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Telekom schreibt rote Zahlen - Aktienkurs in Gefahr

28.11.2001 | 00:00 Uhr |

Erstmals seit ihrem Börsengang vor fünf Jahren wird die Deutsche Telekom im Geschäftsjahr 2001 aller Voraussicht nach eine Bilanz mit Verlusten vorlegen. Nachdem sich der Fehlbetrag in den ersten drei Quartalen auf eine Milliarde Euro (1,96 Mrd DM) summierte, rechnet Europas größter Telekommunikationskonzern für das gesamte Geschäftsjahr ebenfalls mit einem negativen Ergebnis nach Steuern. Dadurch werde die Dividendenfähigkeit aber nicht beeinflusst, teilte das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage der endgültigen Zahlen für die ersten drei Quartale 2001 mit.

Deutlich besser steht die Deutsche Telekom beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) da. Dieser Wert kletterte gegenüber den ersten drei Quartalen 2000 um 15 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Vor allem die positive Entwicklung im Mobilfunk habe dazu beigetragen. Die Mobilfunksparte schrieb vor Steuern mit 3,2 Milliarden Euro allerdings tief rote Zahlen. Dies führte die Telekom auf höhere Zinsaufwendungen sowie Abschreibungen auf Firmenwerte wie beim US-Mobilfunkbetreiber VoiceStream und UMTS-Lizenzen zurück.

An der Börse hatten die Geschäftszahlen indes keine großen Kursauschläge zur Folge. Bei insgesamt schlechtem Umfeld gehörte die T-Aktie beim Handelsauftakt zu den DAX-Werten mit den niedrigsten Verlusten. So gab das Papier nur leicht um 0,5 Prozent auf 18,7 Euro nach. Auch das Auslaufen von Haltefristen für rund 288 Millionen T- Aktien zum 1. Dezember hat sich bislang nicht auf den Kurs ausgewirkt.

Bei den genannten T-Aktien geht es um jene Papiere, die im Zuge der Übernahme von VoiceStream an dessen Großaktionäre (unter anderem Hutchison Whampoa, Sonera, Goldman Sachs) gegangen waren. Mit diesen Anteilseignern hatte die Telekom gestaffelte Haltefristen vereinbart, um den Kurs der T-Aktie nicht zu belasten. Die Papiere sollten bei einem möglichen Verkauf kapitalmarktschonend platziert werden, versprach Telekom-Chef Ron Sommer den Anteilseignern.

Für große Aufregung unter Aktionären und Telekom-Vorstand sorgte dann aber die Deutsche Bank, als sie im August ein Paket von rund 40 Millionen T-Aktien für Hutchison Whampoa platzierte und einen Kursrutsch auslöste. Jetzt befürchten Anleger, dass weitere Pakete ungeordnet auf den Markt kommen und den Kurs der ohnehin gebeutelten T-Aktie wieder nach unten ziehen. Der finnische Konzern Sonera beispielsweise, der noch über rund 38 Millionen T-Aktien verfügt, will verkaufen. Unklar ist, ob sich auch Hutchison Whampoa nach dem Auslaufen der Haltefristen von weiteren T-Aktien trennen wird. dpa

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