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Tablet PCs: Verlorene Chance für Apple?

08.11.2002 | 12:13 Uhr |

Mit großem Marketingaufwand sind die ersten Tablet PC auf dem Markt erschienen. Die neuen Geräte sollen die Computeranwendung revolutionieren.

München/Macwelt - Der PC-Markt leidet unter schlechten Absatzzahlen, Abhilfe sollen neue Gerätefamilien bringen. Aktuelles "Killer-Produkt" ist der Tablet PC, ein von Microsoft entwickeltes Produkt, das von über zwanzig verschiedenen Herstellern auf den Markt gebracht wird. Auch der krisengeschüttelte Softwarehersteller Corel hat bereits zur Markteinführung ein kostenloses Zeichenprogramm beigesteuert. Das Konzept richtet sich vor allem an den Geschäftsanwender, der den Tablet PC zur Dateneingabe benutzten soll. Ergonomisch hat diese Form der Dateneingabe sicher gelegentlich Vorteile, etwa wenn man vor einem Regal steht und Bestände erfassen muss. Eine andere Idee wäre der Heimanwender, der, auf dem Sofa sitzend, im Internet surft. Allerdings kann man, zumindest letzteres, auch mit einem iBook bereits sehr gut.
Zwei Konzepte sind in den Geschäften: Ein Notebook mit schwenkbarem Touchscreen, das, ähnlich wie Sonys Top-PDAs, sowohl als normales Notebook wie auch als reines Tablett genutzt werden. kann. Ein Subnotebook dieser Bauart ist bereits für 2500 Euro im Mediamarkt erhältlich. Nur-Bildschirmmodelle haben Fujitsu, HP oder auch Viewsonic präsentiert. Hier erfolgt die Bedienung rein über Stift und Display, als Betriebssystem kommt das neue Windows XP Tablet Edition zum Einsatz, einfache Texterkennung soll das Programm Digital Ink Handwriting ermöglichen.

Für Apple ist dies neue Windows-Entwicklung bisher eher uninteressant. Nutzen die meisten Mac-Anwender doch Anwendungen, die per Tastatur und Maus einfacher zu bedienen sind. Auch PDA-Anwender nutzen Touchscreens schließlich nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil die kleinen Geräte zu wenig Platz für eine Tastatur bieten. Grafikanwender die Bilder bearbeiten sind dagegen mit einem "echten" Grafiktablett wie Wacoms Cintiq besser bedient. Diese bieten weit ausgefeilterere Eingabemöglichkeiten als die aktuellen Tablet PCs. Im relativ kleinen Markt der Mac-Anwender wäre die potentielle Käufergruppe vorerst auch einfach zu klein. So glauben die Marktforscher von Gartner Dataquest nicht, dass die neue Hardware so bald reißenden Absatz finden wird. In ihrem Research Paper "Tablet PC is coming, but slowly" prognostizieren sie für das Jahr 2003 Stückzahlen von 425.000 Einheiten, das wären 1,2 Prozent des weltweiten Notebook-Markts. Als mögliche Hemmschuhe führen die Auguren die hohen Gerätepreise um die 2000 Dollar an, dazu kämen noch mangelnde Anwendungsunterstützung sowie plumpe Hardware-Designs, die die meisten Anwender abschrecken dürften. Sollte jedoch einmal der Bedarf nach einem iBook mit Web-Pad-Fähigkeiten bestehen, bräuchte man nur einen Notebook-Bildschirm mit Touchscreen-Eigenschaften einzubauen. Eine Schrifterkennung ist schließlich mit Inkwell bereits in Mac-OS X integriert. Selbst dann wäre allerdings die Frage, wieviel Aufpreis ein Anwender für diese Funktionalität wohl zahlen würde.
Mac-Anwender finden sich gelegentlich in einer La - Fontaine-Fabel wieder: Als ein Fuchs zu hoch hängende Trauben nicht erreicht, behauptet er, die Trauben seien ihm viel zu sauer. Die neuen Tablet-PCs bieten bisher jedoch wenig, was den Neid eines Mac-Anwenders wecken könnte.
Stephan Wiesend

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