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Terror bringt Web fast zum Zusammenbruch

12.09.2001 | 00:00 Uhr |

Nach den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington hat das Internet einen gewaltigen Ansturm erlebt - und überstanden. Menschen in aller Welt steuerten mit ihrem Browser Nachrichtenangebote im Web an, um sich über das gewaltige Ausma? der Katastrophe zu informieren. Unzählige Amerikaner versuchten, über E- Mail, Chat-Räume oder Online-Telegramme herauszufinden, ob ihre Verwandten oder Freunde in Manhattan und in Washington wohlauf sind. Häufig blieb das Netz als einziger Kommunikationsweg übrig, da sowohl das Telefon-Festnetz als auch die Mobilfunk-Netze in New York und Washington zusammengebrochen waren.

Unmittelbar nach dem Einschlag der beiden entführten Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers waren allerdings auch die Nachrichten-Sites im Web nicht mehr erreichbar. 'Nicht das Netz insgesamt war überlastet, sondern einzelne Serverª, sagte Irene Heinen, Geschäftsführerin der Nettraffic Internet Performance GmbH in Hamburg. Nettraffic misst regelmä?ig die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit von Onlineangeboten.
In den USA wurden die Web-Sites von CNN, New York Times, ABC News und anderen Nachrichtenangeboten am frühen Dienstagabend (Ortszeit) voll von der Wucht der Nachfrage getroffen. Zu diesem Zeitpunkt konnten die wichtigsten News-Sites nach Messungen von Keynote Systems kaum noch aufgerufen werden. Auch die Sites der betroffenen Airlines waren überlastet.

"Der Ansturm auf unsere Server hat eine neue Dimension erreicht", sagte der Redaktionsleiter von Spiegel.de, Mathias Müller von Blumencron, am Mittwoch. Die überwältigende Nachfrage nach aktuellen Informationen und den Hintergründen des Angriffs werde den bisherigen Zugriffsrekord bei Spiegel-Online auf 10 Millionen Seitenabrufe (Page Impressions) am Tag verfünffachen. "Das Netz wird als journalistisches Medium ernst genommen und ersetzt häufig das Fernsehen, das Radio oder auch die Tageszeitung."

Bei Focus.de legte der Ansturm am Dienstagabend die Server kurzfristig lahm. Nachdem das Angebot nun auf drei zusätzlichen Server-Farmen präsentiert wird, können sich mehr User denn je die Berichte zu der Attentatsserie anschauen. Sie stammen zum Teil von einem Focus-Online-Korrespondenten vor Ort, der sich unmittelbar vor der ersten Explosion in einem Hotel gegenüber den Twin-Towers des World Trade Centers aufhielt. "Wir haben inzwischen redaktionell betreute Diskussionsforen eingerichtet, damit unsere User sich über die schrecklichen Ereignisse austauschen können", sagte der Chefreakteur von Focus Online, Jürgen Marks.

Wie Focus Online reagierten auch andere Nachrichten-Websites schnell auf den Ansturm: Zusätzliche Serverkapazitäten wurden angemietet, die Web-Angebote spontan entschlackt, damit mehr Platz für die Berichte über den Terroranschlag und die Reaktionen aus aller Welt zur Verfügung steht. "Das Internet hat sich in dieser Krisensituation als extrem zuverlässiges und effizientes Medium erwiesen", sagte Charles Neal, Experte für Cyberterrorismus von dem kalifornischen Web-Hosting- Unternehmen Exodus Communications. dpa

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