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Studie: Zwanghaftes Web-Surfen meist Folge von psychischen Störungen

22.11.2006 | 12:34 Uhr |

Übermäßiges Computerspielen oder zwanghaftes Surfen im Internet ist laut einer aktuellen Studie häufig eine Folge psychischer Erkrankungen.

Meist seien Depressionen Schuld daran, dass Menschen über Jahre hinweg viele Stunden täglich mit Online-Spielen oder in Chaträumen verbrächten, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover. «Die Betroffenen ziehen sich deprimiert in eine andere Welt zurück. Sie flüchten aus der Realität», sagte der Leiter der Studie, Bert te Wildt. In der virtuellen Welt fänden sie oft die Zustimmung, die sie in ihrem echten Leben vermissten. Für die Studie seien 23 Probanden psychologisch untersucht worden, die sich über einen langen Zeitraum täglich mehr als sechs Stunden im Internet aufgehalten hatten. Bei 80 Prozent der Opfer wurde eine Depression diagnostiziert, die schon vor der exzessiven Computernutzung vorhanden war. Bei weiteren Teilnehmern wurden Persönlichkeits- oder Angststörungen entdeckt. Von der Internetabhängigkeit seien zu 75 Prozent Männer betroffen. Nach Ansicht des Arztes für Psychiatrie und Psychotherapie te Wildt kann bei der übermäßigen PC-Nutzung nicht von einer typischen Sucht gesprochen werden. Die Studie zeige, dass es sich bei der Internetabhängigkeit eher um ein Symptom psychischer Probleme handle, die jeder Psychiater oder Therapeut mit herkömmlichen Methoden - einer Therapie und Medikamenten - lösen könne. «Wir brauchen dafür kein neues Behandlungskonzept», sagte te Wildt. (dpa)

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