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Tauschbörsen: US-Plattenfirmen nehmen Studenten ins Visier

02.05.2007 | 09:29 Uhr |

Seit es Tauschbörsen im Internet gibt, gibt es Musikdiebe - und von jeher stehen junge Menschen besonders im Visier der Plattenindustrie. Die Musikfirmen in den USA kümmern sich nun vor allem um Studenten: Eine groß angelegte Offensive und Geldstrafen sollen Hochschülern den Spaß an gestohlener Musik verderben.

Schließlich seien im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Lieder illegal über Universitätscomputer heruntergeladen und damit ein Millionenschaden verursacht worden, so die «Recording Industry Association of America» (RIAA), der Verband der US-Musikindustrie. «Ein Diebstahl ist und bleibt ein Diebstahl, auch wenn er online stattfindet», begründet RIAA-Präsident Cary Sherman die Aktion. In zwei Wellen hat der Verband jeweils mehr als 400 Mails mit Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen an die Universitäten verschickt und sie aufgefordert, die Nachricht an die betreffenden Studenten weiterzuleiten. Der Inhalt dürfte die Empfänger gehörig erschreckt haben: Sie werden aufgefordert, Geldstrafen in Höhe von mehreren hundert Dollar zu zahlen. Andernfalls drohe ihnen ein Prozess. Auch sollen sie sich verpflichten, keine Lieder mehr von illegalen Seiten herunterzuladen, sonst würden sie sofort angezeigt. «Die Leute denken, sie könnten unerkannt Lieder stehlen. Doch sie sind nicht so anonym, wie sie glauben», sagt Sherman. Der Verband habe Computerspezialisten, die problemlos feststellen könnten, von welchem PC an der Hochschule die Lieder heruntergeladen wurden. Für die Universitäten wiederum ist es ein Leichtes, den Musikdieb ausfindig zu machen, da sich die Studenten mit Benutzernamen und Passwort an den Rechnern anmelden müssen. Darüber hinaus können die Universitäten selbst Strafen gegen ihre Studenten verhängen, wenn sie im Internet Lieder geklaut haben. An der University of California in Los Angeles wurden zwei Studenten für ein Semester suspendiert, berichtet die «Washington Post». Andere Hochschulen sperren zeitweilig die Internetzugänge der Studenten oder zwingen sie, sich ein Anti-Piraterie-Video anzuschauen. Weil nicht alle Universitäten so kooperativ sind, veröffentlichte die RIAA außerdem eine schwarze Liste der zehn Unis mit den meisten illegalen Downloads, um den öffentlichen Druck auf die Hochschulen zu erhöhen. Die 22 Jahre alte Studentin Kathleen aus Seattle war überrascht, als sie von den Suspendierungen hörte. «Die meisten Studenten wissen schon, dass Musikdownloads illegal sind und bestraft werden können. Aber sie denken nicht an die Konsequenzen, weil sie nicht durchgesetzt werden. Doch eine Suspendierung - das ist schon hart», sagt die Englisch-Studentin. «Ich habe schon Gewissensbisse beim Downloaden. Ich weiß, dass die Industrie viel Geld verliert. Aber am Ende ist die Aussicht auf das Lied doch zu verlockend, da entscheidet dann der Eigennutz.» Doch das ist nur ein Grund für Kathleen. «Die Chancen, wirklich erwischt und bestraft zu werden, werden von den meisten Studenten als sehr gering eingeschätzt». Dort setzt die RIAA nun mit ihrer Offensive an. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Strafen auch als reale Bedrohung wahrgenommen werden», sagt Sherman. Kathleen hat mehr als 4000 Lieder heruntergeladen. Die Musikindustrie zitiert Studien, wonach mehr als die Hälfte der Studenten illegale Musikportale nutzen und für über ein Viertel aller illegalen Downloads verantwortlich sind. «Musik herunterzuladen, ist einfach ein Teil der studentischen Kultur und Identität», findet der 20 Jahre alte Pharmaziestudent Steven von der Howard University in Washington D.C.. «Die Musikindustrie übertreibt es. Das ist doch kein großes Ding, nur ein paar Mausklicks. Und die Musikstars verdienen sowieso Millionen.» (dpa)

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