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Taiwan klotzt auf der Cebit

13.03.2003 | 10:31 Uhr |

Das kleine Taiwan kommt auf der Computermesse CeBIT in Hannover groß heraus. Der Inselstaat mit knapp 24 Millionen Einwohnern stellt mit 655 Anbietern auch in diesem Jahr wieder die stärkste Zahl an ausländischen Ausstellern auf der High- Tech-Show, 2002 waren 589 aus dem Fernen Osten an die Leine gekommen. In elf Pavillons im auffälligen orang-anthrazitfarbenen Design zeigen die Taiwanesen ihr Angebot von Digitalkameras, Notebooks über Geräte und Zubehör für die drahtlose Kommunikation bis hin zu Handys auf etwa 20 000 Quadratmeter Fläche. "Von den reinen Zahl her vertreten wir zehn Prozent aller Aussteller. Gerade in der Krise muss man in der IT-Branche antizyklisch werben", sagt Dieter Neumann, der bei der Deutschen Messe für Taiwan zuständig ist.

Gesunken ist dagegen das Interesse von Anbietern aus den USA, die mit 247 die zweitgrößte Gruppe aus dem Ausland ausmachen. Allerdings ist der bloße Blick auf die Zahlen irreführend: Denn US- Computerunternehmen wie Microsoft, IBM oder der Technologiekonzern Lucent melden sich in der Regel über ihre europäischen Niederlassungen in Hannover an und werden dann diesen Ländern zugeordnet.

"Der Rückgang hat einmal konjunkturelle Gründe, auch die Irak Krise spielt eine Rolle. Wenn man aber mit den technologischen Inhalten argumentiert, sind die USA weiter mit der wichtigste Aussteller", erläutert Joachim Schäfer, Geschäftsführer der US- Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG. "Außerdem kann Taiwan vom eigenen Markt nicht leben im Gegensatz zu den USA und Kanada mit ihrem riesigen Binnenmarkt."

Taiwan-Vertreter Neumann will diesen Einwand nicht gelten lassen. Nach seinen Angaben verfügen die Anbieter des Inselstaats über einen attraktiven eigenen Markt: Die Handy-Dichte erreiche mittlerweile 106 Prozent, die Taiwanesen seien technikbegeistert und kaufkräftig. Gemessen am Export sei das Land weltweit der viertgrößte Lieferant in der IT und ComputerBranche. Elektrotechnik und Elektronik sind die größten Devisenbringer des Inselstaats.

Auch der große Nachbar, die Volksrepublik China, gibt auf der CeBIT Gas: Die Zahl der Aussteller hat sich von 63 im Vorjahr auf 114 nahezu verdoppelt (rund 2 200 Quadratmeter Fläche). Auch hier handelt es sich um kleine und mittlere Firmen. "80 Prozent der Standard Software stammen heutzutage aus den USA. Aber die Asiaten holen ganz stark auf und sind bei wichtigen Bauelementen führend", sagt Bernhard Rohleder, Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenverbands BITKOM.

Von Taiwan aus werde die lohnintensive Fertigung bestimmter Bauteile wie Tastaturen inzwischen in die Volksrepublik ausgelagert. "Die Volksrepublik ist noch eine Stufe zurück, aber die Computerindustrie spielt in der heimischen Wirtschaft eine zunehmende Rolle. So werden Fertigungskapazitäten rasant ausgebaut", erklärt Rohleder. Nach Angaben des Verbands investieren führende IT-Konzerne seit mehreren Jahren massiv in China, um im Reich der Mitte mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern präsent zu sein. Schon heute nutzen mehr als 50 Millionen Chinesen das Internet, vor sechs Jahren waren es erst eine halbe Million. Auch die Deutsche Messe AG will sich auf dem aufstrebenden asiatischen Markt etablieren: Auf der dritten CeBIT asia in Shanghai werden im September rund 600 Firmen und 75 000 Besucher erwartet. dpa

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