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Telekom: Ärger mit Kunden und Kartellamt

03.06.2013 | 13:12 Uhr |

Angesichts der angekündigten Datendrosselung bei DSL-Tarifen prüft das Kartellamt die Pläne, und die Kunden wehren sich.

Telekom-Kunden mit hohem Datenaufkommen im DSL-Netz sollen künftig mehr bezahlen, um eine ansonsten greifende Tempobremse zu umgehen. Dies hatte Anfang Mai der Chef des Telekommunikations-Unternehmens, René Obermann, angekündigt und dadurch scharfen Protest bei Kunden und in der Internet-Community ausgelöst. Demnach soll es künftig für Neuverträge oder nach Umstellung bestehender Verträge keine Flatrate mehr geben. Nun prüft das Deutsche Kartellamt diese Pläne des ehemaligen Staatsunternehmens, wobei es speziell darum geht, dass die Telekom Inhalteanbietern wie Musik- oder Videoplattformen weiterhin ungebremsten Zugang ermöglichen will, sofern diese eine Gebühr dafür entrichten. Eigene Angebote wie Videoload sollen bislang von der Drosselung ausgenommen sein. Von der Aktivität des Bundeskartellamtes berichtet unter anderem der österreichische ” Standard ”  im Anschluss an die FAZ.

Demnach sieht Kartellamtspräsident Andreas Mundt mögliche Folgen für den Wettbewerb, wenn die Telekom Content-Anbietern die Option gewährt, sich von einer Datendrosselung frei zu kaufen. Die Telekom verfüge auf dem Breitbandmarkt über eine starke Marktposition, die mit rund 12,4 Millionen DSL-Anschlüssen 45 Prozent ausmachen soll und damit eine starke Marktposition darstelle. “So könnten erhebliche Marktzutrittsschranken entstehen, wenn kleine Anbieter nicht in der Lage sein sollten, sich eine bevorzugte Behandlung zu erkaufen“, wird Mundt zitiert. Das Kartellamt hat deswegen die Telekom schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Dagegen zeigt der Kartellamtspräsident Verständnis für die Telekom, ihre Tarife je nach Datenverbrauch anzupassen: “Ein Grundrecht auf Flatrates für schnelles Internet vermag ich nicht zu erkennen“, hat er sich demnach geäußert. Er sieht es vielmehr als gerechtfertigt an, dass Intensivnutzer mehr zahlen müssten als Normalnutzer. Nur beim Thema Netzneutralität wird es für ihn problematisch. Allerdings plant die Telekom neuerdings offensichtlich, Teile des eigenen TV-Dienstes Entertainment in die Tempobremse einzubeziehen. Hiervon wäre insbesondere der VoD-Dienst Videoload betroffen, wie die ” Welt ”  mitteilt.

Die entsprechenden Angebote könnten zukünftig ebenso wie Angebote der Wettbewerber als reiner Internet-Service eingestuft und aus der bisherigen Entertainment-Tarifstruktur ausgegliedert werden. Allerdings soll die Datendrosselung frühestens ab 2016 umgesetzt werden und auch danach zu einem Aufpreis Flatrates im Angebot bleiben. Die Telekom beabsichtigt der ”Welt” zufolge, "bis zum Jahr 2016 ein entsprechendes, diskriminierungsfreies Vorleistungsangebot für alternative Diensteanbieter einzuführen."

 

 

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