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Stoppt Motorola Power-PC-Prozessoren?

09.09.1997 | 00:00 Uhr |

Im anhaltenden Streit zwischen Apple und Motorola über die weitere Lizenzierung des Mac-Betriebssystems fährt Motorola nun schwere Geschütze auf, die die Zukunft der Power-PC-Prozessoren für Macs und Mac-kompatible Rechner in Frage stellen könnten.

Motorolas "Semiconductor Product Group", jener Bereich des Konzerns, der für die Power-PC-Prozessoren zuständig ist, ließ gestern durchblicken, daß er künftig die Weiterentwicklung der Power-PC-Prozessoren auf Märkte konzentrieren wolle, die nichts mit Personalcomputern zu tun haben. Im Rahmen einer Firmenkonferenz in Orlando, Florida, stellte Motorola eine Strategie vor, die Gewicht auf die Entwicklung und den Verkauf von sogenannten "Embedded Processors" legt. Dabei handelt es sich um preiswerte Prozessoren, die wenig Strom verbrauchen und vorwiegend in Anwendungsbereichen wie Netzcomputern, Set-top-Boxen und drahtlosen Kommunikationsgeräten zum Einsatz kommen. Als Teil der neuen Strategie kündigte Motorola eine neue Prozessorarchitektur namens M-Core an, die großes Leistungsvermögen mit günstigem Preis und geringem Stromverbrauch verbinden soll.

Im Rahmen der neuen Strategie will Motorola seine Zusammenarbeit mit IBM forcieren. Beide Unternehmen entwickeln im Somerset Design Center im texanischen Austin gemeinsam die Power-PC-Prozessoren, die bislang nahezu ausschließlich in Personalcomputern zum Einsatz kommen, die mit dem Mac-Betriebssystem arbeiten.

Ob die neue Strategie zur Folge hat, daß beide Konzerne die Weiterentwicklung der Power-PC-Prozessoren für Macs und Mac-Kompatible einstellen werden, ist aus Motorolas Ankündigung nicht direkt ersichtlich; eine Erklärung hierzu wird für Ende September erwartet. Allerdings wird durch die Tatsache, daß Apple die Firma Power Computing, nach Stückzahlen größter Hersteller von Mac-kompatiblen Rechnern, übernimmt und es somit künftig einen Abnehmer von Power-PC-Prozessoren weniger gibt, das Marktpotential für diese Prozessoren möglicherweise kleiner.

Hinzu kommt, daß Apple sich weigert, das Mac-Betriebssystem auch für Rechner zu lizenzieren, die den Spezifikationen der sogenannten Common Hardware Reference Platform (CHRP) entsprechen. Damit ist es jenen Firmen, die bereits entsprechende Rechnermodelle entwickelt haben, nicht möglich, diese auch auf dem Markt anzubieten. Zu diesen Firmen gehört auch Motorola. Das Unternehmen hat mit den Starmax-6000-Modellen bereits eine fertige Produktreihe, die auf CHRP basiert, kann sie aber aufgrund von Apples Weigerung, eine Lizenz zur Nutzung von Mac-OS 8 auf diesen Rechnern zu erteilen, nicht ausliefern. Dies hatte, wie bereits berichtet, in der vergangenen Woche zu Spekulationen geführt, daß Motorola künftig möglicherweise überhaupt keine Mac-kompatiblen Rechner mehr anbieten werde. ab

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