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T-Mobile kündigt Änderungen beim iPhone-Vertrieb an

20.11.2007 | 16:38 Uhr |

Nachdem das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den exklusiven Vertrieb des iPhone über T-Mobile erwirkt hat, kündigt der Provider Änderungen beim Vertrieb an.

Um die Auflagen des Gerichts zu erfüllen, werde es werde eine „geänderte Form des Vertriebs“ geben, sagte ein Telekom-Sprecher der Nachrichtenagentur ddp . Details sind bisher keine bekannt, sollen aber bis morgen folgen, anderenfalls droht der Telekom-Tochter ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro. Bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung in etwa zwei Wochen werden dann die neuen Bedingungen gelten. Die Einstweilige Verfügung gegen T-Mobile hat der Mobilfunkkonzern Vodafone beantragt: Dem Weltmarktführer ist die exklusive Vertriebskooperation von Apple mit T-Mobile in Deutschland ein Dorn im Auge, denn der US-Konzern ist am Umsatz beteiligt. Die Aufteilung der Erlöse ist für die Branche ein Novum. Vodafone befürchtet nun, dass das Beispiel Schule macht und die Handy- Hersteller Nokia, Samsung oder Motorola ebenfalls am profitablen Geschäft beteiligt werden wollen.

Das Apple-Handy wird in Deutschland ausschließlich über T-Mobile vertrieben und funktioniert wegen einer elektronischen Sperre nicht in fremden Netzen. «Wenn man den Markt nun sich entwickeln lässt, dann werden weitere Koppelungsgeschäfte kommen», sagt Vodafone- Deutschland-Chef Friedrich Joussen. Das iPhone dürfe nicht zum «Sündenfall» für die Branche werden. Vodafone verlangt daher einen Verkauf auch über andere Vertriebskanäle. «Wir wollen, dass das iPhone für alle ohne Vertragsbindung erhältlich ist.» Um möglichen Begehrlichkeiten der Handy-Hersteller einen Riegel vorzuschieben, holte Joussen nun die juristische Keule raus.

Beim Landgericht Hamburg erwirkte er eine Einstweilige Verfügung gegen die Telekom-Tochter T-Mobile, die das iPhone seit dem 9. November in Deutschland vertreibt. Die ruppigen Umgangsformen sind für die Mobilfunkbranche nicht neu. Die Telekomfirmen überziehen sich regelmäßig mit Einstweiligen Verfügungen. So torpedierten T-Mobile und Vodafone D2 bereits gegenseitig Werbekampagnen. Beim Streit um das iPhone-Vertriebsmodell geht es um viel Geld: T-Mobile verkauft das Apple-Telefon zwar ohne Subventionen für 399 Euro, reicht dafür aber rund ein Drittel der Umsätze an den US-Konzern weiter. Über die Vertragslaufzeit von zwei Jahren fallen damit zwischen 500 und 800 Euro an.

«Apple konnte dieses Vertriebsmodell nur durchsetzen, weil es über eine extrem starke Marke verfügt», erklärt ein Marktforscher. Diese Zugkraft lockte dem Vernehmen nach bereits mehrere zehntausend Kunden in die Läden von T-Mobile - über 15 000 am ersten Tag. Damit schafft Apple mit seinem ersten Mobiltelefon einen Achtungserfolg am deutschen Markt.

Zwerg Apple versetzt den Markt in Aufruhr

In Europa will der US-Konzern im wichtigen Weihnachtsgeschäft rund eine Million Mobiltelefone verkaufen - der Anteil am Gesamtmarkt läge unter einem Prozent. Im Vergleich zu Nokia und Motorola ist der Branchenneuling damit ein Zwerg und wird es nach Einschätzung von Branchenanalysten vorerst auch bleiben. Mit dem Gang vor Gericht riskiert Vodafone D2 also nicht den Verlust eines wichtigen Lieferanten. Allerdings hat das Vorgehen von Vodafone einen faden Beigeschmack, denn die Düsseldorfer hatten sich ebenfalls um die Exklusivrechte für das Apple-Handy beworben.

«Ich bin ein Fan des iPhone», räumt Joussen denn auch ein. Allerdings habe ihn die Umsatzbeteiligung abgeschreckt. Vodafone profitiert dennoch von dem neuen Gerät, da einige findiger Tüftler die elektronische Sperre des iPhone außer Kraft setzten. «Wir haben heute rund 5000 iPhone-Nutzer auf unserem Netz», sagt Joussen. (dpa)

Das iPhone beschäftigt in Deutschland nun auch die Bundesnetzagentur. Die exklusive Koppelung des Apple-Handys an das Mobilfunknetz von T-Mobile verstoße gegen die Mobilfunklizenzvereinbarung und sei damit rechtswidrig, sagte eine Sprecherin des Mobilfunkproviders debitel am Dienstag in Stuttgart der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bei der Bundesnetzagentur sei daher ein Lizenzverstoß anzeigt worden. «Uns liegt eine Beschwerde wegen der Exklusivvereinbarung vor», bestätigte ein Behördensprecher. T-Mobile sei nun um Stellungnahme gebeten worden.

Beobachter rechnen damit, dass T-Mobile und Apple das iPhone künftig zum selben oder einem niedrigeren Preis ohne Vertragsbindung verkaufen, auch Codekarten zur Aufhebung des SIM-Locks seien denkbar. In Frankreich wird Apple zusammen mit seinem dortigen Mobilfunkpartner Orange das iPhone ohne Vertragsbindung verkaufen, ein Gesetz verbietet dort den exklusiven Vertrieb.

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