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Apple Pay erfolgreich in USA und UK

12.11.2014 | 14:26 Uhr |

In den USA und Großbritannien ist der Apple-Dienst erfolgreich gestartet. Wir erklären, wie Apple Pay funktionieren könnte

Update: Nach den USA ist Apple Pay auch in Großbritannien gestartet. Zunächst nur in Kooperation mit 7 großen Geldinstituten, darunter American Express sowie die Banken Santander und Royal Bank of Scotland, und an vielen Verkaufsstellen mit einem Transaktionslimit von 20 Pfund Sterling. Da die meisten Vertragspartner von Tag 1 jedoch Fastfood- oder Cafehausketten wie McDonalds, Starbucks oder KFC sind, hat dies die Kunden ersten Berichten zufolgen wenig gestört. Groß war allerdings der Ärger bei Bankkunden deren Institute trotz gegenteiliger Ankündigungen den Service noch nicht zum Start am 14. Juli bieten konnten. Eine Reaktion, die etwa die Sparkassen aufmerksam verfolgen sollten, immerhin hatten sie schon frühzeitig angekündigt, Apple Pay hier in Deutschland unterstützen zu wollen.

Lange schon war auf Apples Eintritt in mobile Bezahlsysteme gewartet worden. Technisch hat Apple die Voraussetzungen (NFC-CHip)  mit dem iPhone 6 und 6 Plus schon erfüllt. Ob der großen Verbreitung von NFC-fähigen Bezahlterminals (zumindest in den USA) musste Apple hier auf einen Standard aufspringen, den andere bei mobilen Bezahlsystemen bereits nutzen.

Kampf um das mobile Zahlen

In den USA haben sich mehrere große Handelsketten zur Vereinigung „Merchant Customer Exchange“ (MCX) zusammen geschlossen. Dazu zählen unter anderem die Handelsriesen Walmart, Best Buy und Target, sowie große Bekleidungsketten wie Gap und Old Navy. Mit dem eigenen Bezahlsystem Currentc wollen die Händler ab 2015 Kosten für Kreditkartengebühren einsparen. Currentc soll stattdessen auf Guthabenbasis oder per Bankeinzug funktionieren.

 Weil sich Mitglieder der Vereinigung weigern, Apple Pay zu unterstützen, prasselt massive Kritik auf die Händler ein. Ende Oktober wurde gar die Datenbank von Currentc gehackt, die Angreifer sollen dabei E-Mail-Adressen von Interessenten und Teilnehmern an Currentc erbeutet haben. Anders als bei Apple Pay erhalten die Händler hier Nutzerdaten bei der Bezahlung. Zudem soll das System über abfotografierte QR-Codes statt über NFC funktionieren. Currentc soll im Jahr 2015 starten, schon jetzt haben einige Teilnehmer die NFC-Bezahlfunktion an ihren Kassen abgeschaltet, um Apple Pay und Co. auszusperren. Die Marktmacht der MCX ist jedoch nicht zu unterschätzen: Die Vereinigung vertritt laut eigener Aussage 110 000 Filialen in den USA. pw

Natürlich ist auch die Kooperation mit wichtigen Banken und Kreditkartenunternehmen relevant, hier sind die Big Player sowohl in den USA wie in Großbritannien mit an Bord. Fast alle Apple-Kunden mit iPhone nutzen bereits eine Kreditkarte oder ihren Bank-Account für Geschäfte mit Apple – über den iTunes Store, den App Store oder andere. Diese Karten lassen sich einfach in Passbook übernehmen, die App ist also nicht mehr nur Aufbewahrungsort für Bordkarten und Coupons. Dabei werden nicht die Kartendaten übernommen, sondern der Karte eine „Device Account Number“ zugewiesen.

Unterwegs zahlen – oder per App

Natürlich können auch Benutzer Apple Pay einsetzen, die bei Apple noch keine Kreditkarten- oder Bankdaten hinterlegt haben – das geht auch direkt, wenn Bank oder Institut zu den Unterstützern gehören. Das eigentliche Bezahlen unterwegs, etwa bei einer beliebten Fastfood-Kette, ist nun ganz einfach: Sie führen an der Kasse das iPhone an einem NFC-Terminal vorbei, und Apple Pay öffnet ein Fenster – auch bei eingeschalteter Code-Sperre. Die Bezahlung der Ware(n) autorisieren Sie einfach mit Ihrem Fingerabdruck – Touch ID. Alternativ nutzen Sie zum Bezahlen das Passwort für die Code-Sperre – fertig.

Im Gegensatz zu anderen Bezahlsystemen bekommt der Verkäufer nur die Freigabe für die Zahlung, nicht aber Ihre Kreditkartendaten. Aus der „Device Account Number“ wird ein einmalig geltender Schlüssel zur Autorisation erzeugt. Auch Apple weiß nicht, was Sie gekauft haben. Es werden lediglich die Uhrzeit des Einkaufs festgehalten und der Ort (per GPS).

Neben den neuen iPhone-Modellen ist auch die Apple Watch für Apple Pay geeignet – und bringt damit als Partner auch das iPhone 5, 5C und 5S ins Spiel, die allein mangels NFC-Chip nicht mobil einkaufen können. iPad Air 2 und iPad Mini 3 verfügen zwar über den neuen Chip „Secure Element“, können aber nicht mobil an der Kasse zum Bezahlen genutzt werden. Ihnen bleibt eine andere Option: Apple Pay steht auch entsprechend programmierten Apps zur Verfügung, beim Online-Shopping.

Und Deutschland?

Schon die ersten Reaktionen in den USA verdeutlichen, welche Marktmacht hinter Apple steckt. Zwar muss man Apple-Pay-Partner sein, um an dem Bezahlsystem teilzunehmen, prinzipiell sind aber alle NFC-Terminals in der Lage dazu. Mit Currentc (siehe Kasten) will eine Gruppe von Vertriebsketten Anfang 2015 in den USA ein eigenes Bezahlsystem starten, einige der Mitglieder haben Ende Oktober ihre NFC-Kassen abgeschaltet, um hier nicht von Apple Pay überrollt zu werden.

In Deutschland ist die Situation schwierig, auch hier benötigt Apple Banken und Kreditkartenunternehmen als Partner. Die Deutsche Telekom hat Anfang 2014 in Zusammenarbeit mit Mastercard und Clickandbuy ihre digitale Brieftasche My Wallet in Deutschland gestartet, allerdings nur für Smartphones mit Android. Voraussetzung ist ein Mobilfunkvertrag bei der Telekom , ein konkurrierendes Modell.

Das ist Apple Pay

 

Aktuell lässt sich Apple Pay bei uns noch nicht einsetzen, Apple muss hier zunächst Verhandlungen mit Geldinstituten führen und dann entscheiden, ob der Markt interessant ist. In den USA wird Apple Pay bereits genutzt, Voraussetzung ist aktuell ein iPhone 6 oder iPhone 6 Plus, um unterwegs zu bezahlen. Die neuen iPad-Modelle Air 2 und Mini 3 sind zwar technisch auch entsprechend ausgestattet, hier soll Apple Pay aber nur über speziell ausgerüstete Apps möglich sein. Statt der Eingabe der Kreditkartennummer an der virtuellen Kasse im Online-Shop reicht dann der Fingerabdruck.

Interessiert sind hingegen die deutschen Sparkassen. Man wolle, so verkündete kurz nach dem Start von Apple Pay in den USA Sibylle Strack, Expertin vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), beim mobilen Bezahlen mit dem Technologieriesen Apple zusammenarbeiten. Für den Fall einer Einführung in Deutschland habe sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband schon einmal bei dem Konzern in den USA gemeldet. „Wenn das System in Deutschland eingeführt wird, kommt Apple an den Sparkassen nicht vorbei“, sagte Strack. Konkrete Verhandlungen gibt es jedoch offenbar bis dato nicht. Weiter scheint schon die ING Diba zu sein, die Anfang des Jahres kurz für Aufregung sorgt, als auf T witter eine Seite auftaucht , die Apple Pay als Zahlungsmethode listet. Auf der Entwicklerkonferenz im Juni gibt es keinen Hinweis, wann Apple Pay in Deutschland startet.

Eines ist klar, Apple Pay wird auch bei uns kommen. Apple hat natürlich ein starkes Interesse, bekommt das Unternehmen doch bei jedem Einkauf über Apple Pay eine Provision.

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