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T-Online will endlich auch international wachsen

31.08.2000 | 00:00 Uhr |

Die Telekom-Tochter T-Online steht vor einem weiteren Ausbau ihrer Geschäfte im Ausland. Durch Zukäufe oder eigene Aktivitäten werde Europas größter Online-Anbieter die eingeleitete Internationalisierung vorantreiben, kündigte Telekom-Vorstandsmitglied Detlev Buchal am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz des Unternehmens in Darmstadt an. Weitere Schritte der T-Online International AG seien in Vorbereitung.

Neben Deutschland ist T-Online erst in Frankreich (Club Internet) sowie in Österreich und der Schweiz aktiv. Von den sechs Millionen Kunden zum Ende des ersten Halbjahres 2000 entfallen bislang lediglich 0,5 Millionen auf die Auslandstöchter. Mit diesen Unternehmen habe T-Online den Ausbau zu einem "wirklich paneuropäischen Internet-Anbieter schon erfolgreich auf die Schiene gesetzt", unterstrich Buchal.

Seit dem Börsengang im April war es der Telekom-Tochter allerdings nicht gelungen, weitere größere Akquisitionen zu tätigen. Als ein möglicher Übernahmekandidat wird in der Branche nach wie vor die britische Internetfirma Freeserve genannt. T-Online besitze eine solide Finanzlage, die ausreichenden Spielraum für eine offensive Wachstumsstrategie biete, sagte Buchal, der Ende vergangener Woche nach dem überraschenden Rücktritt von T-Online-Chef Wolfgang Keuntje zum kommissarischen Vorstandsvorsitzenden ernannt worden war.

Neben einem genehmigten Kapital von 385 Millionen Aktien stehe T-Online auf Grund des Börsengangs eine Liquidität von fast vier Milliarden Euro für Zukäufe zur Verfügung. T-Online beobachte alle wichtigen Märkte in Westeuropa und werde dann gegebenenfalls zugreifen. Eine Änderung dieser Strategie gebe es durch den Weggang von Keuntje nicht.

Im hart umkämpften deutschen Internetmarkt habe sich T-Online "hervorragend behauptet", sagte Buchal. So sei das Betriebsergebnis in den ersten sechs Monaten 2000 um rund 27 Millionen auf 30 Millionen Euro (58,7 Mio DM) verbessert worden. Beim Umsatz erzielte die Telekom-Tochter ein Plus von 96 Prozent auf 353 Millionen Euro.

An der Börse wurden die Zahlen positiv aufgenommen. Der Kurs der T-Online-Aktie kletterte am Donnerstagvormittag um mehr als drei Prozent auf 29 Euro. Händler begründeten den Anstieg mit über den Erwartungen liegenden Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Ein Börsianer sagte, er sehe großes Potenzial sowohl im Aktienkurs als auch in dem Unternehmen. Hohe Einmalaufwendungen für den Börsengang und Firmenzukäufe brachten dem T-Online-Konzern im ersten Halbjahr unter dem Strich allerdings einen Fehlbetrag von 179 Millionen Euro.

Ausbauen will T-Online unter anderem über Partnerschaften den Inhaltebereich. Hierzu gehörten heute bereits das Finanzportal mit der Comdirect Bank. Ein weiteres Potenzial eröffne sich mit dem Breitband-Internet: Hierzu zählen beispielsweise Live-Übertragungen von Musikkonzerten und Sportereignissen im Internet. Geplant ist für September außerdem die erste Seifenoper im deutschen Web. dpa/ab

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