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Vodafone startet Testprojekt für Funk-Internet

28.07.2009 | 13:14 Uhr

Vodafone und Ericsson wollen sich gemeinsam dem in Deutschland nach wie vor bestehenden Problem der Breitbandlücken in ländlichen Regionen annehmen. Als Übertragungstechnologie sollen TV-Frequenzen dienen.

Beide Unternehmen haben kürzlich in Oberwiesenthal in Sachsen das mittlerweile zweite Testprojekt für die Nutzung mobilen Breitband-Internets im Rahmen der sogenannten "Digitalen Dividende" gestartet. "Unter diesem Begriff ist die Verwendung der durch die Umstellung von einem analogen auf ein digitales TV-Signal freigewordenen Frequenzen für die Bereitstellung von mobilen Breitband-Webzugängen zu verstehen", erklärt Vodafone-Sprecher Dirk Ebrecht im Gespräch mit pressetext. Bei dem bis Mitte 2010 laufenden Feldversuch werden rund 50 Testhaushalte und Unternehmen in der betreffenden Region kostenlos mit mobilen Breitband-Routern ausgestattet.

"Der Zugang zu einer schnellen Internetverbindung ist mittlerweile beruflich und privat unabdingbar geworden", stellt Ebrecht fest. Dennoch hätten geschätzte sechs bis acht Prozent der Haushalte in Deutschland immer noch keine Möglichkeit, per Breitbandanschluss ins Netz einzusteigen. Um diese sogenannten "White Spaces" der Internetlandschaft so schnell und kostengünstig wie möglich füllen zu können, sei die Funktechnologie ein vielversprechender Ansatz. "Wir haben zurzeit drei unterschiedliche Testprojekte in Deutschland laufen. Durch unser Engagement erhoffen wir uns nicht nur ein politisches Signal, sondern vor allem eine Reihe wichtiger technischer Erkenntnisse aus der Erprobung bei Feldbedingungen", betont Ebrecht. Diese könnten sich dann in weiterer Folge für den Start des UMTS-Nachfolgestandards LTE (Long Term Evolution) als hilfreich erweisen. "Der aktuell gestartete Testlauf in Oberwiesenthal ist auch als strategischer Vorläufer künftiger LTE-Projekte zu sehen. Der erste echte Versuch mit diesem Standard wird im September in Nordrhein-Westfalen über die Bühne gehen", so Ebrecht.

"Uns ist prinzipiell jeder Ansatz recht, der versucht, das Problem der Breitbandlücken in Deutschland anzugehen", meint Bernd Rudolph von der Initiative gegen digitale Spaltung auf Nachfrage von pressetext. Der Ausnutzung der Digitalen Dividende stehe er, der selbst auch in einer betroffenen Region lebe, aber eher skeptisch gegenüber. "Hier stellt sich in erster Linie die Frage, ob die zur Verfügung stehenden TV-Frequenzen überhaupt genügend Potenzial haben, um größeren Nutzergruppen Stand zu halten", meint Rudolph. Gewisse Mindeststandards an Verfügbarkeit und Volumen müssten aber sichergestellt werden. "Es darf nicht nur um die Flächenabdeckung gehen. Eine Mindestbandbreite muss für jeden Nutzer auch in Stoßzeiten garantiert werden", fordert Rudolph. Außerdem dürfe es keine wie heute im Mobilfunk üblichen Volumengrenzen geben. "Letztlich nutzt niemanden ein Anschluss, der beim Überschreiten von vergleichsweise geringen Volumen aufs Minimum gedrosselt wird", so Rudolph abschließend. (pte/cvi)

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