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Telekom muss Ortsnetz für Wettbewerber öffnen

10.10.2001 | 00:00 Uhr |

Die Deutsche Telekom muss sich jetzt auch im Ortsnetz dem Wettbewerb stellen - zumindest vorläufig. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Münster entschieden (Az.: 13 B 1156/01). Einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe) bestätigte das Gericht am Mittwoch. Der Telekom-Wettbewerber Debitel hatte dem Branchenriesen laut Gericht vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung im Ortsnetz zu missbrauchen und vorläufig Recht bekommen. Dem Beschluss zufolge muss die Telekom ihren Wettbewerbern auch den Zugang zu digitalen Angeboten wie ISDN oder der schnellen Datenleitung ADSL gewähren.
Debitel hatte sich bei der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post über die Monopol-Situation im Ortsnetz beschwert. Die Behörde drängte daraufhin die Telekom, ihr Marktverhalten zu ändern. Statt darauf einzugehen, klagte die Telekom vor dem Verwaltungsgericht Köln. Gleichzeitig stellte die Telekom einen Antrag auf aufschiebende Wirkung. Dieser Antrag wurde in erster Instanz vom Verwaltungsgericht Köln und jetzt endgültig vom Oberverwaltungsgericht Münster abgewiesen. Der Bescheid werde voraussichtlich auch im Hauptsacheverfahren Bestand haben, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. In der Beanstandung erteilt die Regulierungsbehörde dem Bonner Unternehmen auch Auflagen zur Änderung seines Verhaltens. Kern der Forderung sei, den Wettbewerbern ein so genanntes Resell-Angebot zu unterbreiten, sagte Behördensprecher Rudolf Boll, das auch die so genannte letzte Meile zum Endkunden umfasse. Dann könnten die Unternehmen bei der Telekom etwa eine bestimmte Zahl Verkehrsminuten im Netz kaufen und diese Kapazitäten unter eigenem Namen an die Endverbraucher weitergeben.
Im Gegensatz zu Ferngesprächen beherrscht die Deutsche Telekom im Ortsnetz den deutschen Markt eindeutig. Im ersten Halbjahr 2000 erreichten die Bonner bei den Kurzverbindungen einer Marktanteil von 96 Prozent, bei Ferngesprächen nur von 47 Prozent, teilte die Regulierungsbehörde mit. Insgesamt lag der Marktanteil bei der Deutschen Telekom bei Telefongesprächen bei 78 Prozent. dpa

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