876420

Telekom geht an das Tafelsilber

23.02.2001 | 00:00 Uhr |

Die Deutsche Telekom will den Milliarden
schweren Verkauf ihres Fernsehkabelnetzes bis Mitte diesen Jahres
abschließen. Die Mehrheit an den sechs in ihrer Hand verbliebenen
deutschen Regional-Kabelnetzen soll an die britisch-amerikanische
Investorengemeinschaft Klesch-Liberty-Media verkauft werden, teilte
der Bonner Konzern am Freitag mit. Dazu sei eine Absichtserklärung
unterzeichnet worden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. In
Presseberichten wird von bis zu zehn Milliarden DM ausgegangen. Die
T-Aktie legte am Freitag um mehr als drei Prozent auf gut 26 Euro zu.

Klesch and Company (London) und die Liberty Media wollten in den
sechs Regionen jeweils die Mehrheit von 55 Prozent mit einer Option
auf weitere 20 Prozent minus einer Stimme erwerben. Es handelt es
sich um die Regionen Bayern, Berlin/Brandenburg, Hamburg/Schleswig-
Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen/Bremen, Rheinland-
Pfalz/Saarland und Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen. In diesen
Regionen seien mehr als zehn Millionen Haushalte angeschlossen.
Bisher hat die Telekom die Mehrheit an den Kabelnetzen in Nordrhein-
Westfalen und Hessen für 2,9 Milliarden Euro (5,67 Mrd DM) verkauft.

In Baden-Württemberg soll der Vertrag mit dem Investor Callahan in
den nächsten Monaten mit dem Übergang der Anteilsmehrheit umgesetzt
werden. In Branchenkreisen wird auch in dem Fall ein Verkaufserlös in
Milliarden-Höhe für möglich gehalten. Durch den Mehrheitsverkauf der
deutschen Fernsehkabelnetze könnte der Bonner Konzern somit mehr Geld
einnehmen, als die Lizenzen für die neue Mobilfunkgeneration UMTS in
Deutschland gekostet haben. Nach Unternehmensangaben waren dafür 16
Milliarden DM erforderlich. Der Gesamtwert des Kabelvermögens war in
Branchenkreisen auf 30 Milliarden DM geschätzt worden. Die Telekom
bleibt daran langfristig 25 Prozent und einer Stimme beteiligt.

Die Investorengruppen wollen das Kabelnetz zu einem Multimedia-
Angebot ausbauen. Neben den Fernsehkanälen sollen auch Telefon- und
Internetdienste angeboten werden. Dafür sind Investitionen nötig.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
876420