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Google Street View startet in Deutschland

03.11.2010 | 11:20 Uhr |

Die ersten Panorama-Bilder aus Deutschland sind in Googles Kartendienst Street View am Dienstag online gegangen.

Street View
Vergrößern Street View

Zunächst stellte der Suchmaschinen-Spezialist Sehenswürdigkeiten aus fünf großen Städten sowie Rundgänge in zehn Fußballstadien scharf. Gefeiert wurde der Deutschland-Start allerdings in einem kleinen Dorf im Allgäu: Als erstes gingen ausgewählte Straßenzüge rund um das Zentrum von Oberstaufen ins weltweite Datennetz.

Skepsis gegenüber dem vielfach umstrittenen Dienst gibt es in der kleinen Gemeinde kaum. "Unser Dorf ist so schön, wir haben nichts zu verstecken", sagte Bürgermeister Walter Grath (Freie Wähler) zum Auftakt des Internet-Schaufensters. Mit Alphorn-Klägen feierten Verantwortliche von Google gemeinsam mit den Bewohnern des Dorfes den Start des Dienstes. Er gehe davon aus, dass sich die Internet-Ansichten für die Gemeinde positiv auswirkten und die Bekanntheit steige, sagte Grath.

Oberstaufen erhofft sich von Street View eine Stärkung für den Tourismus und hatte Google bereits im August eine Zusammenarbeit vorgeschlagen - in Form einer virtuellen Torte. Anders als die Skeptiker vielerorts hatte die Gemeinde dem Unternehmen das Gebäck mit der Aufschrift "Street View - Willkommen in Oberstaufen" ins Netz gestellt. "Das war eine Einladung, die wir nicht ablehnen konnten", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck der dpa.

Zum Deutschland-Start am Dienstag habe Google flächendeckend die attraktivsten Plätze ausgesucht, sagte Oberbeck. So lässt sich zum Beispiel in Berlin die Siegessäule umrunden und aus einiger Entfernung am Bundeskanzleramt vorbeifahren. Mit dabei sind auch der Dresdner Theaterplatz und der Königsplatz in München. Zudem gibt es eine Panorama-Ansicht aus dem Park am Schloss Solitude in Stuttgart zu sehen sowie einen Blick auf die Elbe von der Hamburger Köhlbrandbrücke.

Neben den ersten Sehenswürdigkeiten sind auch zehn Bundesliga-Stadien virtuell begehbar. Weitere Stadien sollten folgen, sagte Oberbeck. Dort machte das Unternehmen die Aufnahmen mit einer 360-Grad-Kamera, die auf einer Art Dreirad montiert war. Aus der Welt des Fußballs hat Google als überzeugten Fürsprecher Philipp Lahm vom FC Bayern München für eine Werbekampagne gewinnen können, die in Kürze starten soll.

Google will den Street-View-Dienst - eine Erweiterung seines Kartendienstes Google Maps - mit Panorama-Ansichten von Straßen der 20 größten Städte Deutschlands bis Jahresende fertigstellen. Damit steht dem Unternehmen noch viel Arbeit bevor. Derzeit müssten zum Beispiel noch die Anträge bearbeitet werden, einzelne Häuser und Wohnungen unkenntlich zu machen. "Das braucht viel Zeit und Aufwand, wir haben dafür 200 Leute eingestellt", sagte Oberbeck.

Mehr als 244.000 Haushalte allein in den 20 größten Städten hatten beantragt, ihre Wohnhäuser in dem Google-Dienst unkenntlich zu machen. Google betont, dies seien lediglich knapp drei Prozent der betroffenen Haushalte. Datenschützer sprachen von bundesweit mehr als einer Million Haushalten, wenn der Anteil der Widersprüche auf das ganze Land hochgerechnet werde.

Auch nach dem Start von Street View könnten Nutzer noch Widerspruch gegen bestimmte Darstellungen, etwa ihres Hauses, einlegen, betonte Overbeck. Dafür müssen sie in der jeweiligen Ansicht auf den Link "ein Problem melden" klicken. Ein daraufhin erscheinendes Formular muss ausgefüllt an Google geschickt werden. Google betont, dass für die Verpixelung von Auto-Kennzeichen, Gesichtern und Hausfassaden modernste Technologien eingesetzt werden.

Der Internet-Blog "Datenschutz ist Bürgerrecht" von Bündnis 90/Die Grünen weist dagegen darauf hin, dass es auch zum Start von Street View noch Nachbesserungsbedarf gibt. Der Blog zeigt Bilder eines Hauses, das trotz Verwischtechnik bei Änderung der Perspektive wieder komplett und unverstellt zu sehen ist. (dpa)

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