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Telekom fährt Rekordverlust ein

10.03.2003 | 11:05 Uhr |

Für das Jahr 2002 weist das Telekommunikationsunternehmen einen Fehlbetrag von 24,6 Milliarden Euro aus, vor allem das Festnaetzgeschäft hat sich schlecht entwickelt.

Die Deutsche Telekom hat 2002 wegen Sonderabschreibungen den höchsten Verlust eingefahren, den je ein deutsches Unternehmen verzeichnet hat. Der Fehlbetrag belaufe sich auf 24,6 Milliarden Euro nach minus 3,45 Milliarden Euro im Vorjahr, teilte der größte europäische Telekomkonzern am Montag vor der Bilanzpressekonferenz in Hannover mit.

Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich nach Telekom-Angaben von 15,1 auf 16,3 Milliarden Euro. Die Telekom setzte mit 53,7 Milliarden Euro 11,1 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor. Die Netto- Finanzverbindlichkeiten sanken im Vergleich zum dritten Quartal 2002 von 64,3 auf 61,1 Milliarden Euro. Die Deutsche Telekom gab an, zum Abbau des Schuldenbergs hätten Verkäufe von Vermögenswerten sowie der verbesserte Liquiditätsfluss (Free Cash Flow) beigetragen. Unter anderem habe der Konzern 120 Millionen T-Online-Aktien veräußert und Immobilien verkauft. Auch die "anhaltend positive Entwicklung des Dollar-Wechselkurses" habe zum Abbau des Schuldenbergs beigetragen.

Die Sparten und Tochtergesellschaften des Unternehmens haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 unterschiedlich entwickelt. Während der Mobilfunk-Bereich T-Mobile und der Internet-Anbieter T-Online Zuwächse beim EBITDA-Ergebnis verzeichneten, verbuchten die Festnetz-Sparte T-Com sowie der IT- und Telekom-Dienstleister T- System Ertragsrückgänge.

Die Mobilfunk-Sparte T-Mobile habe ein "überproportionales EBITDA- Wachstum" verzeichnet. Das EBITDA kletterte im Gesamtjahr 2002 nach Telekom-Angaben um 61 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Der Geschäftsbereich setzte mit 19,7 Milliarden Euro fast 35 Prozent mehr um. Im Festnetz-Geschäft (T-Com) brach das EBITDA dagegen nach Konzernangaben um 8,9 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro ein.

Umbau des Telekom-Aufsichtsrates


Aktionärsschützer haben den von der Telekom am Wochenende angekündigten Umbau des Aufsichtsrates begrüßt, der frühere Henkel-Manager Hans-Dietrich Winkhaus
(65) wird nach knapp zwei Jahren von Post-Chef Klaus Zumwinkel (59)
abgelöst. Zumwinkel, seit Januar 1995 Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Post AG, war vor der Berufung von Kai-Uwe Ricke (41)
zeitweise auch als Telekom-Chef im Gespräch.
"Das ist ein richtiger Schritt", sagte die Vorstandssprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Reinhild Keitel in einem dpa-Gespräch. Der alte Aufsichtsrat der Deutschen Telekom habe sich sowohl bei der Ablösung von Ron Sommer als Vorstandschef als auch bei der Nachfolger-Suche nicht gerade mit Ruhm bekleckert, resümierte Keitel die entscheidenden personellen Veränderungen des vergangenen Jahres. Für eine Auswechslung mehrerer Aufsichtsratsmitglieder sei jetzt der richtige Zeitpunkt. Die neuen Kontrolleure könnten zur Hauptversammlung im Mai gewählt werden.

Post-Chef Klaus Zumwinkel sei den Umgang mit dem Bund als Großaktionär gewöhnt. Diese Nominierung zeige aber auch, dass der Bund und damit die Bundesregierung weiter einen gewissen Einfluss bei der Deutschen Telekom ausüben wolle. «Der Einfluss des Bundes hat sich nicht immer als segensreich erwiesen», betonte sie. Dies habe der Zickzackkurs bei der Ablösung von Ron Sommer gezeigt. Auch an den Finanzmärkten dürfte ein Bundeseinfluss auf die Telekom nicht als positives Signal aufgenommen werden. Besser wäre es gewesen, auch bei der Auswahl des Aufsichtsratschefs zu zeigen, dass sich die Politik zurückhalte.

Die Ablösung von Sommer als Vorstandschef sei angesichts des stetig steigenden Schuldenbergs der Telekom in jedem Fall geboten gewesen. Nur die monatelangen Debatten mit Solidaritätsbekundungen sowie Rücktrittsforderungen seien fatal gewesen für das Ansehen des Unternehmens. «Das hat auch offenbart, dass die Politik letztlich den Ausschlag gegeben hat und dass sich der Aufsichtsrat das Heft des Handels aus der Hand nehmen ließ», betonte Keitel. Die Nominierung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler als neue Telekom-Aufsichtsräten sei positiv. "Sie haben internationale Erfahrung. Das tut dem Unternehmen gut." dpa

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