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Bald völlig legal: Aktuelle Kinofilme für daheim

11.03.2016 | 11:24 Uhr |

Das Startup Screening Room will Studios von einer parallelen Filmverwertung im Kino und zuhause zu überzeugen. Die Vorführung im Home-Cinema könnte aber teuer werden.

Bisher gilt es aus guten Gründen als unwahrscheinlich, dass aktuelle Filme, die gerade im Kino laufen, sich gegen Entgelt und also legal auch im eigenen Heimkino streamen lassen werden. Unser Kollege Kirk McElhearn hat die Argumente dafür auf Macworld.com treffend zusammengefasst und dabei den wichtigen Unterschied zum Musik-Streaming herausgestellt. Da Musik relativ günstig zu produzieren ist, kann es sich die Musikindustrie eher leisten, Alben oder einzelne Tracks zeitgleich auf CD, zum kostenpflichtigen Download wie auch im Abo-Streaming (etwa Apple Music oder Spotify) zu publizieren. Filme, wie sie etwa in Hollywood gedreht werden, kosten dagegen ein Vielfaches und werden daher in einer Verwertungskette nacheinander vermarktet. Zuerst geht es für ein paar Monate ins Kino, dann folgen die Veröffentlichungen auf DVD, Bluray und VOD (Video-on-Demand). Etwa ein halbes Jahr später kommen diese Filme ins Pay-TV (in Deutschland ist das im Wesentlichen Sky), dann sind die frei zugänglichen Fernsehsender dran, und danach erst die Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime. Nur in seltenen Ausnahmen gibt es davon Abweichungen, etwa wenn ein Sender mitproduziert hat oder wie bei Serien jüngst diese exklusiv von Netflix & Co. hergestellt wurden. Anders kämen die Filmstudios nicht auf ihre Kosten, so der jetzige Stand.

Erster Test des Apple TV 4

Doch das erwähnte Startup Screening Room, das unter anderem von Sean Parker, einem der Napster-Gründer und früheren Facebook-Präsident, gefördert wird, ist nach einem Bericht von Variety.com   dabei, Hollywood-Studios und Kinoketten zu ermutigen, auch im Kampf gegen Film-Piraterie, Heim-Anwendern eine legale Möglichkeit zu eröffnen, aktuelle Kinofilme zu Hause zu genießen. Denn oft sind Kinofilme bereits als illegale Streams verfügbar, kaum dass sie in den Lichtspielhäusern angelaufen sind. Die Kosten dafür wären allerdings dem Bericht zufolge üppig. So wäre eine Set-Top-Box für 150 US-Dollar fällig, die unter anderem auch Raubkopien verhindern soll und 48 Stunden lang den Film zum einmaligen Ansehen im eigenen Wohnzimmer zur Verfügung stellen könnte. Außerdem wird damit gerechnet, dass eine solche Session pro Film mit 50 US-Dollar zu Buche schlagen würde, von denen die Kinoketten als "Trostpflaster" für entgangene Einnahmen 20 US-Dollar erhielten.

Angeblich steht Screening Room kurz vor einem Abschluss mit der größten amerikanischen Kinokette AMC. Auch große Studios wie Universal, Fox oder Sony sollen interessiert sein. Disney dagegen scheint sich heraushalten zu wollen. Insgesamt seien die Gespräche noch in einer frühen Phase, und weder Screening Room noch AMC wollten den Verhandlungsstand kommentieren.

So oder so – richtig lohnen wird sich das ganze wohl nur, wenn mehrere Personen sich zu Hause den Film und die Gebühren teilen. Eine echte Kinoatmosphäre dagegen dürfte auch das nicht ersetzen – immerhin ist man von sich während der Vorführung laut unterhaltenden Kinogästen oder deren nervigem Geraschel mit Popcorn-Tüten und Ähnlichem besser geschützt als in den Lichtspielhäusern...

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