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Sun fordert eine Milliarde Dollar Schadenersatz von Microsoft

11.03.2002 | 12:11 Uhr |

Mit einer Kartellklage will Sun seinen redmonder Konkurrenten dazu zwingen, Java in Windows XP zu integrieren und .net vom betriebssystem zu entkoppeln.

Der Computerkonzern Sun Microsystems verlangt vom Softwaregiganten Microsoft mehr als eine Milliarde Dollar (1,14 Mrd Euro) Schadenersatz. Sun reichte am Freitag Kartellklage gegen Microsoft ein. Das Unternehmen fordert, dass Microsoft die von Sun entwickelte Programmiersprache Java in das neue Betriebssystem Windows XP und den Browser Internet Explorer aufnimmt. Microsoft habe sein Monopol bei Betriebssystemen zum Nachteil von Java ausgenutzt, heißt es in dem mehr als 70-seitigen Papier.

Sun-Vizepräsident Michael Morris bezifferte die Schadenersatzforderung auf "nördlich von einer Milliarde Dollar", wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Microsoft kritisierte die Klage. "Das braucht die Industrie nicht. Sie braucht Unternehmen, die sich auf Innovation und die Entwicklung guter Produkte konzentrieren", sagte Sprecher Jim Desler der "New York Times".

Bei der Klage geht es aber auch um die Zukunft des Internet. Sun und Microsoft konkurrieren bei Software für Websites und der Vernetzung von Geräten über das Internet - ein Markt, in dem gewaltiges Wachstumspotenzial erwartet wird. Microsoft tritt mit der neuen .net-Technologie an (dot-net), Sun will sich mit Java durchsetzen. In der Klage wird nun unter anderem gefordert, dass Microsoft die .net-Technologie von Windows abkoppelt.

Sun kann sich bei seiner Klage auf ein Urteil vom vergangenen Sommer stützen. Ein Berufungsgericht hatte damals ein früheres Urteil bestätigt, wonach Microsoft sein Monopol auf dem Markt für Betriebssysteme ausnutzte und Konkurrenten damit schadete.

Sun und Microsoft hatten sich bereits in den vergangenen Jahren einen erbitterten Schlagabtausch um Java geliefert. Mit der Sprache können Programme geschrieben werden, die ohne Anpassung unter verschiedenen Betriebssystemen laufen. Anfang 2001 war Microsoft nach einem vierjährigem Verfahren per Gerichtsbeschluss untersagt worden, seine Produkte als "Java-kompatibel" zu bezeichnen, da an der Java- Software Anpassungen vorgenommen worden waren. Der Softwarekonzern zahlte Sun damals 20 Millionen Dollar.

Das neue Betriebssystem Windows XP wird nun komplett ohne Java- Komponenten ausgeliefert. Nutzer können sie jedoch später herunterladen. Microsoft hatte den Schritt vor der Markteinführung im vergangenen Jahr unter anderem mit der Gefahr von Klagen seitens Sun begründet.

Morris brachte auch noch höhere Schadenersatz-Ansprüche ins Gespräch. In einem Kartellverfahren könne die Strafe das dreifache des entstandenen Schadens betragen, betonte er. Analysten zeigten sich in einer ersten Reaktion jedoch skeptisch, was die hohen Geldforderungen angeht. "Es wird eine harte Arbeit für sie sein, Schaden in Höhe von einer Milliarde Dollar zu beweisen", sagte ein Branchen-Anwalt aus dem Silicon Valley Bloomberg.

Weiterer Streitpunkt sind Internet-Identifizierungsdienste. Als Service soll Nutzern statt der vielen Passwörter bei verschiedenen Websites eine Art einheitlicher elektronischer Ausweis angeboten werden. Microsoft entwickelt dafür die Technologie Passport. Sun ist Teil der rivalisierenden Liberty Alliance. Ein weiteres Mitglied der Allianz, der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner, hatte erst im Januar ebenfalls Kartellklage gegen Microsoft eingereicht. Der Vorwurf: Microsoft wolle auf Basis des Monopols bei Betriebssystemen die Stellung im Online- und Service-Markt auszubauen.

Immer noch läuft auch das Kartellverfahren, das das Justizministerium vor fast vier Jahren zusammen mit mehreren Bundesstaaten angestrengt hatte. Das Ministerium setzt sich nach einer außergerichtlichen Vereinbarung mit Microsoft inzwischen für ein Ende des Verfahrens ein. Neun Bundesstaaten verlangen aber weiter härtere Auflagen für den Softwarekonzern - darunter ebenfalls die Wiederaufnahme von Java. Die für Montag geplante Anhörung über ihre Sanktionsvorstellungen war am Freitag um eine Woche verschoben worden. Die Richterin gab einem Antrag von Microsoft statt, weil die Staaten ihre Vorschläge in letzter Minute verändert hatten. dpa

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