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Terkel in Trouble

12.12.2005 | 13:54 Uhr |

Der Schlagzeuger der Ärzte spricht über Jugendkultur, Anarchie auf Raten, den Defekt der Gesellschaft und seine aktuellen Filmprojekte.

Offenen Auges im Hier und Jetzt. Bela B. Felsenheimer wird nicht leise: Nicht mit seiner Band „Die Ärzte“, die seit nunmehr 23 Jahren den deutschen Punk maßgeblich definiert. Auch nicht mit seiner Schauspielerei, mit der er zunehmend selbst hart gesottene Kritiker begeistert. Und erst recht nicht im dem belgischen Animationsfilm „Terkel in Trouble“, für den er nicht nur alle Songs sang, sondern auch noch sämtliche Charaktere synchronisierte. In der politisch absolut unkorrekten Action-Komödie gerät ein 13-jähriger Zahnspangen-Teenager in den Fokus eines Psychokillers. Wir nahmen den Film zum Anlass und erinnerten uns mit Bela B. Felsenheimer (42) an seine eigene Jugend, suchten nach Gründen für die Lebenshaltung „Punk“ und diskutierten am Beispiel des iPods aktuelle Tendenzen heutiger Jugendkultur.

Was war früher für Sie cool?

Felsenheimer: In erster Linie Musik. Speziell ab der neunten Klasse wurde es wichtig, die „richtigen“ Bands zu hören, und als ich den Punk-Rock für mich entdeckte, war das für mich extrem aufregend. Ich bin im eher konservativen Westberliner Randbezirk Spandau groß geworden, diese neue Musikrichtung war dort exotisch. Es gab nur eine Handvoll Punks, und die wurden von den Klassenschlägern bedroht.

Haben Sie sich jemals für Ihre Wertvorstellungen geprügelt?

Felsenheimer: Eigentlich bin ich eher ein Mann der Worte, aber ich war auch in Schlägereien verwickelt, bei denen ordentlich die Fetzen flogen. Einmal wurde ich beim Rauchen erwischt und musste gemeinsam mit einem rechtsradikalen Schüler den Hof fegen. Als der mich mit Parolen auf seine Seite ziehen wollte, konnte ich nicht mehr an mich halten. Allerdings war ich diplomatisch genug, mich nie einem der Schlägergangs in meinem Viertel anzuschließen.

Punk-Rocker sind Sie bekanntlich bis heute geblieben. Was verbinden Sie heute mit dem Begriff Coolheit?

Felsenheimer: Wer sich seiner und seiner Umwelt bewusst ist und selbst was auf die Beine stellt auch gegen allgemeine Trends und Meinungen. Zivilcourage, Mut ist letztendlich auch cool. Es heißt immer, die heutige Jugend wäre unpolitisch, aber als Mitglied der Ärzte will ich daran nicht glauben. Ich stehe in ständigem Kontakt mit Fans, und ihre E-Mails beweisen mir das Gegenteil. Es gibt durchaus junge Menschen, die eine politische Meinung haben. Die sich dagegen wehren, dass z.B. Rechtsradikalismus zunimmt oder Schwule noch immer gedisst werden.

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