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Datenschutz: Stiftung Warentest bestätigt fragwürdiges App-Verhalten

29.05.2012 | 09:24 Uhr |

Sie sind kostenlos oder doch billig und äußerst praktisch: Apps für iPhone & Co. Doch viele von ihnen übermitteln ungefragt Informationen an Datensammler.

Das hat die Stiftung Warentest in einer umfangreichen Untersuchung in ihrem jüngsten Test-Heft festgestellt und bestätigt damit Ergebnisse unter anderem auch von Macwelt. Dazu gehören sehr populäre ”Zusatzprogramme”, wie die Stiftung Warentest die Apps nennt. Etwa iTranslate, Clever tanken, Facebook, Foodspotting, Gowalla, Whats App und Yelp, die in Test allesamt als ”sehr kritische Apps” eingestuft werden, wobei wir in diesem Artikel lediglich die iOS-Apps berücksichtigen. Test bezieht auch solche für Android und eine für Windows Phone mit ein, insgesamt 63 exemplarisch ausgesuchte Apps.

Was Apple gegen Daten-Sünder unternimmt

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Apple in der Kritik bezüglich des Datenschutzes steht. 2011 wurden die Entwickler-Richtlinien weitgehend geändert. Welche konkrete Schritte Apple gegen Apps mit besonderem Daten-Hunger unternimmt, lesen Sie im aktuellen Artikel " Unerlaubter UDID-Zugriff bei Apps ".

Sehr kritisch ” bedeutet in der Sprachregelung von Test, dass diese Apps persönliche Daten nicht anonymisiert und unverschlüsselt übertragen, etwa Teile des Adressbuchs oder sogar Passwörter - und das zumeist ohnehin ohne vorherige Zustimmung des Nutzers. Außerdem kommt häufig eine Übermittlung der Benutzungsstatistik hinzu, das sind Angaben zur Nutzungsdauer und -umfang, die für den Betrieb der App an sich nicht nötig sind.

Auch das unerbetene Senden der Gerätekennung ( UDID: Unique Device Identifier ), wodurch eine Zuordnung zu einem konkreten Smartphone möglich ist, stellt eine häufige Unsitte dar. Wird eins dieser beiden letztgenannten Kriterien oder werden beide erfüllt, stuft die Stiftung Warentest die Apps als ”kritisch” ein, dazu gehören etwa ebenfalls populäre Apps wie Barcode Scanner, Navigon Mobile Navigator Europe, Amazon Mobil und Chefkoch.de. Auch Apps wie Das Örtliche, Weather XXL Lite oder Meine Stadt übermitteln die Gerätekennung und andere Daten an fremde Server zur kommerziellen Auswertung. Übrigens wird auch die Macwelt-App in Version 4.0 genannt, die die Gerätekennung allerdings nur an den eigenen Server schickt.

Test gibt immer genau die Version an, die man unter die Lupe genommen hat, manchmal können schon neuere Programmvarianten verfügbar sein, die vielleicht das ein oder andere unerwünschte Verhalten für den Nutzer abgestellt haben. Die Stiftung Warentest beschreibt auch, auf welche Weise sie diese Informationen gesammelt hat: Man habe die Smartphones in den Standardeinstellungen über einen als WLAN-Zugangspunkt eingerichteten Rechner mit dem Internet verbunden und damit den Datenverkehr protokolliert, wenn nötig entschlüsselt und analysiert.

Zum Schluss nennen die Testexperten immerhin auch einige bekannte ”unkritische” Apps wie DB Navigator, Sportschau oder IMDB, an denen es in dieser Hinsicht nichts auszusetzen gebe - beruhigen freilich kann das angesichts der ”Sünden” anderer beliebter Apps nur noch partiell. Der komplette Artikel ist im aktuellen Test-Magazin Heft 6/2012 ab Seite 38 unter der Überschrift ”Ausgespäht” nachzulesen. Auch im Internet ist er verfügbar, dort kostet der Download des Artikels 2,50 Euro.

Kommentar: Auch Macwelt hat immer wieder Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien und allgemeine Grundregeln zum Schutz der Privatsphäre bei Apps angeprangert. Konsequent für uns Nutzer wäre, auf solche Zusatzprogramme auf iOS-Geräten zu verzichten, die Gerätekennung, Adressbücher und andere persönlichen Details weitergeben und sich daran bereichern. Freilich – sollte ich wirklich zum Beispiel Whats App oder Facebook vom iPhone löschen, die inzwischen so selbstverständlich zu meinen alltäglichen Kommunikationsgewohnheiten gehören? Nicht ohne Grund steht Whats App seit einer gefühlten Ewigkeit auf Platz 1 der meist gekauften Apps im App Store. Oder die Facebook-App künftig weglassen? Ist das Datenkind dafür nicht ohnehin schon in den Brunnen gefallen, wenn man eine solche App bereits seit Wochen oder Monaten nutzt?

Eine schwierige Entscheidung, die allerdings jenen leichter fallen dürfte, die derartige Apps mit fragwürdigem Hintergrundverhalten bisher gar nicht nutzen. Diese können von vornherein No! sagen und auf Alternativen ausweichen. Das erhöht den Druck auf Entwickler, ihre Apps künftig kundenfreundlicher und vor allem transparenter zu gestalten. Dringend nötig wäre es. Die Kritik geht allerdings auch in Richtung Apple, das Apps schon wegen ein wenig nackter Haut verbannt hat, aber den Datenschutz offensichtlich nicht ganz so wichtig nimmt. Hier erwarten wir, dass der iPhone-Hersteller seine Richtlinien schnellstens überarbeitet und keine Apps mehr zulässt, die umfassend nachhause oder sogar zu ganz anderen Datensammlern ”telefonieren”. Dies immerhin scheint jetzt in Vorbereitung zu sein, wie beispielsweise hier   nachzulesen ist. Für uns App-User gilt: Lieber heute als morgen umsetzen, es sind schon viel zu viele unserer Daten durch den kommerziellen Äther gehuscht. Und bis dahin vielleicht doch besser den ein oder anderen Verzicht üben ...

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