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Test Aperture

02.01.2006 | 17:03 Uhr |

Obwohl Apple noch kurz vor Weihnachten ein erstes Update für sein Fototool Aperture nachschiebt, kann die aktuelle Version beim Test nicht überzeugen. Zu groß sind die Mängel bei Stabilität, Bildorganisation oder RAW-Bearbeitung. Trotzdem hat Apple mit Aperture einen Coup gelandet.

Was man Apple in Sachen Aperture vorwerfen kann, ist in der aktuellen Ausgabe der Macwelt (Seite 54 ff) ausführlich nachzulesen. Trotzdem hat Apple eine Bewegung in die richtige Richtung gemacht, und eine neue Zielgruppe in das Interesse der Softwareentwickler gerückt. Nicht nur bei Adobe hat die Ankündigung von Aperture für Aufregung gesorgt, auch wenn Aperture kein Photoshop-Konkurrent ist, könnte es dafür sorgen, dass es 2006 noch weitere spannende und neue Software für Fotografen geben wird, oder die vorhandenen RAW-Converter von Phase One, Bibble Labs oder Lasersoft überarbeitet und erweitert werden.

Was halten Sie von Aperture. Welche Erfahrungen haben Sie mit der Software gemacht, wo sehen Sie die großen Schwächen und Stärken von Apples Fototool. Das möchten wir gerne von Ihnen wissen, schreiben Sie uns Ihren Kommentar. Die interessantesten werden wir in einer der nächsten Ausgaben veröffentlichen, zur Belohnung verlosen wir unter den Kommentatoren ein Paket Fotopapiere von Tecco.

Zum Vergleich lesen Sie hier nochmal das Fazit unseres Tests, sowie die in Ausgabe 2/2006 veröffentlichten Kommentare:

Fazit:

Vor allem wegen der nicht erklärbaren Datenverluste, aber auch wegen der Vielzahl an Fehlern und Einschränkungen können wir die erste Version von Aperture keinem empfehlen. Nach einer entsprechenden Fehlerkorrektur von Apple und in einer deutschen Fassung könnte das Programm vor allem wegen seiner sehr einfachen Möglichkeit, Fotos zu sichten, sortieren und verwalten, mehr als zwei Noten gut machen. Die aktuelle Version 1.0 ist für den professionellen Einsatz nicht zu gebrauchen und erhält daher nur ein Mangelhaft.

Steckbrief: Aperture 1.0

Programm mit Profi-Anspruch zum Sortieren, Verwalten und Bearbeiten von RAW-Fotos

Note: 4,5 mangelhaft

Vorzüge: komfortables Sichten und Sortieren der Fotos mit guter Unterstützung zweier Bildschirme, hilfreiche Tools zum Vergleichen und Selektieren der Fotos, komfortable Möglichkeiten der Verschlagwortung und Organisation

Nachteile: nicht nachvollziehbare und unregelmäßige Verluste von Fotos, nicht in Workflow integrierbar, RAW-Fotos nicht direkt mit Photoshop editierbar, schlechte Ausgabequalität von RAW-Fotos, einige Profi-Werkzeuge fehlen oder sind zu oberflächig, mit Backup-Software wie Retrospect nur ganzes Backup des Archivs möglich, teilweise instabil, wenig unterstützte RAW-Formate, sehr hohe Systemanforderungen, löscht EXIF-Informationen beim Export, keine automatischen Updates der Aperture-eigenen Sicherungskopien (Vaults) möglich, nur Englische Version

Alternativen: Adobe Camera RAW und Bridge, Capture One Pro, Silverfast HDR Studio

Preis: € (D) 479, € (A) 499, CHF 699

Technische Angaben:

Unterstützte Formate: CRW, NEF, TIF, CR2, OLY, DNG, JPEG, TIFF, PICT, BMP, PNG, TGA, PSD (ohne Alpha-Kanäle)

Systemanforderungen: ab Power Mac G5 oder iMac G5 mit 1,8 GHz oder Powerbook G4 ab 1,25 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher, 5 GB Festplattenspeicher. Empfohlen: ab Power Mac G5 2-mal 2 GHz, 2 GB Arbeitsspeicher

Info: Apple, www.apple.de/aperture

Kommentar Markus Schelhorn, Testredakteur Macwelt

Aperture könnte viel Spaß machen, auch wenn wohl nur wenige Profis ihre etablierten Alternativen mit derzeit weit besserer RAW-Ausgabe zugunsten dieses Tools aufgeben werden. Doch die Wirklichkeit schaut bislang anders aus. Solch ein unausgereiftes Produkt habe ich von Apple noch nicht gesehen. Unverzeihlich sind häufige Abstürze, die schlechte RAW-Ausgabe und vor allem aus unerfindlichen Gründen verloren gegangene Projekte – das bedeutet auch verloren gegangene Fotos, soweit sie zuvor nicht gesichert waren. Störend auch die fehlende Länderlokalisierung, die das Finden der Tastenkürzel in Aperture zu einem Adventure-Spiel macht. Weiter geht es mit der mangelhaften Unterstützung des DNG-Formats und der geringen Anzahl unterstützter Kameras, die RAW-Formate ausgeben können. Die Mängelliste setzt sich munter fort: Die für einen individuellen Workflow ungeeignete Organisation aller Fotos in nur einer Bibliotheksdatei, die fehlende Möglichkeit, RAW-Bilder direkt mit Photoshop zu öffnen, die fehlenden Exif-Informationen beim Export von Fotos, die sehr hohen Systemanforderungen. Die erste Version können wir keinem empfehlen. Bis Redaktionsschluss kurz vor Weihnachten hat Apple noch ein kleines Update nachgeschoben, das grundlegende Fehler nicht behebt.

Kommentar Christian Popkes, Diplomdesigner und Profifotograf, Hamburg

„Ich sehe die Stärken von Aperture anders, ich sehe vor allem die Richtung, die Apple damit einschlägt. Das Wichtigste an dem Programm ist, dass es da ist. Hier hat sich kein reiner Software-Mensch überlegt, wie er Bildbearbeitung gut am Computer machen kann, und alle Fotografen müssen sich danach richten. Hier hat sich endlich mal einer hingesetzt und den Fotografen auf die Finger gesehen. Aperture ist mehr der analogen Arbeitsweise von Fotografen nachempfunden als alle anderen existierenden Programme und bietet daher einen hohen Wiedererkennungseffekt (Leuchttisch, Diastapel, Lupe). Der zweite bahnbrechende Vorteil ist, dass RAW-Dateien nicht im Original bearbeitet werden. Wenn Aperture logisch weiterentwickelt und gut übersetzt wird, Apple die RAW-Kompatibilität verbessert und keinen Photoshop-Ersatz draus macht, und wenn ein Fotograf seine Bilder so abspeichern kann, dass er sie wiederfindet, dann wird das was. Diese Version ist für mich ein Testwagen, und wenn der in die richtige Richtung weiterfährt, bin ich der glücklichste Fotograf der Welt.“

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