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T-Online beteiligt sich an Comdirect Bank

17.02.2000 | 00:00 Uhr |

Mit einem Milliarden-Bündnis rüsten sich
Commerzbank und Deutsche Telekom für die Wachstumssparte Internet-
Banking. Mit ihrer Tochter T-Online wird sich die Telekom zu 25
Prozent an der comdirect bank beteiligen. Im Gegenzug erwirbt die
Direktbank-Tochter der Commerzbank mit einem Aktientausch Anteile an
T-Online, dem führenden Online-Anbieter in Europa. Diese Beteiligung
werde im absoluten Betrag dem T-Online-Anteil an der comdirect bank
entsprechen, gaben das Kreditinstitut und Telekom am Donnerstag in
Frankfurt bekannt.

Der Wert der Transaktion wurde nicht genannt. «Dazu können und
wollen wir noch nichts sagen», sagte T-Online-Vorstandschef Wolfgang
Keuntje. Die Commerzbank, die fünftgrößte deutsche Bank, bezifferte
den Wert ihrer Tochter comdirect auf fünf bis sieben Milliarden Euro
(9,8 bis 13,7 Mrd DM). Dementsprechend wird das Volumen des
Aktientauschs für beide Parteien mindestens 1,25 Milliarden Euro
betragen. Erst am Mittwoch hatte T-Online die Übernahme des
französischen Club Internet, einer 100-prozentigen Tochter des
Mischkonzerns Lagardere, bekannt gegeben. Dieses Geschäft hat nach
Schätzung von Branchenkennern einen Wert von mehr als 1,2 Milliarden
Euro. Lagardere erhält dabei 6,5 Prozent an T-Online.

Damit ist der Hunger von T-Online allerdings noch lange nicht
gestillt. «Bei uns ist auch künftig in punkto Übernahmen und
Beteiligungen noch einiges möglich», sagte Keuntje. Nach dem für
diesen April geplanten Börsengang der Telekom-Tochter sei für eine
weitere Expansion auch eine Kapitalerhöhung nicht auszuschließen.
«Das Thema Finanzen ist ein wichtiger Punkt im Internet und von immer
größerer Bedeutung», begründete er die Allianz mit der Commerzbank.

Die Überkreuz-Beteiligung soll noch vor dem Börsengang der
comdirect bank über die Bühne gehen. Dieser ist bis Ende Juni
vorgesehen. «Wir stehen erst am Anfang einer unaufhaltsamen
Entwicklung hin zu Online-Dienstleistungen», sagte Commerzbank-
Vorstandsmitglied Norbert Käsbeck. Die weltweite Datenautobahn werde
die Finanzbranche vehement und grundlegend verändern. Allenfalls noch
zehn Jahre werde das Filialgeschäft bei Banken und Kunden an erster
Stelle stehen. Danach dominiere das Internet. Mit dem technischen
Rüstzeug der Telekom wolle die Commerzbank bei elektronischen
Finanzgeschäften in Europa eine Spitzenposition einnehmen.

Deshalb will es die Commerzbank möglicherweise auch nicht bei der
Telekom als Kooperationspartner im Internet belassen. «Wir sind offen
für Partnerschaften.» Die Banken seien alleine wegen der scharfen
Konkurrenzsituation zu zahlreichen neuen, kleineren Internet-
Finanzhäusern gezwungen, ihre Aktivitäten beim elektronischen Handel
zu forcieren. Die comdirect, die nach eigenen Angaben zunehmend an
Ertragskraft gewinnt und schwarze Zahlen schreibt, werde weitere
Standbeine in Großbritannien und Italien aufbauen. In Frankreich ist
die Direktbank schon vertreten, die Geschäfte in der Schweiz und
Österreich werden vorerst von Deutschland aus gesteuert.

Auch die Dresdner Bank will sich mit Ausgaben in Milliarden-Höhe
für den Umbruch im weltweiten Kreditgewerbe fit machen. Mit dem
elektronischen Handel würden sich das Firmenkundengeschäft und die
Kapitalmärkte radikal wandeln, prognostizierte das Institut. «Für die
Banken bedeutet dies die größte Herausforderung seit ihres
Bestehens», sagte Dresdner-Vorstandsmitglied Bernd Fahrholz. Sein
Haus habe bereits in den vergangenen beiden Jahren einen «mittleren
dreistelligen» Millionenbetrag in die neuen Technologien gepumpt.
Weitere Internet-Investitionen von mehr als einer Milliarde DM sollen
bald folgen.
dpa

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