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Teilchenphysik rettet alte Schallplatten

11.05.2004 | 13:35 Uhr |

Ist eine Schallplatte so alt, dass ihr eine weitere Runde auf dem Plattenteller den Rest geben würde, so ist das in vielen Fällen nicht weiter schlimm.

Je nach Hitverdächtigkeit der enthaltenen Musik gibt es zwischen fünf und 25 Euro Ersatz in Form einer CD oder einer neuen Vinyl-Scheibe. Anders sieht es dagegen bei den Schall- und Schellackplatte sowie den Wachsrollen der Bibliothek des US-Kongresses aus. Im "Gedächtnis Amerikas" befinden sich zum Teil Tonträger aus dem 19. Jahrhundert die unwiederbringlich verloren gingen, wenn sie ein weiteres Mal abgespielt würden.

Abhilfe schaffen die Physiker Carl Haber und Vitaliy Fadeyev, die die alten Schätze mit einem Verfahren digital abbilden, das auch Chiphersteller zur Qualitätsprüfung verwenden. Sie erfassen die Tonträger mit einem an den Berkeley National Laboratories entwickelten optischen System, das für die Inspektion und die exakte Vermessung von Teilchendetektoren entwickelt wurde. Auf das dadurch erhaltene Abbild der Rillen wenden sie ein Bilderkennungsverfahren an, mit dem normalerweise Bilder aus Nebelkammern ausgewertet werden. Bei Nebelkammern handelt es sich um mit Wasserdampf gefüllte Gefäße, in denen unsichtbare Teilchen sichtbar werden, indem sie dort Nebeltropfen hinterlassen. So können Physiker ihre Bewegungen auswerten.

Haber und Fadeyev können mit Hilfe des Verfahrens Kratzer und Verschmutzungen in den Schallplattenrillen erkennen und von Erhebungen unterscheiden, die Musikinformationen beinhalten. Mittels Software werden die Fehler eliminiert. Schließlich wird noch der Weg berechnet, den eine Plattennadel durch die Rillen nehmen würde, und in ein digitales Format übersetzt. Im Ergebnis erhalten die Physiker Musikaufnahmen ohne Knackser, die sich zum Beispiel im MP3-Format abspeichern lassen. Klangbeispiele finden sich auf der Website der Berkeley Labs. (lex)

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