-Systeme aus: Schließlich werde bereits viel Musik erfolgreich ohne Kopierschutz angeboten, DRM sei für den Anwender lediglich komplizierter. Deshalb habe Yahoo bereits in der Vergangenheit mehrere Versuche mit DRM-freier Musik durchgeführt, die Verkaufszahlen seien dabei stets gestiegen. Auch Visionär Noel Lee stellt sich demonstrativ hinter den Apple-Chef: Neben der Herstellung und dem Vertrieb von Musik-Zubehör macht sich das Unternehmen auch für SuperDisc stark, ein Musik-CD-Format, das unter anderem freie kopierbare MP3-Dateien aller Titel enthält. Man verhandle mit Universal. In Verhandlungen steht laut dem Guardian Unlimited auch EMI - allerdings mit Konkurrenten von Apple, die Musik ebenfalls DRM-frei anbieten wollen.  

"Taten sagen mehr als Worte"

Jobs' Brief richtete sich vor allem an die europäischen Staaten, die Apple auf Grund der Anwender-Einschränkungen an den Pranger stellen. Doch auch auf die teilweise heftigen Reaktionen der großen Musikkonzerne hat der Apple-CEO mit Sicherheit beabsichtigt. Allerdings weht ihm nun auch von ganz anderer Seite ein steifer Wind entgegen: "Dann tut es doch einfach", ruft nicht nur der Star-Hacker Jon Lech Johansen. Apple könne doch einfach all jene Titel ohne DRM anbieten, deren Labels einen Kopierschutz nicht verlangen. Die alternativen Musikanbieter schließen sich dieser Forderung an, die Electronic Frontier Foundation ruft Jobs offiziell auf, auf seine Worte Taten folgen zu lassen.  

"Natürlich blieben FairPlays Geheimnisse sicher"

Ein ähnliches Lied stimmt auch Coral an . Hinter dem Konsortium stehen HP, Philips, Matsushita, Sony, Samsung und Fox; sein erklärtes Ziel ist es, Interoperabilität zwischen verschiedenen DRM-Systemen herzustellen. Der Coral-Vorsitzende Jack Lacy hat Jobs nun in einem offenen Brief geantwortet und fordert ihn auf, sich dem Konsortium anzuschließen. Jeder iPod könnte "sofort mit den Microsoft-basierten Janus-Geräten und -Diensten zusammenarbeiten, außerdem mit allen Geräten und Diensten der OMA (Open Mobile Alliance)". "Wir denken", so Lacy weiter, "dass es unseren Ingenieuren sehr leicht fallen würde, [das Coral-Framework] in iTunes zu integrieren." Die Sorgen, die Steve Jobs in seinem Brief ausgedrückt habe, seien in diesem Fall grundlos: Apple könne FairPlay ganz für sich alleine behalten und müsse seine Geheimnisse niemandem mitteilen. Und um die Zustimmung der großen Musikkonzerne brauche der Apple-Chef ebenfalls nicht fürchten: Sie seien alle vier Mitglieder des Coral-Konsortiums. Je mehr Entscheidungsträger sich mit dem Thema DRM beschäftigen, um so mehr Möglichkeiten scheint Apple trotz der vom CEO genannten Einschränkungen zu haben. Jobs' offener Brief vom 6. Februar sorgt noch immer für so viel Aufsehen, dass der iTunes-Betreiber darauf reagieren müssen wird - in welcher Form auch immer. Noch haben weder Apple noch Jobs erneut Stellung genommen - die Zukunft wird zeigen, ob aus Cupertino noch einmal Worte folgen oder gleich Taten. Oder ob einmal mehr gar nichts passiert.

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