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Telekom wächst weiter

28.08.2000 | 00:00 Uhr |

Die Deutsche Telekom knüpft auf dem weltgrößten
Telekommunikationsmarkt USA ein flächendeckendes Mobilfunknetzes.
Nachdem der Bonner Telefonriese vor einem Monat die Übernahme der US-
Firma VoiceStream angekündigt hatte, wurde jetzt mit dem Erwerb von
Powertel für umgerechnet zwölf Milliarden DM (5,9 Mrd US-Dollar) ein
weiterer Zukauf vereinbart. Das teilte die Telekom am Montag in Bonn
mit.

Übernommen wird Powertel (West Point/Georgia) durch VoiceStream,
den künftigen strategischen Partner der Telekom. In den USA regt sich
aber politischer Widerstand gegen die Übernahme von VoiceStream durch
den Bonner Staatskonzern. Der neuerliche Zukauf der Telekom in den
USA steht und fällt daher mit dem Gelingen der VoiceStream-Übernahme.

Durch den Zukauf werde das Mobilfunknetz von VoiceStream im
Südosten der USA beträchtlich ausgebaut, heißt es. Mit Powertel
verfüge das Unternehmen über Lizenzen auf US-Märkten mit 245
Millionen Einwohnern. Davon seien 118 Millionen bereits erreichbar.
Die künftige US-Mobilfunktochter der Telekom könne damit 24 der 25
wichtigsten Märkte in den USA abdecken. Die beiden Gesellschaften
hatten Ende Juni zusammen rund 3,3 Millionen Kunden.

An der Börse wurde die Ankündigung positiv aufgenommen. Die
Notierung der T-Aktie kletterte zum Auftakt des Handels um rund zwei
Prozent auf 45,2 Euro. In den vergangenen Monaten hatte sie unter
anderem wegen der hohen Preise der VoiceStream-Übernahme und der
UMTS-Mobilfunklizenzen stark an Wert verloren.

Mit VoiceStream und Powertel will Europas größter
Telekommunikationskonzern endlich den lang ersehnten Einstieg in den
USA-Markt schaffen. Für VoiceStream muss die Telekom mehr als 100
Milliarden DM über einen Aktientausch zahlen. Sowohl Powertel wie
auch VoiceStream arbeiten mit dem in Europa üblichen GSM-Standard.

Im September sollen die VoiceStream-Aktionäre ein offizielles
Übernahmeangebot erhalten. Mit dem Abschluss der gesamten Operation
rechnet die Telekom erst Mitte kommenden Jahres. Auch die zuständigen
Aufsichtsbehörden müssen den geplanten Zukauf noch billigen. Gegen
den Telekom-Kauf hatte sich knapp ein Drittel der US-Senatoren
ausgesprochen. Sie wollen verhindern, dass sich ein Unternehmen mit
einem Staatsanteil von mehr als 25 Prozent eine US-
Telefongesellschaft einverleiben kann.

Um den Zusammenschluss von Powertel und VoiceStream zu
ermöglichen, haben die Telekom und Powertel eine eigene Vereinbarung
über die Akquisition getroffen. Wird nämlich der geplante Erwerb von
VoiceStream durch die Telekom erfolgreich abgeschlossen, kommt der
separate Zusammenschluss von VoiceStream und Powertel nicht zu
Stande. Nur in diesem Fall erhalten die Aktionäre von Powertel auch
Aktien der Deutschen Telekom (147,3 Millionen).

Die Abmachungen zwischen Telekom und Powertel sehen vor, dass die
Powertel-Aktionäre für jede Stammaktie 2,6 Aktien der Deutschen
Telekom erhalten. Auf der Basis des Schlusskurses der T-Aktie vom
vergangenen Freitag hätte jede Powertel-Aktie einen potenziellen Wert
von 105,4 US-Dollar. Hieraus ermittelt sich ein Kaufpreis von 5,9
Milliarden US-Dollar.

Von dem kleineren der zwei US-Mobilfunkfirmen werde die Telekom
Verbindlichkeiten von 1,2 Milliarden US-Dollar übernehmen, hieß es
weiter. Hauptaktionäre von Powertel hätten zugestimmt, bei
erfolgreicher Transaktion ihre Telekom-Aktien für eine festgelegten
Zeitdauer zu halten. Mit der Übernahme von VoiceStream und Powertel
wird der Staatsanteil der Telekom von zuletzt 58 Prozent auf rund 40
Prozent sinken.
dpa

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