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T-Online und Microsoft vor Kooperation

15.05.2002 | 16:01 Uhr |

Wie die Zeitschrift "Capital" in ihrer heutigen Ausgabe zu berichten weiß, der Softwareriesen der T-Aktie auf die Sprünge helfen.

Die Aktionäre der Deutschen Telekom sitzen in diesen Tagen in einer Achterbahn: Negativschlagzeilen in der Branche und eine brodelnde Gerüchteküche lassen die T-Aktie immer heftigere Kapriolen schlagen. Am Mittwoch sorgte ein Bericht des Wirtschaftsmagazins ìCapitalî für neue Kursfantasien: Durch ein Bündnis mit der US-Softwareschmiede Microsoft wolle Telekom-Chef Ron Sommer der schwächelnden T-Aktie wieder Beine machen.

Das Unternehmen habe Microsoft angeboten, einen Anteil von bis zu 24,9 Prozent an der Internet-Tochter T-Online zu erwerben, berichtete das Kölner Magazin vorab in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Gleichzeitig wolle der Vorstandschef in der Festnetzsparte T-Com bis zu 15 000 der 118 000 Stellen streichen und so rund 750 Millionen Euro jährlich sparen. Hintergrund seien die Erlösrückgänge in dem Bereich, der nicht produktiv genug sei.

Zu solchen Berichten kommt aus Bonner Konzernzentrale regelmä?ig die gleiche Aussage: ìZu Spekulationen nehmen wir keine Stellungî, sagte Unternehmenssprecher Ulrich Lissek lapidar. Und zu einem Bericht im Hamburger ìManagermagazinî, dass Frank Esser, derzeit noch Chef der französischen Telekom-Gruppe CÈgÈtel, die Festnetzsparte T- Com leiten soll, schiebt er den gleichen Satz nach.

An der Börse sorgte die Meldung über die angebliche Allianz mit Microsoft für einen deutlichen Anstieg der T-Aktie. Das Papier war bis zum Mittag mit einem Plus von mehr als 3 Prozent auf 13,70 Euro der Gewinner im DAX. Der Kurs der T-Online-Aktie kletterte um 5,5 Prozent auf 11,22 Euro. ìDas sind gute Nachrichten für die Telekomî, sagte ein Händler in Frankfurt.

Telekom-Chef Sommer, der wegen des neuerlichen Kurseinbruches der T-Aktie wieder unter Druck steht, kann eine Erfolgsmeldung gut gebrauchen. In zwei Wochen steht er auf der Hauptversammlung den Aktionären Rede und Antwort. Schlechte Nachrichten, nicht nur aus dem eigenen Hause, gab es in den vergangenen Wochen zu Genüge. Zuletzt drückte die Schieflage der US-Telekommunikationsgesellschaft Worldcom auf den Aktienkurs.

ìDie Telekom braucht dringend Geldî, sagt Joeri Sels, Telekom- Analyst bei Julius Bär in Frankfurt. Auch wenn der mögliche Deal mit Microsoft nur Spekulation ist, kann er sich durchaus vorstellen, dass etwas passieren wird. Oliver Pfluger von der WGZ-Bank ist skeptisch: Microsoft würde sich mit einem kleinen Anteil nicht zufrieden geben. Au?erdem sei die T-Online-Aktie bei ihrem derzeitigen Kursniveau keineswegs günstig. ìAusschlie?en kann man in der Branche aber nichtsî, meint auch Pfluger.

Für den Einstieg von Microsoft bei T-Online könnte die Telekom laut ìCapitalî immerhin zwischen 3 Milliarden und 4 Milliarden Euro einnehmen. Das würde Sommer zugleich in die Lage versetzen, eines der drängendsten Probleme der Telekom anzupacken: Den Abbau des Schuldenberges von rund 67 Milliarden Euro. Bis 2003 soll dieser immerhin auf 50 Milliarden abgetragen werden. Der Verkauf der indonesischen Mobilfunkbeteiligung in Höhe von 361 Millionen Euro ist da nur ein Tropfen auf den hei?en Stein.

Wesentlich mehr will die Telekom dagegen mit dem Trennung von anderen Vermögensteilen wie Immobilien und mehrere TV- Kabelgesellschaften sowie dem Börsengang von T-Mobile International AG erlösen. Doch Sommer ist in Verzug geraten. Der Kabelnetzverkauf an Liberty Media (5,5 Mrd Euro) scheiterte und ein freundliches Umfeld für den Börsengang von T-Mobile ist nicht in Sicht. dpa

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